Seilbahnen

Doppelmayr: Geschäft in den Städten wird bald wichtiger als in Schigebieten

Der Weltmarktführer im Seilbahnbau rechnet damit, dass schon in wenigen Jahren der Bau von Seilbahnen in den Städten wichtiger wird als das heutige Kerngeschäft. Trotzdem sollen die Umsätze beim Bau von Seilbahnen in den Bergen konstant bleiben.

Seilbahnbau Doppelmayr Standort Vorarlberg Strategie Thomas Pichler

Der Vorarlberger Seilbahnhersteller Doppelmayr, Weltmarktführer im Seilbahnbau, rechnet mit einer Verschiebung der Bedeutung seiner Geschäftsfelder. Das Geschäft in den Städten könnte nach Einschätzung des neuen geschäftsführenden Direktors Thomas Pichler jenes der Winter-Bergbahnen schon in fünf Jahren überholen, sagte Pichler im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

"In Süd- und Mittelamerika ist die Nachfrage derzeit groß, es gibt aber auch in Frankreich und Italien einige interessante Projekte, zum Beispiel in Rom und Mailand", so Pichler zum Stand des aktuellen Geschäfts in den Städten. Der 50-Jährige hoffte, in den nächsten Jahren auch in Österreich und Deutschland Projekte umsetzen zu können.

Vorzeigeprojekt Bolivien

Dass in Europa noch ein großes Vorzeigeprojekt wie jenes in der bolivianischen Metropole La Paz fehlt, führte Pichler auf den in Europa noch zu kleinen Leidensdruck zurück. "Der Verkehr ist hier meist gut ausgebaut", stellte er fest. Das Interesse - auch seitens der Politik - werde aber immer größer, auch die Akzeptanz nehme zu. Die Seilbahn sei aber "sicher nicht" die Lösung für alle Verkehrsprobleme in Ballungsräumen. "Eine solche Behauptung würden wir uns nie anmaßen", verwies Pichler etwa auf die Förderleistung einer Seilbahn, die deutlich unter jener einer U-Bahn liege. "Wir sehen Seilbahnen vor allem als Zubringer zu größeren Systemen des öffentlichen Personennahverkehrs", so der Doppelmayr-Chef.

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Einen drastischen Rückgang des Winter-Geschäfts in allzu naher Zukunft befürchtete Pichler trotz des Klimawandels aber nicht. "Ich glaube nicht, dass unser Geschäft in den nächsten fünf bis zehn Jahren leiden wird. Schon in den vergangenen Jahren haben wir zu mehr als 90 Prozent von Ersatzinvestitionen gelebt", erklärte der 50-Jährige. Konkret wurden alte Anlagen durch neue ersetzt, Bahnen erweitert. Pichler räumte aber ein, dass in den Alpen ganz neue Anlagen und Verbindungen von Skigebieten "in der Tat kaum noch realisiert" werden.

Der Doppelmayr-Chef ging davon aus, dass das Geschäft im Wintertourismus konstant bleiben wird, wachsen werde man künftig vor allem im touristischen Ganzjahresbereich - speziell in Asien - und eben im urbanen Bereich.

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In Bezug auf die internationalen Unruhen und Handelsauseinandersetzungen sagte Pichler, dass "wir inzwischen schon sehr schauen müssen, dass wir nicht in die Mühlen der Politik geraten". Vieles ändere sich in kurzer Zeit. "In Teheran bauen wir eine Seilbahn, die die Stadt mit dem Universitätscampus verbindet. Die ist zu 95 Prozent fertig, aber wir mussten aufgrund der Sanktionen im Oktober alle Arbeiten einstellen", verwies Pichler etwa auf das durch die USA aufgekündigte Atomabkommen mit dem Iran. (apa/red)