Rudolf Loidl ist Chefredakteur des Österreichischen Industriemagazins.

Kommentar

Ein erstaunlicher Anruf

Es mag vieles falsch laufen in diesem Land, das Unternehmer eher behindert als fördert. Aber einfach ziehen lässt man sie offenbar dann doch nicht.

Meinung Blog

Neulich, über einem Häferl Melange, erzählte mir ein langjähriger Freund von seiner neuen Geschäftsidee: Eine technische Innovation, für die er – Geschäftsmann in Wien – ein völlig neues Unternehmen in Deutschland gegründet hat. Die Nähe zur lokalen Uni, die in diesem Bereich auf Weltspitzenniveau forscht, und der Zugang zu Spezialisten, die sich in den vielen einschlägigen Unternehmen clustern, haben ihn bewogen, damit nach Deutschland zu gehen.

Der Mann ist ziemlich erfolgreicher Unternehmer und ein noch begnadeterer Geschichtenerzähler. Deshalb war es umso überraschender, dass es nicht die Innovation war, um die seine Schilderung kreiste. Es war eine Begebenheit, die sich rund fünf Wochen nach der Eintragung im deutschen Firmenregister zutrug. Da erhielt er über seine neue Niederlassung einen Anruf. Ein Mitarbeiter der österreichischen Ansiedelungsagentur in Deutschland wollte ihn sprechen. Wissen, warum er – selbst kein Österreicher, aber Eigentümer mehrerer Unternehmen in der Alpenrepublik – denn jetzt nach Deutschland ginge. Was ihm fehle, ob man ihm Unterstützung angedeihen lassen könne. Der Mann am anderen Ende der Leitung war erstaunlich gut informiert: über die neue Branche. Meines Freundes bisherige Unternehmungen. Und die Sorgen, die ihn umtrieben.

Mein Freund hat, nach einer freundlichen Absage in diesem konkreten Fall, eine Einsicht gewonnen: Es mag vieles falsch laufen in diesem Land, das Unternehmer eher behindert als fördert. Aber einfach ziehen lässt man sie offenbar dann doch nicht.