Pharmaindustrie

Ein Spray gegen Corona: Wiener Marinomed erwartet Zahlen bis Juni

Die Wiener Pharmafirma Marinomed lässt aus Rotalgen einen Nasenspray fertigen - der sich in ersten Tests als wirksamer Schutz gegen eine Neuinfektion mit dem Coronavirus herausgestellt hat. Nun bestätigt eine Studie aus Oxford den Befund. Offiziell belastbare Daten aus klinischen Studien erwartet Marinomed bis Juni.

Das ist ein Symbolbild.

Forscher sind weltweit dabei, Wirkstoffe zu identifizieren, mit denen zumindest schwere Verläufe einer Covid-Infektion verhindert werden sollen. Aus Oxford kam dieser Tage die Nachricht über Studien, die gängigen Asthmasprays, die auf dem Wirkstoff Budesonid basieren, Wirksamkeit gegen Corona zuschreiben. In Österreich setzt das börsennotierte Pharmaunternehmen Marinomed auf die Weiterentwicklung eines Nasensprays als Virenblocker auf Basis von Rotalgen.

Carragelose, ein Wirkstoff aus der Rotalge, bildet einen Schutzfilm auf der Nasenschleimhaut, die eindringende Viren umschließen und inaktivieren und so davon abhalten soll, Zellen zu infizieren. Marinomed ist Patentinhaber für Carragelose und verwies auf neue Daten zur in-vitro-Wirksamkeit von Carragelose zur Prävention von SARS-CoV-2-Infektionen, die nach einem Peer Review im Fachjournal PLOS ONE veröffentlicht wurden. Die Studie wurde mit Wissenschaftern am Institut für Virologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg durchgeführt.

In Österreich ist der Wirkstoff schon jahrelang in Apotheken erhältlich, unter anderem als Nasenspray mit dem Markennamen "Coldamaris". Hersteller im Auftrag von Marinomed ist die norddeutsche Firma Hälsa Pharma, den Vertrieb in Österreich übernimmt die Wiener Firma Sigmapharm.

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Marinomed erwartet Ergebnisse klinischer Studien bis Juni

"Unsere Ergebnisse zeigen eindeutig, dass Carragelose SARS-CoV-2 in vitro inaktivieren kann, und das Virus so davon abhält, weitere Zellen zu infizieren", wurde Ulrich Schubert von der Uni Erlangen-Nürnberg zitiert. Vergleichbare in vitro Ergebnisse für andere Viren wie Influenza A und ältere Coronaviren hätten in klinischen Studien bestätigt werden können. Die Anwendung von Carragelose habe die Dauer und Schwere der Symptome verringert. "Wir gehen davon aus, dass das auch für SARS-CoV-2 der Fall sein wird."

Marinomed selbst zeigte sich  zuversichtlich, die Ergebnisse mit aktuell in Wien und Großbritannien laufenden klinischen Studien bei Pflegepersonal bestätigen zu können." Wir erwarten diese Daten noch in der ersten Jahreshälfte 2021", so Eva Prieschl-Grassauer von Marinomed.

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Coronavirus: Marinomed startet mit Tests in Österreich

Oxford-Studie sieht gängige Asthmasprays geeignet

International verbreitet wurde zuletzt eine Oxford-Studie, wonach der von Asthmakranken oder COPD-Erkrankten regelmässig verwendete Cortison-Inhalatorenwirkstoff Budesonid die Erholung von Covid-19 beschleunigen und schwere Verläufe verhindern soll. Georg-Christian Funk, Lungenfacharzt und Leiter der 2. Medizinischen Abteilung mit Pneumologie der Klinik Ottakring (ehemals Wilhelminenspital), würde, wie er der "Presse" erklärte, das Medikament schon jetzt empfehlen.

Finanziert wurde die Studie an der Universität Oxford vom britisch-schwedischen Unternehmen AstraZeneca, dessen Impfstoff als einer der ersten gerade zum Einsatz kommt. Zu den Asthmasprays wurde publiziert, dass die kurzfristige Einnahme des Medikaments mit nur wenigen Sprühstößen am Tag die Wahrscheinlichkeit von ambulanter oder stationärer Spitalsbehandlung innerhalb von 28 Tagen um 90 Prozent reduzieren könne.

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Wiener Großlabor erhöht Kapazitäten

In Wien fährt unterdessen ein neu errichtetes Großlabor (Lifebrain) in einem Pavillon am Otto-Wagner-Spital auf Hochtouren, vor allem seit mit negativen Coronatests etwa Friseurbesuche wieder möglich sind. Lifebrain zählt zu den maßgeblichen Anbietern klinischer Labordiagnostik, groß geworden vor allem in Italien. Der Ableger in Österreich war ursprünglich nicht vorgesehen, obwohl der Firmensitz immer Wien war, sagt der Firmenmitbegründer.

Zumindest drei Jahre könne das Großlabor, das seine Test-Kapazität gerade auf 50.000 pro Tag erhöht, am Standort auf der Baumgartner Höhe bleiben. In das Gebäude hat Lifebrain an die 13 Mio. Euro gesteckt. "Als Best- und Billigstbieter haben wir eine riesige Ausschreibung der Bundesbeschaffungsagentur für PCR-Testungen gewonnen, die Stadt Wien schickt auch alles zu uns", sagte Mitbegründer Michael Havel im "Standard". Auch die Corona-Testkits, die etwa in Filialen der Drogeriemarktkette Bipa bezogen und ebendort abgegeben werden können, landen zur Analyse im Pavillon. (apa/red)