Smart Meter

Energieversorger bekommen mehr Zeit bei der Einführung der Smart Meter

Ursprünglich wollte Österreich bei der Einführung der umstrittenen neuen digitalen Stromzähler die Vorgaben der EU deutlich übertreffen. Jetzt wird der Zeitplan angepasst, obwohl wichtige Fragen weiter offen sind.

Die Energieunternehmen haben nun mehr Zeit für die Einführung der digitalen Stromzähler (Smart Meter). Die ursprünglichen ehrgeizigeren österreichischen Pläne wurden nun an die EU-Vorgaben angepasst, geht aus der neuen Smart-Meter-Einführungsverordung hervor. Kunden können den "intelligenten" Stromzähler aber früher erhalten als vom Netzbetreiber vorgesehen.

Nun müssen bis Ende 2020 mindestens 80 Prozent der Haushalte mit einem Smart Meter ausgestattet sein, wie dies auch von der EU vorgesehen ist. Bis Ende 2022 erhöht sich die Verpflichtung auf zumindest 95 Prozent. Den ursprünglichen österreichischen Plänen zufolge sollten es 70 Prozent bis Ende 2017 und 95 Prozent bis 2019 sein.

Für Kunden, die ihren "intelligenten" Stromzähler früher haben wollen als vom Netzbetreiber vorgesehen, gibt es neu ein "Opt-in": Der Smart Meter muss ehestmöglich, höchstens binnen sechs Monaten, installiert werden, geht aus der am 15. Dezember ausgegebenen Verordnung hervor. "Das kann vor allem bei jenen Haushalten der Fall sein, die sich für spezielle Smart-Meter-Tarife interessieren oder eine Photovoltaik-Anlage installieren lassen möchten", so E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer.

Wenn ein Kunde den digitalen Stromzähler ablehnt, muss dieser so konfiguriert werden, dass keine Monats-, Tages- und Viertelstundenwerte gespeichert und übertragen werden.

Starke Bedenken zur Anfälligkeit des digitalen Systems und einer umfassenden Datenspionage: Smart Meter: Auch am neuen Plan gibt es Kritik >>

Österreichische Datenschützer und die Liste Pilz kritisieren diese Regelung: Sie sei nichts als ein nettes Versprechen. Falls ein Verbraucher nicht will, dass seine gesamten Stromdaten jede 15 Minuten an ein Datenzentrum gehen, bekommt er den teuren neuen Smart Meter trotzdem ins Vorzimmer gehängt - und dazu lediglich eine Zusicherung, dass eine bestimmte Software darin nicht benutzt werde. Ein in Zeiten von betrügerischer Software selbst in klassischen Dieselmotoren ein seltsam hohl klingendes Versprechen.

Neue Unsicherheiten entstehen auch durch in letzter Sekunde eingefügte Textpassagen, die den Umfang des Opt-Out definieren und zusätzliche Bestimmungen, die Eingriffe in den Ablauf des technisch hochkomplexen Roll-out darstellen könnten. Hier sollte eine noch eine Konkretisierung für die Umsetzung erfolgen. 

Energiewirtschaft erleichtert

Die E-Wirtschaft beurteilt die Novellierung der Smart-Meter-Einführungsverordnung grundsätzlich positiv. "Damit sind unerfüllbare Vorgaben der ursprünglichen Verordnung vom Tisch, was in Summe mehr Sicherheit und Klarheit sowohl für Netzbetreiber als auch für Stromkunden bringen wird", so Barbara Schmidt, Generalsekretärin des Interessenverbandes Oesterreichs Energie.

Es werde mit der Anpassung der Verordnung den jahrelangen Praxis-Erfahrungen der Netzbetreiber in der Vorbereitung des Smart Meter Roll-out Rechnung getragen. Schon aus den Voruntersuchungen und Pilotsystemen sei klar gewesen, dass die technische Reife der verfügbaren Produkte und Systeme mehr Zeit für die Vorbereitung des österreichweiten Roll-outs erforderlich machen würden als ursprünglich vorgesehen. (apa/red)

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