Energieversorgung

E-Control: Österreich kann auf Kraftwerke nicht verzichten

Besonders dieser Winter hat gezeigt: Die Sicherheit bei der Stromversorgung Österreichs hängt von Importen ab. Die Lastspitze im Jänner sei "aus eigener Kraft nicht mehr abzudecken" gewesen, sagt die E-Control. Trotz des Ausbaus der Erneuerbaren sind thermische Kraftwerke vorerst offenbar unverzichtbar.

Der kalte Winter hat gezeigt, dass die Inlands-Stromerzeugung allein Österreichs Stromversorgung nicht sichern kann, sondern dass diese von Stromimporten abhängt. Für zwei Wochen musste der Übertragungsnetzbetreiber APG heuer die Warnstufe "gelb" ausrufen - denn die Erneuerbare Energie liefert gerade im Winter zu wenig Elektrizität. Die E-Control hält daher kalorische Kraftwerke für unverzichtbar.

"Versorgungssicherheit ist dann gegeben, wenn man sich auf die Importe verlassen kann. Aus eigener Kraft geht es jetzt schon nicht mehr", sagte E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer vor Journalisten. Diesen Winter habe es eine deutlich höhere Last als erwartet gegeben. Zugleich sei aber ein Großteil der Anlagen auf Basis erneuerbarer Energie wie Laufwasser, Pumpspeicher, Wind, PV kaum verfügbar gewesen.

Von 25.000 MW installierter Leistung seien nur rund 4.000 MW an Erneuerbarer übrig geblieben - und die bisher höchste Lastspitze von 11.000 MW, ein Wert, der exakt erst seit heute vorliegt, habe man durch kalorische Kraftwerke und Einfuhren aus Deutschland abzudecken gehabt: "Es musste importiert werden. Die Versorgung aus eigener Kraft wäre nicht mehr möglich gewesen", so Eigenbauer.

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"Warnstufe gelb"

"Ich glaube wir können derzeit überhaupt kein Kraftwerk stilllegen", meinte Eigenbauer auf Fragen zu den geplanten Abschaltungen heimischer kalorischer Anlagen von Mellach bis zu Dürnrohr. Sperre man Kraftwerke zu, müsse man mehr in Importe hineingehen: "Es sind ausreichend Kraftwerke mit Brennstoff nötig." Und zu ihrem neuen Jahresbericht hält die Regulierungsbehörde fest: "Die thermischen Kraftwerke sind unverzichtbar für die österreichische Versorgung."

Im Jänner musste am schwierigsten Tag bei nur 8,3 GW verfügbarer Kraftwerksleistung die Differenz auf die Last von 11 GW durch Stromimporte abgedeckt werden. Denn neben den 4 GW Erneuerbaren waren nur 4 GW thermisch verfügbar, also aus kalorischen Kraftwerken. Bei Warnstufe "gelb" gibt es intensiveres Monitoring und verdichtete Informationen. Man sei aber "nicht in die Nähe von Energielenkungsmaßnahmen", also Stufe "rot", gekommen, so E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch.

Kein Modell wie in Deutschland

Für die kalorischen Kraftwerke müsse ein Marktmodell gefunden werden, bei dem Leistung wieder einen Wert habe, sagte Eigenbauer. Es gehe um ein Geschäftsmodell für thermische Anlagen für ein ganzes Jahr und nicht nur für 14 Tage. Bis zum nächsten Winter werde das aber noch nicht zur Verfügung stehen.

Ein Modell wie in Deutschland, das letztlich auf eine Rückverstaatlichung hinauslaufe und bei dem faktisch die Übertragungsnetzbetreiber die Verfügung über Kraftwerkskapazitäten erhalten, "schlagen wir für Österreich nicht vor".

Ein Land müsse jedoch "eine Grundsatzentscheidung treffen: "Will ich selbst den Bedarf decken können oder will ich importieren." Natürlich könne die Frage so oder so beantwortet werden, aber rund um Österreich gebe es "nur wenige Länder, die Strom exportieren", gab Eigenbauer zu bedenken. Auch TU-Experte Günther Brauner habe diese Woche betont, dass dauerhaft 15 Prozent kalorisch erzeugter Strom nötig seien in Österreich, verwies Eigenbauer auf das "Trendforum" von Oesterreichs Energie.

Für Österreich allein kann die Verbund-Tochter Austrian Power Grid (APG) als Übertragungsnetzbetreiber schon jetzt mit Kraftwerksbetreibern Verträge über den Abruf von Leistung abschließen - sobald die "kleine" Ökostromnovelle in Kraft ist, soll das die APG auch für Abrufe in Deutschland machen können, erläuterte Urbantschitsch.

Stromzone mit Deutschland: Ergebnisse in den nächsten Tagen

Zur gemeinsamen Stromzone mit Deutschland erwartet die E-Control-Spitze für die nächsten Tage Ergebnisse der seit einiger Zeit intensiv geführten bilateralen Gespräche auf politischer Ebene. Es würden "vertretbare Lösungen" gesucht, sagte Eigenbauer, aber auch ohne die drohenden künstlichen Engpässe an der Grenze seien die Leitungskapazitäten zwischen den beiden Ländern ja mit rund 11.000 MW limitiert: "Die Strompreiszone ist keine Leistungs- sondern eine Preisfrage."

Urbantschitsch warnte vor einer Schwarz-Weiß-Sicht zum Thema Strompreiszone. Es gehe nicht um ein Ja oder Nein zu einem "Aus" für die Zone, sondern um die Frage mengenmäßiger Beschränkungen. Urbantschitsch: "Es wird immer einen Austausch von Strom geben zwischen Österreich und Deutschland." (apa/red)

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