Autoindustrie

Elektroautos: Keiner investiert so viel wie Daimler, VW und BMW

Das Beratungsunternehmen Ernst & Young (EY) hat die Investitionspläne von 16 großen Autobauern im Bereich Elektroautos gesammelt. Dahinter werden einige überraschende Trends sichtbar.

Große Autokonzerne bereiten sich intensiv auf Elektromobilität vor und investieren in die Entwicklung, Fabriken, Batteriewerke und die Umrüstung ihrer Produktion. Das meldet das Beratungsunternehmen Ernst & Young (EY). Der Berater hat dazu öffentlich verfügbare Informationen in Geschäftsberichten und Pressemitteilungen gesammelt und zusammengerechnet. Dabei ging es Ernst & Young um ortsgebundene Investitionsprojekte.

Demnach haben die 16 größten Autokonzerne allein im vergangenen Jahr 4,2 Milliarden Euro in die Entwicklung und Produktion von Elektroautos investiert. In den vergangenen Jahren sollen die Investitionen 5,2 Milliarden Euro betragen haben.

Die Namen der analysierten Autobauer - und ein zentraler Nachteil der Studie

Die analysierten Automobilkonzerne sind: BMW Group, Daimler, Fiat Chrysler, Ford, General Motors, Honda, Hyundai, Kia, Mazda, Mitsubishi, Nissan, PSA Group, Renault Group, Suzuki, Toyota Group und Volkswagen Group.

Ein Nachteil dieser Studie: Investitionen chinesischer Autokonzerne waren nicht Teil der Analyse. Damit ist auch ein direkter Vergleich zwischen europäischen, amerikanischen, japanischen und chinesischen Autobauern im Rennen um die technologische Überlegenheit bei Elektroautos nicht möglich. Trotzdem werden bei den Investitionen der "angestammten" Marken einige Trends sichtbar.

Deutschland bei Investitionen international weit vorn

Insgesamt - also einschließlich Werkserweiterungen, neuer Lackierereien oder neuer Entwicklungszentren - haben die 16 größten Autokonzerne der Welt im vergangenen Jahr Projekte im Wert von 27,4 Milliarden Euro angekündigt. Das waren 68 Prozent mehr als im Vorjahr mit einem Volumen von 16,3 Milliarden Euro.

Deutsche Hersteller liegen dabei offenbar weit vorn. Noch vor zwei Jahren waren die USA das Land mit den höchsten Investitionen im Bereich Elektromobilität. 2017 rückte Deutschland auf den ersten Platz im Investitionsranking.

Seit 2016 starteten Volkswagen, Daimerl und BMW Projekte mit einem Volumen von 4,7 Milliarden Euro in diesem Bereich, davon 3,2 Milliarden Euro in Deutschland.

In China wurden 990 Millionen Euro in Elektroautos investiert. In den USA waren es 890 Millionen Euro.

Das Ranking der größten vier Investitionsstandorte

So wurden im Vorjahr in Deutschland Projekte mit einem Volumen von 12,3 Milliarden Euro angekündigt. Die USA belegen mit 8,3 Milliarden Euro den zweiten Platz im Länderranking, gefolgt von China (2,0 Milliarden Euro) und Spanien (0,8 Milliarden Euro).

Die Autoindustrie arbeite mit Hochdruck an einer "neuen Automobilwelt", meint dazu  Gerhard Schwartz, der sich bei Ernst & Young Österreich auf die industrielle Produktion spezialisiert hat.

Das planen Daimler, VW und BMW

Daimler gibt 500 Millionen Euro für die Weiterentwicklung des Hamburger Werks zu einem Standort für Antriebskomponenten der Elektromobilität aus. Weitere 500 Millionen Euro investiert die Daimler-Tochter Accumotive in eine weitere Fabrik für Lithium-Ionen-Batterien in Kamenz.

Auch Volkswagen hat angekündigt, den Standort Zwickau zum reinen E-Mobilitäts-Werk umzurüsten und dafür ein Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro genannt.

BMW investiert 200 Millionen Euro in ein Kompetenzzentrum für Batteriezellen in München.

