VW-Zulieferstreit

Einigung im Zulieferstreit: Hunderte Autozulieferer atmen auf

Nach der Einigung im Streit zwischen Volkswagen und zwei Zulieferern atmet eine ganze Branche auf. Der einzigartige Konflikt hat hunderte Betriebe immer stärker unter Druck gesetzt - dabei ist der Wettbewerbsdruck in der Autoindustrie auch sonst enorm hoch.

Die Einigung zwischen Volkswagen und zwei Lieferanten lässt eine ganze Branche aufatmen. "Das ist ein gutes Signal für den Automobilstandort Deutschland", sagte Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer vom Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall, am Dienstag in Hannover. "Unsere Zulieferer haben mit großer Erleichterung auf die Einigung reagiert."

VW und zwei Firmen der Prevent-Gruppe verständigten sich am Vormittag nach einem Verhandlungsmarathon auf ein Ende des Lieferstopps. Weil ab sofort wieder Sitzbezüge und Gussteile an die VW-Bänder gebracht werden sollen, bereiten die betroffenen Werke schrittweise die Wiederaufnahme der Produktion vor. "Jetzt herrscht Planungssicherheit", sagte Schmidt. "Es ist wichtig, dass sich die Partnerschaft an einem fairen Ausgleich orientiert und keine Seite überfordert wird."

Enormer Wettbewerbsdruck in der Branche

In der Autobranche ist der Wettbewerbsdruck hoch: Die Konzerne fordern von ihren Zulieferern regelmäßig Preisnachlässe - besonders große Hersteller, die viele Millionen Fahrzeuge produzieren, können ihre Marktmacht ausspielen.

White Paper zum Thema

Umgekehrt sind die Autobauer von ihren Lieferanten abhängig, denn rund drei Viertel der Teile stammen nicht von demjenigen Konzern, der seine Marke auf die Motorhaube montiert. Ob Stoßstange, Scheinwerfer, Sitz oder Schiebedach, ob Bremsen, Bordnetz, Getriebe- oder ganze Karosserieteile - vielfach werden sie einbaufertig und zeitgenau an die Bänder der Autofabriken gebracht.

An der Produktion des Golf sind 500 Lieferanten beteiligt

Allein bei der Produktion des wichtigsten VW-Modells Golf seien rund 500 Lieferanten beteiligt, erläuterte Christoph Feldmann, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME), in Frankfurt.
Produktionsausfälle brächten rasch weitere Zulieferer in Bedrängnis. VW hatte wegen des Lieferstopps zweier Firmen der Prevent-Gruppe für fast 30.000 Mitarbeiter Kurzarbeit angekündigt.

Viele Zulieferer wie der Reifenhersteller Continental oder der Kabelspezialist Leoni prüften deshalb die Auswirkungen auf ihr Geschäft und ihre Möglichkeiten, flexibel zu reagieren. Leoni rechnet mit einem Umsatzausfall von maximal 500.000 Euro im Zusammenhang mit den Problemen bei VW. "Wir gehen davon aus, dass die Bedarfe jedoch nachgeholt werden", erklärte der Nürnberger Zulieferer.

Volkswagen gilt als "harter Knochen" - Prevent auch

Unter Lieferanten gilt VW in Verhandlungen als besonders harter Knochen - der Prevent-Gruppe eilt ein ähnlicher Ruf voraus. Die Einkäufer aus dem Wolfsburger Konzern legten zwar mitunter "rustikales Vorgehen" an den Tag, seien aber "nicht unnatürlich preisaggressiv", sagte ein Brancheninsider. "Es ist ein hartes Business - und das mit jedem Kunden."

Man versuche immer, sich zu einigen, "damit am Ende des Tages beide Seiten vernünftig leben können." Denn sowohl die Autobauer als auch ihre Lieferanten brauchen hohe Renditen, um Geld in neue Technologien oder Werke stecken zu können. (reuters/apa/red)

Aktuell zum Thema:

Der Streit und die Drahtzieher - wie es wirklich gewesen sein könnte >>

Die sieben wichtigsten Antworten im VW-Zulieferstreit >>

Verwandte tecfindr-Einträge