Stahlindustrie

Druck auf Thyssenkrupp steigt: Die 5 wichtigsten Antworten

Die Finanzfirmen Elliott und Cevian könnten sich als Anteilseigner des deutschen Industrieriesen verbünden und gemeinsame Sache gegen Konzernchef Hiesinger machen - der gerade die Fusion der Stahlsparte mit Tata über die Bühne bringen muss.

Mit dem möglichen Einstieg des US-Hedgefonds Elliott droht bei ThyssenKrupp neues Ungemach. Der vom Milliardär Paul Singer gegründete Fonds ist bei seinen Beteiligungen wenig zimperlich. Schon jetzt wird die Kritik an Thyssen-Chef Heinrich Hiesinger lauter.

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Es folgt eine Übersicht über die wichtigsten Fragen und Antworten.

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(1) Wie fest sitzt Hiesinger im Sattel?

Hiesinger steht seit 2011 an der Spitze des Mischkonzerns. 2014 hatte der Aufsichtsrat seinen Vertrag bis September 2020 verlängert. Im Unternehmen genießt der Manager, der am Freitag 58 Jahre alt wird, bei vielen großes Ansehen. Er gilt als Retter des Konzerns, der nach dem milliardenschweren Desaster im amerikanischen Stahlgeschäft ThyssenKrupp vor dem Ruin bewahrte. Er verkaufte die Stahlwerke in Übersee, stieß das Edelstahlgeschäft und den zivilen Schiffbau ab, fuhr die Schulden zurück, die Investitionen nach oben und trieb die Technologiegeschäfte voran.

Starken Rückhalt hat Hiesinger bei Aufsichtsratschef Ulrich Lehner, der sich nach Kritik auch schon öffentlich hinter ihn stellte. Lehner ist ebenfalls bis 2020 gewählt. Gegen den ehemaligen Henkel-Chef dürfte ein Vorstandswechsel kaum durchzusetzen sein.

(2) Wie groß ist das Vertrauen der Anleger in Hiesinger?

Am Markt ist der Stern von Hiesinger in den letzten Monaten gesunken. Nach Meldungen über einen möglichen Einstieg Elliotts und den Spekulationen über damit angeblich verbundene Rücktrittsforderungen hatte die Aktie am Mittwoch um fast zehn Prozent zugelegt - der größte Tagesgewinn seit über neun Jahren. Dies kam quasi einer Abmahnung gleich.

Deutlich nach unten war es mit dem Kurs in der vergangenen Woche gegangen, als Hiesinger einräumen musste, dass im Quartal ausgerechnet die von ihm geförderten Technologiegeschäfte mit Anlagen, Aufzügen und Autoteilen schwächelten, während bei der aufs Abstellgleis gestellten Stahlsparte die Kassen klingeln. "Der Stahl lief gut, der Rest nicht so", kritisierte ein Händler. "Hiesingers Tage sind gezählt, wenn es keine 180-Grad Wende bei der Strategie gibt", sagte ein mit ThyssenKrupp vertrauter Banker. Alles müsse auf den Prüfstand.

(3) Was sagt Großaktionär Cevian?

Der schwedische Finanzinvestor Cevian fordert seit Monaten bessere Zahlen, eine klarere Strategie und gegebenenfalls den Verkauf oder Börsengang weiterer Geschäfte. Ein Joint Venture der Stahlsparte allein reiche nicht aus.

"Die aktuelle Konglomeratsstruktur ist zu komplex und schwerfällig. Das ist die Ursache für die unterdurchschnittliche Leistung von ThyssenKrupp", hatte der Gründer und Chef von Cevian, Lars Förberg, zu Reuters gesagt. "Hätte das Unternehmen seine eigenen Margenziele erreicht, wäre die Aktie 50 Euro wert, doppelt so viel wie heute." Im Aufsichtsrat spielt Cevian mit lediglich einem Vertreter allerdings nur eine Nebenrolle. Die Schweden waren im September 2013 bei ThyssenKrupp eingestiegen.

(4) Schulterschluss der Finanzinvestoren?

Ob Cevian mit Elliott gemeinsame Sache machen würde, ist offen. Unklar sei, ob die strategischen Prioritäten der beiden überhaupt in Einklang stehen, schrieben die Experten von J.P. Morgan Cazenove. Während Elliott als vergleichsweise angriffstlustiger Investor gilt, gibt sich Cevian moderater mit einem langen Anlagehorizont.

Sollte sich Elliott bei ThyssenKrupp mit mehr als drei Prozent beteiligen, könnte der Investor gemeinsam mit den rund 18 Prozent von Cevian die rund 21 Prozent der Krupp-Stiftung übertreffen. Die Stiftung tritt seit dem Tod des Konzern-Patriarchen Berthold Beitz 2013 zwar kaum öffentlich in Erscheinung, stützt aber den Kurs Hiesingers.

(5) Sein oder Nichtsein: Kommt es noch zur Stahlfusion?

Hiesinger ist bei den seit zwei Jahren laufenden Verhandlungen für ein Gemeinschaftsunternehmen der Stahlsparte mit Tata Steel zum Erfolg verdammt. ThyssenKrupp strebt nun eine Zustimmung in den eigenen Gremien und eine Vereinbarung mit Tata im ersten Halbjahr an. Der Aufsichtsrat könnte dem Deal bereits Mitte Juni zustimmen, im Juli könnte Hiesinger seine neue Strategie vorstellen.

Die Arbeitnehmervertreter machen eine Zustimmung aber noch von diversen offenen Fragen abhängig. Dazu gehört Klarheit über die Lage des lange Zeit verlustreichen Tata-Werks im britischen Port Talbot und über die Regelungen für das niederländische Geschäft von Tata, wo die Verhandlungen mit dem Betriebsrat noch bis August dauern könnten. Die Stahlkocher aus Duisburg wollen nicht der Zahlmeister für die Tata-Geschäfte sein.

"Hiesinger hat alles auf eine Karte gesetzt"

"Herr Hiesinger hat alles auf eine Karte gesetzt. Wenn der Deal mit Tata scheitert, steht er vor einem Scherbenhaufen", sagt Union-Investment-Fondsmanager Ingo Speich. "Er wird alles daran setzen, dass das nicht passiert. Denn dann wäre auch seine Strategie hinfällig und ThyssenKrupp müsste noch einmal von vorne anfangen."

(von Tom Käckenhoff und Christoph Steitz, Reuters, APA, red)