Erdöl

Einst sehr wichtige Region für OMV: Wieder Kämpfe um Ölhäfen in Libyen

Libyen war für die OMV einst eine sehr wichtige Förderregion. Nach dem kriegsbedingten Rückzug kehrte der österreichische Mineralölkonzern OMV im Vorjahr in das Land zurück - verbunden mit großen Hoffnungen. Doch jetzt herrscht an den Ölhäfen wieder ein Konflikt zwischen unterschiedlichen bewaffneten Gruppen.

In Libyen sind erneut Kämpfe um die wichtigsten Ölhäfen des Landes ausgebrochen. Der Angriff sei von den Benghazi-Verteidigungsbrigaden ausgegangen, hieß es aus Militärkreisen. Die selbsternannte Nationale Libysche Armee (LNA) unter Kommando des Generals Khalifa Haftar hatte die wichtigen Ölhäfen erst im vergangenen Jahr wieder unter ihre Kontrolle gebracht.

Die Kämpfe fanden südlich der Ölhäfen Ras Lanuf und Al-Sider statt, die schon in den vergangenen beiden Jahren mehrfach heftig umkämpft wurden. Bei den jüngsten Gefechten wurde ein Reservoir von einer Rakete getroffen und ging in Flammen auf. Auch zwei Tankschiffe seien in Brand geraten. Erst nach der Übernahme der Häfen durch die Truppen Haftars im Vorjahr war die Ölförderung in dem Bürgerkriegsland wieder auf mehr als eine Million Barrel pro Tag angestiegen. Die Nationale Erdölgesellschaft NOC rechnet damit, dass die Produktion im Land durch die Kämpfe um etwa 240.000 Barrel zurückgehen werde.

Ein General gegen Islamisten und Jihadisten

Ein Sprecher von Haftars LNA, die formal dem Abgeordnetenrat in Tobruk untersteht, sagte, der Angriff sei abgewehrt worden. Ziel der Attacke sei es gewesen, "den Druck auf die Terroristen in Derna zu verringern". Die Truppen Haftars versuchen seit mehreren Wochen, die 150.000-Einwohner-Stadt Derna einzunehmen. Die Küstenstadt ist die einzige im Osten Libyens, die sich der Kontrolle des von Tripolis abtrünnigen Generals entzieht. Dort herrscht eine Allianz aus Islamisten und jihadistischen Milizen, darunter auch dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehende Gruppen. Sie stehen sowohl Haftar als auch dem Islamischen Staat (IS) feindlich gegenüber.

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