Ederer: „Privatisierung ohne Auftrag“

Brigitte Ederer, im September aus dem ÖIAG-Aufsichtsrat ausgeschieden, über das Prinzip Selbsterneuerung und die Gründe ihres Abganges.

Von
ÖIAG Brigitte Ederer

NDUSTRIEMAGAZIN: Frau Ederer, ist Siegfried Wolf der richtige Mann an der Spitze des ÖIAG-Aufsichtsrates?

Brigitte Ederer: Meine Entscheidung, aus dem ÖIAG-Aufsichtsrat auszuscheiden, hat nichts mit einer einzelnen Person zu tun. Siegfried Wolf ist ein sehr erfolgreicher Manager, dessen Leistungen in der internationalen Wirtschaftswelt sehr hoch einzuschätzen sind.

Sie haben sich bei seiner Wahl zum AR-Präsidenten der Stimme enthalten. Warum?

Ederer: Es gab eine Gruppe von Aufsichtsräten, mit deren Auffassung und Haltung, wie mit dem Eigentum der Republik umzugehen ist, ich nicht länger übereinstimmen konnte. Es gibt in dem Gremium die mehr heitliche Grundhaltung, dass alles privatisiert gehört. Infrastrukturinteressen und Versorgungsinteressen der Republik wurden hintangestellt. Ich benötige einfach eine Breitbandanbindung auch im hinteren Waldviertel, auch wenn es kein Geschäft ist.

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Betreibt der Aufsichtsrat eine eigenständige Industriepolitik?

Ederer: Es ist offensichtlich, dass der Eigentümer nichts zu reden hat. Peter Mitterbauer oder Siegfried Wolf würden dies in ihren Konzernen nie dulden. Etliche Mitglieder leben ihre wirtschaftspolitischen Ansichten ohne jede Kontrolle durch den Eigentümer. Es wird Privatisierungspolitik ohne politischen Auftrag gemacht. Und aus meiner Warte war dies nicht immer zum Besten Österreichs. Auch wenn die Mehrheit im Gremium da anderer Ansicht war.

Begrüßen Sie ein neues ÖIAG-Gesetz?

Ederer: Natürlich darf ein Unternehmen nicht ans Gängelband der Politik. Aber diese Gefahr sehe ich nicht. Wäre ich politisch verantwortlich, würde ich das Prinzip der Selbsterneuerung ändern.

Brigitte Ederer war von 2008 bis 2014 Mitglied des ÖIAG-Aufsichtsrates.