Übernahme

Easyjet ist an Teilen von Thomas Cook interessiert

Der britische Billigflieger Easyjet hat nach Worten seines Chefs Johan Lundgren womöglich Interesse an Teilen des insolventen Reise- und Fluganbieters Thomas Cook. Lundgren sprach sich auch für eine höhere CO2-Abgabe von Reisenden der 1. Klasse aus.

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"Wir haben nicht das Gefühl, dass wir etwas machen müssten", sagte Lundgren in einemInterview mit "Welt"-Online auf die Frage, ob Easyjet Interesse an einem Einstieg bei Condor habe. "Unser Hauptfokus liegt auf organischem Wachstum." Gleichwohl schloss Lundgren nicht aus, Geschäftsteile aus dem sonstigen Netzwerk des pleite gegangenen Reisekonzerns zu übernehmen. "Natürlich werden wir uns, wie alle Fluggesellschaften und Reiseunternehmen, anschauen, was aus dem Thomas-Cook-Netzwerk für uns von Interesse sein könnte", sagte Lundgren.

Condor hat sich mit einem Schutzschirmverfahren in Deutschland vom Mutterkonzern abgespalten, um nicht mit in die Pleite gerissen zu werden. Die deutsche Regierung und das Land Hessen wollen dem Ferienflieger mit einem Brückenkredit von 380 Millionen Euro die Stange halten, damit neue Investoren gefunden werden können.

Die schon länger schwelende Krise von Thomas Cook habe Easyjet schon genützt, erklärte Lundgren weiter. Mit Easyjet-Hotels bietet die Fluggesellschaft seit dem vergangenen Jahr auch Pauschalreisen an. "Wir haben bereits im Sommer davon profitiert, dass es Hotels gab, die mit uns zusammenarbeiten wollten, weil sie nicht sicher waren, wie die Zukunft mit Thomas Cook aussieht." Easyjet hatte im vergangenen Jahr einen Teil von Air Berlin übernommen und ist seither Platzhirsch am Flughafen Berlin Tegel. Das hatte den Briten 2018 einen Verlust von 171 Millionen Euro eingebrockt. In diesem Sommer habe sich das Geschäft aber verbessert, sodass für dieses Jahr ein geringerer Verlust zu erwarten sei.

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Höhere CO2-Abgabe für Reisende der 1. Klasse

Die in Deutschland geplante Erhöhung der Luftverkehrsabgabe hält Lundgren grundsätzlich für falsch. Er sprach sich aber dafür aus, dass auf Flüge in der ersten Klasse oder der Businessklasse wegen des größeren Platzverbrauchs eine höhere Abgabe erhoben werden sollte: "Der größere Platz für einen Passagier in der Ersten Klasse oder Business-Klasse im Flugzeug bedeutet, dass auf ihn rechnerisch mehr CO2-Emissionen entfallen. Das sollte bei der Luftverkehrsabgabe berücksichtigt werden.“

Die jüngst beim Klimagipfel der deutschen Regierung verkündete Steueranhebung sei falsch, sagte Lundgren demnach. "Eine feste Steuerhöhe, also eine Flat-Steuer, bringt keinerlei Anreiz, effizienter und umweltfreundlicher zu fliegen", sagte Lundgren. Traditionelle Fluggesellschaften würden zum Teil nur mit 70 oder 80 Prozent Belegung der Sitzplätze fliegen, während Easyjet mit einer durchschnittlichen Auslastung von 92 Prozent unterwegs sei. Lundgren hält es daher für sinnvoller, auf eine Kerosinsteuer zu setzen, "weil das den Einsatz effizienter Flugzeuge fördert". (apa/Reuters/afp)