Klimaschutz

Emissionshandel: Kommt jetzt der Preishammer für Verschmutzungsrechte?

Das EU-Parlament hat den Weg für eine Reform des europäischen Emissionshandels freigemacht, die den Klimaschutz in Unternehmen voranbringen soll. Warum sich der Preis pro Tonne Kohlendioxid dadurch von derzeit rund 8,50 Euro auf über 35 Euro erhöhen könnte.

Emissionshandel wird neu geregelt: Analysten gehen davon aus, dass sich der Preis pro Tonne Kohlendioxid von derzeit rund 8,50 Euro auf 35 Euro erhöhen werde.

Die Abgeordneten des EU-Parlaments stimmten mit großer Mehrheit für eine neue EU-Richtlinie zum Handel mit Verschmutzungsrechten der Industrie. Diese zielt darauf ab, den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen teurer zu machen und die Emissionen damit in der EU zu reduzieren. Konkret sieht die neue Richtlinie unter anderem vor, dass die Menge an erlaubten Emissionen ab 2021 jährlich um 2,2 Prozent sinkt. Die Verknappung soll die Preise in die Höhe treiben.

Die EU-Institutionen hatten sich im November nach vielen Verzögerungen auf die neuen Regeln geeinigt, jedoch fehlte noch die Zustimmung der Abgeordneten. Seit dem damaligen Kompromiss sind die ETS-Preise um 15 Prozent auf 8,90 Euro pro Tonne Kohlendioxid gestiegen. Analysten gingen davon aus, dass sich der Preis pro Tonne Kohlendioxid (CO2) mittelfristig auf 35 Euro erhöhen werde.

Seit 2005 benötigen Fabriken und Kraftwerke für jede Tonne klimaschädlicher Gase, die sie in die Atmosphäre blasen, ein Zertifikat. Bisher waren diese Verschmutzungsrechte sehr günstig, weil sehr viele auf dem Markt waren. Das neue Paket soll dazu beitragen, dass die rund 11.000 beteiligten Industrieanlagen in Europa bis 2030 insgesamt mindestens 43 Prozent weniger schädliche Klimagase ausstoßen als 2005 - und die EU damit die Pariser Klimaschutzziele einhält.

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Besonders energieintensive Unternehmen wie Zementwerke, Stahl- oder Düngemittelfabriken bekommen allerdings weiter kostenlose Zertifikate zugeteilt - aber nur, wenn sie auf dem neuesten technischen Stand produzieren. In Österreich erhielten nach Auskunft des Umweltbundesamtes von 212 Anlagen 188 eine kostenfreie Zuteilung. Die vorläufige kostenfreie Zuteilung in Österreich betrug im Jahr 2013 67% (24,0 Mio. Zertifikate) und wird im Jahr 2020 62% (22,34 Mio. Zertifikate) betragen.

Mit diesen Gratis-Erlaubnisscheinen soll verhindert werden, dass die Produktion einfach ins außereuropäische Ausland verlagert wird. Schließlich sollen zwei Fonds Innovationen fürs CO2-Sparen und die Modernisierung von Fabriken und Kraftwerken fördern.

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