Gummiindustrie

Einschnitte statt Dividende: Semperit strukturiert um

Der heimische Gummiverarbeiter Semperit streicht die nächste Dividende und kündigt weitreichende Strukturmaßnahmen an - und zwar sowohl bei Sempermed als auch bei Sempertrans und Semperform. Auch "Anpassungen" an den Standorten werden geprüft.

Semperit-Chef Martin Füllenbach: "Gewinnwarnungen sollen in Zukunft nicht mehr stattfinden."

Der seit einiger Zeit mit wirtschaftlichen Problemen kämpfende Kautschukkonzern Semperit wird 2017 einen Verlust ausweisen und streicht die Dividende. Der Vorstand leite nun "mit Nachdruck eine Phase nachhaltiger Restrukturierung ein", teilt das Unternehmen mit.

Wie hoch der Verlust ausfallen wird, sei noch offen, so eine Sprecherin zur APA. Im vierten Quartal werde es operativ (EBIT) ein einstelliger Millionenbetrag sein. Im dritten Quartal hatte es - inklusive Sondereffekte - 16,4 Mio. Euro Nettoverlust gegeben.

Grundsätzlich würden nun alle Standorte auf nötige "Anpassungen" geprüft, teilte Semperit mit. Die Semperit Gruppe beschäftigt weltweit rund 6.500 Mitarbeiter, davon rund 3.500 in Asien und mehr als 800 in Österreich (Wien und Produktionsstandort Wimpassing, Niederösterreich). Die Restrukturierung soll bis 2020 dauern. Ende 2020 soll dann eine EBITDA-Marge von 10 Prozent erreicht werden.

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2018 ein "Übergangsjahr"

Semperit hat 2017 schon zwei Mal, im April und Anfang Oktober, die Prognose für den Gewinn gesenkt. Bei der Gewinn-Messe am 19. Oktober sagte Semperit-Chef Martin Füllenbach dann: "Gewinnwarnungen sollen in Zukunft nicht mehr stattfinden. Das ist ja auch immer eine Selbstentblößung für den Vorstand". Das sei nicht das Ziel. Semperit habe das offengelegt, was ersichtlich sei.

2018 sei "als Übergangsjahr" zu sehen. Die Beratungskosten dürften hoch ausfallen; Einmaleffekte und Restrukturierungskosten könnten zu zusätzlichen Schwankungen im Ergebnis führen, warnt Semperit. "Im Verlauf des Jahres 2018 wird der Vorstand Schritt für Schritt entscheiden, ob es Änderungen im Portfolio der bestehenden Segmente sowie weitere Anpassungen im Produktionsfootprint geben wird".

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Einschnitte bei Sempermed, Sempertrans und Semperform

Die Finanzierung der Maßnahmen sei aber über einen Kredit mit einem Volumen bis zu 150 Mio. Euro, den Semperit im Dezember bei der B & C Holding GmbH erhielt, gesichert. Diese ist eine 100-Prozent-Tochter des Semperit-Kernaktionärs B & C Industrieholding GmbH.

Die Einschnitte werden nun neben dem größten Sektor Sempermed auch die Sempertrans und Semperform betreffen. Bei Semperflex hingegen müsse beschleunigt investiert werden. (apa/red)

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