Maschinenbau

Engel Austria: Geht der Generationenwechsel auf?

Im Dezember beerbte Stefan Engleder Peter Neumann als Chef des Schwertberger Maschinenbauers Engel. Seine ersten hundert Tage im Amt.

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Engel-CEO Stefan Engleder baut aus.

Eine Weihnachtsfeier ohne ihn wäre nicht dasselbe. Und so durfte der Mann, der zwei Jahrzehnte operativ die Engel-Geschäfte verantwortete, der den Spritzgießmaschinenbauer internationalisierte und 2015 erstmals die Umsatzmilliardengrenze knackte, nicht fehlen: Peter Neumann. Halten durfte die Weihnachtsansprache in der Betriebskantine vor versammelter Schwertberger Mannschaft aber schon der Neue: Stefan Engleder, Enkel der im Vorjahr im hohen Alter verstorbenen Engel-Gründer Irene und Georg Schwarz, seit Dezember neuer CEO. Zu einem Problemaufriss geriet die Ansprache nicht - im Gegenteil: Die Geschäfte beim Maschinenbauer laufen blendend, der Kunststoffindustrie geht es gut. "Dicke Brocken", große Diskussionspunkte, gibt es demnach nicht, erzählt ein Mitarbeiter. Aus Engleders Worten sprühte an diesem Tag vielmehr - Tatendrang.

Expansion

Ausbau in Schwertberg, Ausbau in St. Valentin, Ausbau im tschechischen Lieferwerk Kaplice - der Maschinenbauer Engel streckt sich nach der Decke. 100 Millionen nahmen die Mühlviertler im Geschäftsjahr 2016/17 für Erweiterungen in die Hand - die angeschafften Produktionstechnologien sind, wie es sich in alter Schwarz-Tradition gehört, "auch diesmal wieder vom Feinsten", sagt ein Mitarbeiter. Doch mit den Platzreserven in Schwertberg wird es langsam eng. Auch weil er - Vertriebschef Christoph Steger - wie Neumann der geborene Verkäufer ist. Mit großer Ausdauer (O-Ton Mitarbeiter: "Wie Engleder schenkt er sich nichts") kurbelt er die Absätze in Europa und Übersee an. "Gerade noch am Sprung nach Asien, sitzt er wenig später schon wieder im Büro", sagt ein Mitarbeiter anerkennend.

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Der Bau einer neuen Montage plus Kundentechnikum sollen in Schwertberg nun Luft schaffen. Indes hält CEO Stefan Engleder, der als gestandener Techniker "nicht lange um den heißen Brei herumredet" (ein Mitarbeiter) und dessen Laufbahn so manch ein Mitarbeiter schon seit seiner Ferialpraktikumszeit bei Engel mitverfolgt, das Unternehmen auf Kurs. Nicht überraschend: Dass der passionierte Techniker, der wie andere Mitglieder der Unternehmerfamilie keinerlei überbordenden Luxus erkennen lässt, das Engel-eigene Prozessoptimierungssystem (Epos) auch als CEO weiter treibt: "Das lässt ein Engleder nicht aus der Hand", sagt ein Mitarbeiter.

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Ausbau des Zulieferwerks Kaplice

Der strenge Wertekodex des Unternehmens, der auf allen Ebenen Einsatz einfordert, ist auch für die Mitarbeiter des tschechischen Komponenten- Zulieferwerks Kaplice verbindlich. Der Standort, den die Engel-Führung längst als Teil der „Engel-Familie“ betrachtet, wird aufgewertet: 46 Millionen investieren die Oberösterreicher in die dortige Erweiterung, 260 Arbeitsplätze sollen entstehen. Eine unlängst gestartete interne Lehrlingsausbildung nach Engel-Schnittmuster soll Mitarbeiter noch enger an den Konzern binden.

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