Chemische Industrie

"Ein Desaster-Jahr für Bayer" - Konzernchef bleibt wohl trotzdem im Amt

Die Kritik am Chemieriesen Bayer für die Megaübernahme des umstrittenen amerikanischen Agrarchemiekonzerns wächst - doch auf der kommenden Hauptversammlung drohe dem Vorstand keine große Gefahr, meinen Experten.

Trotz Kritik am Kauf von Monsanto wird bei der Hauptversammlung von Bayer am Freitag die Entlastung des Vorstands erwartet. Es komme nur selten vor, dass die Mehrheit der Anteilseigner gegen eine Entlastung stimme, sagte der Wirtschaftswissenschafter Christian Strenger der "Welt am Sonntag". "Aber wenn zehn Prozent der Aktionäre gegen die Entlastung stimmen, wäre das schon ein wichtiges Signal."

"Wenn es über 20 Prozent werden, dann würde - zumindest im angelsächsischen Raum - ein Vorstandschef seinen Hut nehmen", sagte Strenger weiter. Er ist Experte für gute Unternehmensführung (Corporate Governance).

Konzernchef Baumann für ein "Desasterjahr" verantwortlich

Strenger wirft dem Vorstand um Bayer-Chef Werner Baumann vor, Bayer mit dem Zukauf des US-Konzerns Monsanto 2018 "ein Desasterjahr" an der Börse beschert zu haben. Er reichte Antrag auf Nichtentlastung des Vorstands und anschließend auch des Aufsichtsrats ein.

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Es sei "absolut nicht nachvollziehbar, warum ein Topmanager in einem Jahr, in dem es in fast allen Bereichen operativ nicht gut lief, einen 25 Prozent höheren kurzfristigen Bonus kassieren soll", sagte Strenger der "WamS". Weil der Aufsichtsrat das nicht plausibel belegen könne und mit dem System der Vorstandsvergütung offenbar selbst Schwierigkeiten habe, "habe ich auch die Nichtentlastung dieses Gremiums beantragt".

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Strenger kritisierte den "wenig erwachsenen Umgang mit kritischen Fragen" bei Bayer. Bei der Hauptversammlung im vergangenen Jahr habe er es als "irritierend" empfunden, erst am späten Nachmittag ans Rednerpult treten zu dürfen, sagte er der "WamS". Kurz zuvor sei die Redezeit für alle verbleibenden Redner verkürzt und dann auch noch sein Redemikrofon abgestellt worden.

"Es ist schade, dass Bayer solche Spielchen nötig hat", sagte Strenger weiter. "Andere Konzerne sind da deutlich souveräner." Der Ökonom saß von 2001 bis 2016 als Gründungsmitglied in der Regierungskommission Corporate Governance. (afp/apa/red)