Energieindustrie

E-Control - Strukturwandel der E-Wirtschaft muss weitergehen

Nach Ansicht des scheidenden E-Control-Vorstände Walter Boltz und Martin Graf gibt es in der heimischen Energiewirtschaft weiter Konsolidierungsbedarf. Doch wegen politischer Widerstände sei die Konsolidierung der zersplitterten Branchenstruktur in den letzten Jahren "nur unwesentlich" vorangekommen.

Der Strukturwandel in der österreichischen E-Wirtschaft ist seit Beginn der Liberalisierung nach Ansicht des scheidenden E-Control-Vorstands Walter Boltz nicht sehr weit gediehen, er hätte sich persönlich über diesen Zeitraum mehr erwartet. Die Aufteilung zwischen Netz und Vertrieb sei gut gelaufen, auch Handelsplattformen hätten sich etabliert.

"Wir haben die Konsolidierung der zersplitterten Branchenstruktur nur unwesentlich vorangebracht", die politischen Widerstände seien hoch. Es habe ein paar Schritte gegeben, die aber zögerlich gewesen seien. Angesichts der wirtschaftlich angespannten Situation der Unternehmen dürften wohl noch einige Konsolidierungsschritte folgen. Das wirtschaftliche Umfeld sei herausfordernd, Vertrieb und Erzeugung seien unter Druck.

Für Haushaltskunden liege das Sparpotenzial bei einem Wechsel vom traditionellen Versorger zum günstigsten Anbieter derzeit so hoch wie noch nie zuvor, betonten Boltz und der ebenfalls scheidende Vorstand Martin Graf heute bei einer Pressekonferenz zu den Themen "Jahresbericht 2015" und "15 Jahre Strommarktliberalisierung". 2011 habe die maximale Gesamtersparnis für einen durchschnittlichen Haushaltskunden bei einem gleichzeitigen Wechsel von Gas und Strom inklusive Neukundenrabatt 220 Euro im Jahr (Netzgebiet Oberösterreich) betragen, im März 2016 sind es laut Energiepreis-Monitor rund 750 Euro (Klagenfurt), hieß es.

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Der Wettbewerb sei intensiver geworden, könnte aber noch größer sein, so Boltz, der seit ihrer Gründung im Jahr 2001 an der Spitze der Regulierungsbehörde steht. Viel geändert habe sich bei den Kunden, die früher Stromempfänger gewesen seien, die kaum Rechte gehabt hätten, außer Gas und Strom zu bekommen. Die E-Control habe eine wichtige Rolle auch beim Bewusstsein gespielt, dass man Kunde sei und nicht Bittsteller in einem regulierten Bereich, so Boltz. Er spricht sich auch für einen grenzüberschreitenden Wettbewerb aus.

Das Jahr 2015 sei auch von der Diskussion über eine Trennung der Strompreiszone mit Deutschland geprägt gewesen, so Graf. Eine Trennung brächte Mehrkosten von bis zu 300 Mio. Euro. Ein Engpassmanagement zwischen Österreich und Deutschland habe bisher verhindert werden können, das werde auch nicht so rasch erfolgen, verwies Boltz auch auf den grenzüberschreitenden Stromhandel.

Am Gasmarkt habe sich das Gleichgewicht ein wenig in Richtung Käufer verbessert. Es gebe auch kaum mehr Verträge mit einer Kopplung des Gaspreises an den Ölpreis. Die Flexibilität sei höher, das werde sich wohl weiter fortsetzen. Beim Großhandels-Gaspreis sei ein weiterer Rückgang von derzeit rund 14 auf 10 Euro/Megawattstunde (MWh) durchaus denkbar. Die Strompreise würden im Keller bleiben, solange der Erneuerbaren-Ausbau vorangehe. Es sei durchaus möglich, dass man für Strom nur mehr in den Stunden zahlen müsse, in denen er knapp sei.

Die Energie-Regulierungsbehörde E-Control bekommt per 25. März neue Chefs: E-Control-Chefjurist Wolfgang Urbantschitsch und der Energiebeauftragte Wiens, Andreas Eigenbauer, wurden Mitte Februar als neue Vorstände bestellt. Die Verträge von Boltz und Graf wurden nicht verlängert - auch für ihn selbst überraschend, wie Boltz sagt. Martin Graf ist seit 2011 E-Control-Vorstand. (APA/red)

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