Green factory

Energiemanagementsysteme: 3,2,1...klimaneutral!

Der Funktionsumfang von Energiemanagementsystemen hat sich multipliziert. Aber wie leicht geht damit die Transformation zum grünen Vorzeigebetrieb von der Hand?

Von

"Ein Scoring von Null bis Hundert ermittelt, wie es um den energetischen Zustand der Maschine steht."
Sven Ortmann, Head of Software, Schneider Electric Austris

Markus Bachl muss gar nicht tief in die Geschichte des Energiemanagements marschieren. Den Beweis, dass Energiemanagementsystemen eine Leistungsexplosion gelang, erbringt er quasi aus dem Stegreif. In nur wenigen Jahren gesellte sich zum klassischen Power Monitoring ein aktives Management von Energiedaten, erzählt er. Hatte Software früher gerademal die Funktion eines etwas schlaueres Zählgerät im Infrastrukturbereich, so sind damit heute "automatisierte kostenstellenorientierte Betrachtungen und KPI-Analysen" möglich, erzählt der Siemens-Mann. Egal, ob Abfüllanlage oder Werkzeugmaschine, Einzelstandort oder globaler Werksverbund.

Das macht seinen Job als Business Developer aufregender, keine Frage. Es schafft aber auch Wertbeiträge in der Industrie. Wurde früher bloß ein Energiewert ermittelt, werden heute eine Vielzahl von Leistungskennzahlen, darunter der Standbyverbrauch, ermittelt. Bald auch auf der Siemens-eigenen IoT-Plattform, wie Bachl ankündigt: Noch heuer soll die erste Version des Simatic Energy Manager - im Energiemanagement das Schlachtross von Siemens Digital Factory - auch für die MindSphere auf den Markt kommen.

Zertifizierer drehen Daumenschrauben an

Auch bei anderen kommt Bewegung in die Portfolios. Etwa den Franzosen. Mit einem Ende 2018 gelaunchten Produkt - den Energiesensoren (PowerTag) - wird die Messung von Energie und Leistung im Feld möglich. In Echtzeit, drahtlos über den Funkstandard ZigBee und - darauf ist man beim Hersteller besonders stolz - betreiberunabhängig. Einen richtig stattlichen Maschinen- und Anlagenpark könne man so über eine IP-Adresse vernetzen und dessen Einzelverbraucher - von der Pumpe einer Hebebühne bis zur Z-Achse einer Fräsmaschine - "energetisch überwachen", schildert Sven Ortmann. Er ist Head of Software bei Schneider Electric Austria und hat nach eigener Aussage schon zwei Referenzkunden in Österreich dafür - beide Nutzer der Schneider-Plattform EcoStruxure - gefunden.

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Intelligenzen stärker zu vernetzen, die Freiheit, mit Smartphone, Tablet oder Laptop dank Webserver jederzeit auf Messumgebungen zuzugreifen - all das sei für Anwender "eine feine Sache", beobachtet auch Siemens-Mann Markus Bachl. Im Shopfloor und speziell dem Steuerungsbereich eine große Nummer, haben sich die Deutschen beim Energiemanagement eine Sonderstellung herausgearbeitet. Sie gestalten in Normungsgremien Inhalte – etwa zu VDMA-Einheitsblättern oder Standardisierungsgremien wie OPC - aktiv mit. Und sehen sich beim Energiemanagement 4.0 als Partner der Industrie - oder dann, wenn auf Zertifizierungsseite wieder einmal die Daumenschrauben angezogen werden. " Stimmte die Zertifizierer ein einfaches Excel-Sheet früher bereits milde, kommt man heute ohne Detaildaten nicht weit", erzählt Bachl.

Co2-neutral. Und das am besten weltweit

Oder aber, ein neuer Fertigungsstandorte wird bewusst ökologisch geplant. Das Beispiel mache immer öfter Schule, sagt Bachl. "CO2-neutrale Standorte sind selbst in China ein Thema", so der Siemens-Manager. Der Status-Quo müsse ständig überwacht und optimiert werden. An einer Produktionsmaschine beispielsweise kann der Simatic S7 Energieeffizienz-Monitor Energiewerte intelligent auswerten und auf Ineffizienzen hinweisen. "Diese Daten gelangen dann im zweiten Schritt für Analysen und Optimierungen zum Simatic Energie Manager", heißt es bei Siemens.

Vorstoß bei Managed Services

Dass bei großen Playern damit auch ein Arm des Dienstleistungsgeschäfts gestärkt, kommt nicht überraschend. "Wir gehen stärker in den Bereich Managed Services", erzählt Schneider-Electric-Mann Sven Ortmann. Nicht bestrebt sei man freilich, mit Adviser-Lösungen die unterschiedlichen Technologielieferanten "gegeneinander auszuspielen", sagt er. Die Kunst sei, "verfügbare Systeme und deren Stärken sichtbar zu machen", sagt Ortmann. Die Zeiten könnten dafür nicht spannender sein. "Große entwicklerische Sprünge gibt es derzeit im Bereich der Künstlichen Intelligenz und des automatischen Erkennens von Mustern im Energie-Monitoring", sagt Siemens-Mann Markus Bachl.

Schneider-Electric-Manager Ortmann sieht diesen Trend auch: Noch heuer soll ein künstlicher Algorithmus in der Software Ecostruxure erstmals seinen Dienst verrichten. "Das könnte ein Scoring von Null bis Hundert sein, auf dessen Basis eine Bewertung erfolgt, wie wahrscheinlich ein Ausfall einer USV-Anlage sei", sagt er. Bereits im Vorjahr wurde ein solcher Algorithmus realisiert, allerdings wurde dieser manuell eingearbeitet. "Jetzt wollen wir die Erfahrungen künstlich einarbeiten", sagt er.

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