Große, neue Einzelinvestitionen seien jedoch auch in Deutschland selten, heißt es in der Studie. Als ein Beispiel dafür nennen die Autoren die von Porsche angekündigte Milliardeninvestition in die Entwicklung und den Bau des elektrisch angetriebenen Sportwagens "Mission E".

Finanzielle Probleme

Das bringe allerdings auch finanzielle Probleme mit sich: Autobauer "betreten vielfach Neuland. Wir erleben daher eine Phase des Übergangs. Das Hauptgeschäft wird weiter mit traditionellen Antriebstechnologien gemacht. Gleichzeitig zwingen gesetzliche Vorgaben etwa in Europa und China die Unternehmen, den Absatz von Elektroautos schnellstmöglich massiv zu steigern."

China erweist sich in diesem Bereich einmal mehr als die treibende Kraft. Bekanntlich forciert Peking den Bau von Elektroautos vor allem deshalb so stark, weil bei der Vorsprung des Westens bei Verbrennungsmotoren nicht mehr einholbar scheint. Gesetze zwingen Autobauer zu weniger Verbrennungsmotoren und mehr Elektroautos - die oft in Kooperation mit einem chinesischen Partner gebaut werden müssen. Und die gesetzlichen Vorgaben Chinas kann kein großer westlicher Konzern mehr ignorieren, weil der riesige chinesische Markt inzwischen eine so große Rolle spielt.

Zu den - trotz aller Anstrengungen der Politik und Industrie -  weiterhin winzigen Marktanteilen von Elektroautos meint Schwartz: "Ab 2019 gilt in China eine Zehn-Prozent-Quote für Elektroautos." Derzeit seien die Marktanteile auf allen Märkten zwar noch sehr überschaubar, "aber das wird sich ändern - und China wird den Anfang machen."

Nach der richtungsweisenden Absage von Bosch, Batteriezellen selbst zu bauen, schreibt nun auch Ernst & Young, die Produktion von Batteriezellen werde "nach aktuellem Stand" kaum in großem Stil in Deutschland stattfinden. Allerdings "verdichten sich die Zeichen, dass in Deutschland ein nicht unbedeutender Teil der daran anschließenden Fertigungsschritte aufgebaut" werde.

Investitionen in BRIC und Schwellenländer stark rückläufig

Die hier analysierten Autokonzerne haben in den vergangenen acht Jahren das meiste Geld für neue Fabriken oder Modernisierungen in den USA investiert (38,1 Milliarden Euro). Danach kommt Deutschland mit 35,3 Milliarden Euro und und China mit 27,2 Milliarden Euro.

Bei den neu angestoßenen Projekten in den USA und Deutschland handelt es sich dabei überwiegend um Modernisierungen der zum Teil jahrzehntealten Produktionsanlagen. Wie gesagt waren Investitionen chinesischer Autokonzerne nicht Teil der Analyse.

Nachdem bis 2012 noch erhebliche Investitionen in den Schwellenländern getätigt worden sind, waren in den vergangenen Jahren eher die etablierten Industrieländer im Fokus der Autokonzerne: So entfielen auf die sogenannten BRIC-Länder -  Brasilien, Russland, Indien und China - in den Jahren 2010 bis 2012 noch durchschnittlich 42 Prozent des weltweiten Investitionsvolumens, in den Jahren 2014 bis 2017 hingegen nur noch durchschnittlich 19 Prozent, im vergangenen Jahr sogar nur neun Prozent.

Die Methode der Studie

Für die Studie wurde die weltweite Investitionstätigkeit der 16 weltweit führenden Automobilkonzerne in den Jahren 2010 bis 2017 analysiert. Dafür wurden öffentlich verfügbare Informationen über konkrete, ortsgebundene Investitionsprojekte etwa aus Geschäftsberichten, Investorenpräsentationen oder Pressemitteilungen der Unternehmen ausgewertet. Nicht berücksichtigt wurden allgemeine Aussagen über Investitionsabsichten, die nicht konkrete Standorte betreffen.

Investitionsprojekte, die sich über mehrere Jahre erstreckten, wurden dem Jahr des Projektstarts zugeordnet.

(red) 

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