Oberösterreich

Dokumentartheater widmet sich dem "Mythos Voest"

Ein diese Woche zu sehendes Projekt des Dokumentartheaters erzählt die Geschichte des zweitgrößten österreichischen Industriekonzerns, von seinen dunklen Anfängen als Hermann-Göring-Werke bis zum heutigen Technologieriesen.

Stahlindustrie Voestalpine Standort Oberösterreich

Nachdem sie dem Publikum vor zwei Jahren auf bekömmliche Weise den Swap-Skandal erklärt haben, kehren die Dokumentartheatermacher Regine Dura und Hans-Werner Kroesinger mit einem neuen Projekt nach Linz zurück. Beleuchtet wird die Geschichte der Voestalpine, von den dunklen Anfängen als Hermann-Göring-Werke bis hin zu Industrie 4.0. "Mythos Voest" wird am Freitag in den Kammerspielen uraufgeführt.

Voestalpine hat Linz geprägt

Die Voestalpine gehört zur Stahlstadt wie kein anderes Unternehmen. Heute ist sie ein weltumspannender Konzern mit mehr als 50.000 Mitarbeitern und annähernd 13 Milliarden Euro Umsatz. Sie ist prägend für das Stadtbild und wohl jeder in der Stadt hat eine Erinnerung oder eine Meinung dazu, wie auch Kroesinger und Dura bei ihren Recherchen feststellten. Bald sei die Frage aufgetaucht: "Fängt die Geschichte der Voest 1938 an oder 1945?", schildert Kroesinger. Man entschied sich für 1938. Damals wurde das Unternehmen als Hermann Göring Werke gegründet.

Die Rüstungsproduktion mit Zwangsarbeitern in der NS-Zeit wurde lange Zeit nicht thematisiert. Auch die Noricum-Affäre um illegale Waffenlieferungen in späteren Jahren zählt nicht zu den Kapiteln, die gerne erwähnt werden. Andererseits steht die Voestalpine für den Wiederaufbau, den Geist der Gewerkschaften, die Solidarität mit und unter den Arbeitern sowie für Innovation und Wohlstand. Zu den aktuellen Fragen, die im Stück thematisiert werden, zählt die Bedeutung der Digitalisierung für die industrielle Arbeitswelt.

White Paper zum Thema

Eine andere Produktion als vom Unternehmen selbst

"Würde das Stück vom Unternehmen produziert, würde es wohl anders aussehen", meinte Kroesinger. Er will bei allen Kapiteln "beide Seiten der Medaille" zeigen - etwa wenn es um den Preis für den Erhalt von Arbeitsplätzen geht. Vonseiten des Unternehmens war die Reaktion auf die Ankündigung, dass man Thema eines Theaterstücks sein werde, offenbar verhalten: "Wir haben uns sehr für die Voest interessiert, aber die Voest hat sich nicht so für uns interessiert", so der Regisseur.

Eckdaten zum Projekt

"Mythos Voest", Dokumentartheater von Regine Dura (Text) und Hans-Werner Kroesinger (Regie). Musik: Nebojsa Krulanovic, Bühne, Kostüme und Videodesign: Rob Moonen. Mit Gunda Schanderer, Angela Waidmann, Jenny Weichert, Sebastian Hufschmidt, Benedikt Steiner. Uraufführung am 22. Februar. Weitere Informationen unter www.landestheater-linz.at. (apa/red)

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