Ölpreis

Ein weltweiter Tritt auf die Ölbremse

„Ein historisches Treffen“: Zum ersten Mal seit 15 Jahren haben sich die Opec mit den Ländern, die nicht zu dem Erdöl-Förderkartell gehören, dazu geeinigt, die Ölproduktion zu kürzen. Statt Streit herrscht nun Einigkeit.

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Es ist erst knapp acht Monate her, da endete ein Treffen der Ölförderländer in einem Fiasko. In Doha, der Hauptstadt des ölreichen Katars, scheiterte im April der erste Versuch zwischen OPEC- und Nicht-OPEC-Ländern wie Russland, sich zumindest auf ein Einfrieren der Produktionsmenge zu einigen. Es schien der "Anfang vom Ende der OPEC", wie Analysten damals meinten. Zu zerstritten waren die 14 Mitgliedsländer, darunter die Erzrivalen Saudi-Arabien und der Iran.

Nun ist aber scheinbar der Leidensdruck zu groß geworden. Katars Ölminister und OPEC-Präsident Mohammed Bin Saleh Al-Sada meinte zum Auftakt des Wiener Treffens unverblümt: "Der Erholungsprozess im Ölmarkt hat viel zu lange gedauert. Das hat schwerwiegende Folgen für Produzenten wie Konsumenten." Die massiven Umsatzverluste in der etwa zweijährigen Phase dramatisch fallender Preise führten zu schweren Einschnitten in das bisher so goldene soziale Netz der Golfstaaten. Der niedrige Ölpreis trage auch auf der Seite einiger Kunden-Länder zu einer negativen wirtschaftlichen Entwicklung bei. Deflation und niedrige, manchmal gar negative Zinsen hätten ihre Ursache auch in einem niedrigen Ölpreis, so Al-Sada.

Gelungene Dramaturgie

Nachdem die OPEC nun Ende November mit ihrem Beschluss zur Verringerung der Ölproduktion um 1,2 Millionen Barrel (je 159 Liter) am Tag einen Schritt gesetzt hatte, folgt nun die Vereinbarung mit den Nicht-OPEC-Ländern: Sie sollen ihre Fördermenge täglich um rund 560.000 Barrel drosseln. Dabei werde es ab dem 1. Jänner Kürzungen geben, sagte der iranische Öl-Minister. Bereits vor Beginn der Beratungen in Wien sagte der saudi-arabische Energieminister Chalid al-Falih: "Wir haben eine Einigung. Nur die letzten Details müssen noch geklärt werden." Diese „Dramaturgie war sehr gelungen", meint dazu Alexander Pögl vom Forschungsinstitut JBC. Das sei ein Zeichen der Handlungsfähigkeit der Ölstaaten. 

Insgesamt haben sich nun mehr als 20 Länder entschieden, weniger Öl zu fördern. Der Einladung der OPEC waren neben Russland auch Mexiko, Kasachstan, Aserbaidschan, Bahrain, Malaysia, Brunei, Oman, der Sudan und Süd-Sudan gefolgt. Bolivien nahm teil, legte sich aber nicht auf eine Reduzierung fest. Die Förderkürzungen sollen von einem gemeinsamen Komitee aus fünf OPEC- und Nicht-OPEC-Ländern überwacht werden.

Hintergrund

Die OPEC wollte ursprünglich mit einer Ölschwemme die teuer produzierende Schieferöl-Konkurrenz aus den USA aus dem Markt drängen. Der Schulterschluss mit den Nicht-OPEC-Ländern ist ein bemerkenswerter Schwank. Russlands Energieminister Alexander Nowak sprach vor dem Treffen von einem "Fenster der Gelegenheit" - und war danach fest entschlossen, den nun gemeinsam eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Russland als aktuell größter Ölproduzent will allein 300.000 Barrel weniger produzieren. Allerdings werde die Drosselung allmählich beginnen und erst im April oder Mai den vollen Umfang erreichen, so Nowak.

Eine „wunderbare Freundschaft“

Russland, aktuell mit rund elf Millionen Barrel am Tag knapp vor Saudi-Arabien größter Ölproduzent der Welt, will seine Einnahmen dringend erhöhen. Die Zusammenarbeit zwischen den derzeit 13 OPEC-Mitgliedern - Indonesien hat seine Mitgliedschaft jüngst auf Eis gelegt - und dem Kreis der Nicht-OPEC-Staaten soll gar institutionalisiert werden. Unter dem Motto "... das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft" schwärmten beide Seiten vom "historischen Schritt", der eine langfristige Kooperation begründen soll. Das dürfte ein starkes, preistreibendes Signal für den Markt sein. Noch nie habe es so eine breite Allianz von OPEC und weiteren Ölförderländern gegeben. Die beteiligten Länder repräsentierten mehr als die Hälfte der weltweiten Öl-Produktion.

„Ein historisches Treffen“

OPEC-Generalsekretär Mohammed Barkindo erklärte zu Beginn der Beratungen, die Kappung bei den Nicht-OPEC-Mitgliedern könne sich auf mehr als 600.000 Barrel täglich summieren. "Dies ist ein historisches Treffen." Es werde dazu beitragen, die Weltwirtschaft anzukurbeln.

In der OPEC haben sich in der Vergangenheit nicht immer alle Länder an die vereinbarten Quoten gehalten. Auch Russland hatte vor 15 Jahren sein Versprechen zur Reduzierung der Fördermenge nicht eingehalten. Beobachter gehen aber davon aus, dass Russland diesmal seine Produktion wirklich drosselt. "Alle freuen sich über höhere Preise und anfangs werden sie sich auch an die Vereinbarung halten", sagte Gary Ross vom Beratungsdienst Pira Energy. Wenn der Ölpreis dann aber weiter steige, dürfte die Verpflichtung nachlassen. Ross geht davon aus, dass Russland wie versprochen seine Fördermenge um 300.000 Barrel kürzt.

Steigt der Ölpreis dadurch wieder?

Schon nach dem OPEC-Beschluss vom 30. November hatte sich Öl deutlich verteuert. Das Nordsee-Öl der Sorte Brent stieg um rund 15 Prozent auf fast 55 Dollar pro Barrel. Es ist seit 2008 das erste Mal, dass die OPEC wie auch andere Ölförderländer gemeinsam eine Förderkürzung beschließen. Alle leiden unter dem seit 2014 stark zurückgegangenen Ölpreis, der von mehr als 100 Dollar auf zwischenzeitlich etwa 30 Dollar zu Jahresbeginn 2016 eingebrochen war.

Die Vereinbarung wird nach Überzeugung von Analysten den Ölpreis kurzfristig steigen lassen. Allerdings erwarten Experten mittelfristig keine deutliche Verteuerung. Selbst mit den Kürzungen - sollten sie überhaupt Bestand haben - sei im ersten Halbjahr zu viel Öl auf dem Markt, so ein Experte des Forschungsunternehmens JBC. "An den Zapfsäulen bedeutet der heutige Schritt mittelfristig nur einige Cent mehr", so der Experte weiter.

Der OPEC-Einigung ging ein Vorstoß Saudi-Arabiens voraus. Nach langem Zögern erklärte sich das Schwergewicht in der Organisation zur Kürzung der eigenen Produktion bereit. Zudem zeigte sich Saudi-Arabien offen, dem Erzrivalen Iran entgegenzukommen. Beide Länder ringen um die politische Vorherrschaft am Golf. (apa/Reuters/dpa)