enso hydro sieht sich nach neuen Projekten in Südosteuropa um

Der österreichische Wasserkraftspezialist enso hydro, der bis Ende Juni über Fonds der Deutsche-Bank-Tochter DWS 70 Millionen Euro aufbringen will, sieht sich nach neuen Projekten in Südosteuropa um. Nach ersten Kraftwerken in der Türkei, Norwegen und Albanien sucht man auch in Bulgarien, Rumänien und Serbien geeignete Standorte, sagte enso-CEO Georg Kühhas im Gespräch mit der APA.

Auch Richtung Montenegro oder Bosnien-Herzegowina könnte man sich wenden. Bisher wurden vier Werke mit 200 GWh Jahresmenge bzw. knapp 70 MW Leistung angestoßen. Im Endausbau strebt enso bis 2016 ein Gesamtvolumen von rund zwei Dutzend Kraftwerken mit 277 MW bzw. 1.030 GWh (rund 1 TWh) Jahreserzeugung an. Samt lokalen Partnern und dem Geld aus den Fonds will enso dafür insgesamt 400 Millionen Euro investieren.

Je ein Drittel der Gesamtinvestition soll in Südosteuropa sowie der Türkei getätigt werden, ein weiteres Viertel in Norwegen, der Rest im Alpenraum (etwa Österreich), wobei die Investmentphase 2016/17 abgeschlossen sein soll. Ab 2019/20 könnten dann schrittweise Kraftwerksanteile an örtliche Betreiber oder auch Finanzinvestoren verkauft werden - frühestens, wenn die Anlagen zumindest zwei, drei Jahre gelaufen sind. Institutionellen Fondsinvestoren (Einzelbeträge ab 1 Million Euro) winkt für einen 7-jährigen Zeithorizont eine Verdoppelung ihres Mittel, Kleinanleger (deutsche ab 25.000 Euro, österreichische ab 50.000 Euro) können auf das 1,8-Fache hoffen. Mehr als 40 der 70 Millionen sollen von Kleinanlegern kommen, knapp 30 Millionen Euro von Institutionellen - Zielregion ist der deutschsprachige Raum. Um die Investments abzusichern, arbeitet enso - abgesehen von Garantien der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB) - in den einzelnen Ländern stark mit Partnern zusammen, die früher bei der EBRD oder in deren Umfeld tätig waren. "Natürlich ist Rechtssicherheit in Südosteuropa oder der Türkei ein wichtiges Thema", so Kühhas. Abgewickelt werden die Projekte dann mit Personen, die vor Ort über Wasserrechte oder Kraftwerkslizenzen verfügen.

Prinzipiell hält enso Mehrheiten, auch über landesübergreifende Holdings. Veräußert werden sollen später einzelne Anlagen oder gleich ganze Holdings. Da gerade ein Verkauf ganzer Holdings ein Teil des "value added" sein soll, wolle man sich nicht mit zu vielen verschiedenen Länder-Engagements "verzetteln". Einzelne Kraftwerke sollen maximal 30 MW Leistung groß sein - teils auch in Kaskaden angelegt wie ein Albanien-Projekt mit 5 Stufen zu je 6 MW, so Kühhas, der seit Anfang 2011 bei der steirischen enso ist, die rund 15 Mitarbeiter zählt. Gegründet wurde enso auf Initiative von Verbund-Aufsichtsratschef Gilbert Frizberg, dessen Familie sich seit Generationen mit Kleinkraftwerken beschäftigt. Jetzt sitzt Frizberg bei enso - wie WKÖ-Chef Christoph Leitl - im Beirat. Mehrheitlich beteiligt sind die Familien Kapsch und Trierenberg.

Insgesamt will sich enso hydro selbst mit einem Eigenkapital von 100 Millionen Euro bei den Wasserkraftprojekten engagieren. 30 Millionen Euro davon sollen von der enso GmbH & Co KG als Co-Investor kommen. Der angestrebte Fremdkapitalanteil auf Ebene der Wasserkraft-Gesellschaften liegt bei 60 Prozent oder zirka 247 Millionen Euro, auf Fonds-Ebene entspricht das rund 50 Prozent. Als Gesamtkapital aller Wasserkraftgesellschaften (samt lokalen Co-Investoren) sind etwa 315 Millionen Euro vorgesehen.

Die enso GmbH bekommt laut Kühhas pro Projekt ein Akquisitionsgeld ("Erwerbsgebühr") von 3 Prozent, bezogen auf das Gesamtinvestment, ferner eine Betreuungsgebühr ("Management Fee") bis 2015 von jährlich 1 Prozent der Gesamtkosten beziehungsweise ab 2016 jährlich 1 Prozent des Net Asset Value (NAV). Für die DWS oder weitere Fonds-Vertriebspartner ist für die Eigenkapitalvermittlung einmalig ein Agio von 2 Prozent fällig beziehungsweise jährlich 0,25 Prozent für 7 Jahre, bezogen auf das Eigenkapital (Fondskapital ohne Agio). Für die Fondsverwaltung stehen DWS 2,0 Prozent des investierten Kapitals zu sowie als Managementgebühr jährlich 0,4 Prozent bezogen auf das Eigenkapital. Am Ende, beim "Exit", bekommt DWS noch 0,5 Prozent des Nettoliquidationserlöses, enso 1 Prozent des Nettoverkaufserlöses. (APA/red)

Verwandte tecfindr-Einträge