Speditionen

England: Tausende Lastwagenfahrer verbringen Weihnachten am Parkplatz

Nach der Schließung von Grenzen nach Großbritannien zum Schutz vor der neuen Mutation des Coronavirus parken seit Tagen tausende Lkw-Fahrer im Süden Englands. Ein Deutscher erzählt, dass er wohl auch am Heiligen Abend dort ausharren muss.

Lkw-Fahrer im Stau in England empfinden die Grenzschließung zum Schutz vor der neuen Corona-Variante als "kontraproduktiv". "Wir stehen hier für Essen in der Schlange und jeder spricht mit jedem", sagte der Fahrer Mario Mertel der Deutschen Presse-Agentur am Telefon.

"Davor hatte ich gerade einmal mit einer einzigen Person Kontakt, hier jetzt mit viel mehr." Der 24-jährige Deutsche parkt seit Dienstag in der Früh zusammen mit Tausenden anderen Fahrern auf dem stillgelegten Flugplatz Manston gut 30 Kilometer nördlich vom Hafen von Dover.

Von dort aus hatte er ursprünglichabend oder Dienstagmorgen nach einer Lieferung eine Fähre zurück nach Frankreich nehmen wollen. Um dorthin einreisen zu dürfen, müssen die Fahrer nach neuen Bestimmungen nun einen negativen Corona-Schnelltest vorlegen. "Eine Fähre mit Schnelltests soll wohl auf dem Weg sein, aber wir wissen nicht, wann die Tests hier ankommen."

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"Eine Dusche wäre schön"

Seine Hoffnung, noch Weihnachten nach Hause zu kommen, sei gering, sagt Mertel, der für eine Spedition aus dem baden-württembergischen Dettingen arbeitet. "Wenn alles reibungslos verläuft, könnte ich es noch am zweiten Feiertag schaffen." Dazu müssten aber unter anderem die Fahrverbote an den Feiertagen gekippt werden.

Frankreich hatte wegen der rasanten Ausbreitung der neuen Coronavirus-Variante die Grenzen zu Großbritannien auch für den Warenverkehr geschlossen. Seitdem stecken Tausende Lastwagen in Südostengland fest, betroffen sind laut Bundesverband Spedition und Logistik auch 300 bis 400 deutsche Fahrer. Inzwischen wurde eine Wiedereröffnung angekündigt. Die Regierung in London rechnet dennoch nicht mit einem raschen Ende des Staus.

Bei Regenwetter teilten sich Tausende Fahrer wenige mobile Toiletten, kritisierte Mertel, der bereits seit Samstag im Land ist. Auf dem provisorischen Parkplatz sei es laut und er habe kaum Schlaf bekommen. "Die Laune sinkt." Außer nach Hause fahren zu dürfen, wünscht sich der Lkw-Fahrer noch etwas: "Eine Dusche wäre schön." (dpa-AFX/apa/red)