Erneuerbare Energie

Energiesystem der Zukunft im Salzburger Köstendorf erprobt

Salzburg arbeitet intensiv an der Entwicklung der intelligenten Energienetze Smart Grids. In Köstendorf im Flachgau geht derzeit ein Testgebiet für das Energiesystem der Zukunft in Betrieb. In der Stadt Salzburg wird eine für Smart Grids optimierte Wohnanlage errichtet. Diese Projekte stellte die Salzburg AG mit ihren Partnern Salzburg Wohnbau und Siemens anlässlich der Smart Grids Week, die derzeit in Salzburg stattfindet, einem internationalen Publikum vor.

Als Salzburg vor vier Jahren vom Klimafonds zur ersten Modellregion für Smart Grids gekürt wurde, habe es nicht viel mehr als Ideen und Powerpoint-Präsentationen gegeben. Mittlerweile seien Pilotprojekte in Betrieb, veranschaulichte Michael Strebl, Geschäftsführer der Salzburg Netz GmbH, am Dienstagabend bei einem Mediengespräch die Entwicklung. Salzburg gehöre zu den Vorreitern bei der Entwicklung von intelligenten Energienetzen, sagte Salzburg AG-Vorstand August Hirschbichler.

In Köstendorf gibt es in dem Modellgebiet auf jedem zweiten Haus eine Fotovoltaikanlage sowie in jeder zweiten Garage ein E-Auto, berichtete Strebl. Insgesamt wurden 43 Fotovoltaikanlagen installiert, 36 E-Autos sind in Betrieb. Die Herausforderung für das Energiesystem sei der Ausgleich zwischen dem stark schwankenden Angebot der zusätzlichen Stromerzeuger und der sich ändernden Nachfrage durch die neuen Verbraucher. So eine hohe Dichte an dezentralen Erzeugern und zusätzlichen Verbrauchern wie in Köstendorf sei in Europa einzigartig, sagte Strebl. Mit intelligenter Technologie wird das Netz stabil gehalten.

Die intelligenten Stromnetze ermöglichten eine bessere Integration der erneuerbaren Energie in das bestehende Netz, erklärte Martin Graf, Vorstand der Energie-Control Austria. Die sichere Versorgung sei ein Grund für den notwendigen Umbau des Systems. Graf erwartet, dass in Österreich bis zum Jahr 2020 rund 8,6 Mrd. Euro in die Netze investiert werden müssen. Die bis 2019 vorgesehene Umstellung auf Smart Meter – intelligente Stromzähler – fällt ebenso darunter wie die Einbindung erneuerbarer Energie und die Aufrüstung der Übertragungs- und Verteilnetze.

Die Umstellung werde schrittweise erfolgen, ist Strebl überzeugt: „Auch der Umstieg vom analogen Telefon zur digitalen Technik ist nicht von einem Tag auf den anderen gegangen.“ Auch Hirschbichler verglich die Herausforderungen, vor denen die Energiewirtschaft derzeit steht, mit der Entwicklung in der Telekommunikationsbranche. „Es kommt zu einer Internetisierung der E-Wirtschaft“, sagte der Manager. Die Energiekunden würden nicht mehr nur als Konsumenten, sondern immer stärker auch als Produzenten auftreten und so zu „Prosumern“ verschmelzen.

Angesichts dieser Entwicklung wird sich die Aufgabe des Netzbetreibers verändern: Er würde vom reinen Energieverteiler zum Manager des Energiesystems, glaubt Strebl. Noch sind die Technologien, die die Salzburg AG mit ihren Partnern für die Projekte der Smart Grids Modellregion entwickelt hat, Prototypen. In den nächsten Jahren werde es um eine Evaluierung der Projekte sowie die Weiterentwicklung zu alltagstauglichen Lösungen gehen, skizzierte Strebl die Pläne für die Zukunft.

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