Metallindustrie

Ehemalige Obersteirische Feinguss sucht neue Besitzer

Nach drei Insolvenzen steht das Unternehmen unter seinem jetzigen Namen Ventana Kapfenberg zum Verkauf - lastenfrei, wie der Verkäufer betont. Es war die einzige Feingießerei Österreichs, die sämtliche Metalle verarbeiten konnte.

Symbolfoto Metallguss.

Die Ventana Kapfenberg GmbH, ehemals Obersteirischer OST.Feinguss, steht zum Verkauf. Den Verkauf wickelt das private Auktionshaus Karner & Dechow ab. Dabei wird auch die Immobilie und der gesamte Maschinenpark angeboten. Nach Angaben des Auktionshauses kommt das Unternehmen "lastenfrei" zum Verkauf.

Ventana Kapfenberg beschäftigte zuletzt 53 Menschen. Das Unternehmen, ursprünglich gestartet 1948, war auf komplexe Komponenten aus Stahl und Aluminium spezialisiert und belieferte etwa die Luftfahrt, Autobauer, die Optikindustrie, die Medizintechnik, Elektroindustrie und den Waffenbau.

Schneller Prototypenbau

Der Betrieb verfügt über eine Gießkapazität von rund 300 Tonnen Stahl und 145 Tonnen Aluminium pro Jahr. Die maximalen Gussgewichte betragen bei Stahl 70 und bei Aluminium 50 Kilogramm.

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Prototypen können beim sogenannten schnellen Prototypenbau (rapid prototyping) bis zu einer Werkstückgröße von 1200 x 1200 x 800 Millimeter gefertigt werden. Dabei seien wegen der Fertigungspräzision auch kleine Serien und Prototypen möglich, heißt es seitens des Unternehmens.

Auf der Referenzliste finden sich Hersteller wie Audi, Böhler Edelstahl und Uddeholm, Bugatti, Porsche, Ferrari, Hellenic Defense, Honeywell, Lenzing, Otto Bock, Pankl, Rheinmetall, Rosenbauer, Siemens, Swarovski oder Voestalpine.

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Feinguss: Drei Insolvenzen seit 2011

Die obersteirische Ventana Kapfenberg, vormals Feinguss GmbH, hat im November des Vorjahres zum dritten Mal Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen war bereits 2011 und 2016 zahlungsunfähig gewesen. Bei der letzten Insolvenz haben die Eigentümer jedoch keine Fortführung mehr geplant. Rund 60 Dienstnehmer waren im Vorjahr betroffen, teilten die Kreditschützer AKV, KSV1870 und Creditreform mit. Die Überschuldung betrug damals gut 900.000 Euro.

Nach der erfolgreichen Sanierung mit 20-prozentiger Barquote ab 2011 war die Firma Feinguss 2016 erneut insolvent. Das Unternehmen wurde in Ventana umbenannt und ein deutscher Investor, die HDF Beteiligungs GmbH aus Chemnitz, hat das Stammkapital übernommen. Damit konnte der Betrieb erneut saniert werden, doch trotz eingeleiteten Sanierung war das Unternehmen auf Zuschüsse des Gesellschafters angewiesen. Als dieser offenbar nicht mehr zahlen wollte, beantragte Ventana das letzte Konkursverfahren.

Firma konnte als einzige Feingießerei Österreichs alle Metalle verarbeiten

Bei der Metallgussfirma handelt es sich um die einzige Feingießerei Österreichs, in der alle Arten vergießbarer Stahl- und Aluminiumwerkstoffe verarbeitet werden konnten. Hergestellt wurden Präzisionsprodukte für die Fahrzeugtechnik, Luftfahrttechnik, Medizintechnik, für den Maschinenbau, die Elektroindustrie, chemische Industrie und Zellstoffindustrie, aber auch für Atomkraftwerke, den Waffenbau und Sportwaffenbau.

(red)