Interview

"Digitalisierung ist der Treiber"

Die Dormakaba-Österreich-Geschäftsführer Dietmar Pfeiffer und Stefan Penz über die Fusion von Dorma und Kaba zu einem Schließsystemriesen und die Chancen durch Digitalisierung.

Dormakaba Digitalisierung

Investieren jährlich rund vier Millionen Euro in den Standort: Dormakaba-Österreich-Geschäftsführer Dietmar Pfeiffer (li.) und Stefan Penz

Welche Rolle kommt dem Standort Österreich in der neu geschaffenen Dormakaba-Gruppe zu?

Dietmar Pfeiffer Die österreichische Organisation bezieht einerseits unterschiedlichste Produkte aus der Dormakaba-Familie und implementiert sie hier, andererseits sind wir auch Produktionsstandort. Bei uns liegt die Kernkompetenz für Europrofil-Schließzylinder innerhalb des Konzerns. Trotz hohem Automatisierungsgrad – wir produzieren einige Millionen Komponenten, fertige Schließzylinder und Schlösser pro Jahr – können wir in Europa hochgradig kundenspezifische Anforderungen in fünf Tagen Lieferzeit erfüllen.

Die Konzernmutter hat vor wenigen Tagen die erste Bilanz nach der Fusion präsentiert. Ziel: mehr als erfüllt. Wie ist es in Österreich gelaufen?

Stefan Penz In Österreich erfolgte die rechtliche Zusammenführung der Gesellschaften erst im Laufe des letzten Geschäftsjahres, mit 570 Mitarbeitern wurde erstmals – gemeinsam – die 100-Millionen-Euro-Grenze überschritten. Am Heimmarkt konnten wir sogar ein leicht zweistelliges Wachstum erzielen.

Die beiden Standorte in Österreich scheinen also gesichert?


Pfeiffer Absolut. Wir investieren regelmäßig ungefähr vier Millionen Euro per anno.

Was spürt der Kunde von der Fusion?

Penz Wir können nun alles, was zur Organisation des mechanischen oder elektronischen Zutritts zu einem Gebäude sowie dessen möglichst komfortabler Benutzung – Stichwort Barrierefreiheit – erforderlich ist, im Rahmen einer Gesamtlösung aus einer Hand anbieten. Also beispielsweise von der Eingangs-Karusselltür bis zu den Türschlössern, von den digitalen Komponenten und der Software einer Zutrittskontrolle bis hin zum Zeiterfassungsterminal und – nicht zu vergessen – dem sicheren Schließen der Türe im Brandfall mittels modernster Türschließtechnik. Ein großer Vorteil für den Kunden liegt somit in der Reduktion der Schnittstellenproblematik, die es ja bei jedem Bauprojekt zur Genüge gibt.


Pfeiffer Es hat sich herausgestellt, dass wir zu 95 Prozent komplementär sind, es also nur fünf Prozent Überschneidungen in unserem Produkt- und Dienstleistungsportfolio gab.

Vor welchen Herausforderungen steht Ihre Branche? Was bedeutet die Digitalisierung für Sie?


Penz Digitalisierung ist für uns ein Wachstumstreiber. Es geht um hochkomplexe Lösungen, die Zutritt im Leben sicher und smart machen. Durch die Fusion können wir die Möglichkeiten schneller und besser nutzen. Doch ob bei einem System viel Elektronik dabei ist oder nicht: Die mechanische Absicherung wird es immer geben müssen.

Pfeiffer Zusätzlich: Im Sinne unserer Kunden müssen wir bei der weiterlaufenden Verschmelzung von Elektronik und Mechanik auch stets rückwärts kompatibel sein, um bestehende Schließsysteme im Markt erweitern zu können.

Bei Türschließsystemen denkt man zuerst an Sicherheit. Als Referenz führen Sie aber auch einen neuen Eurospar-Markt an, bei dem die Energieeffizienz im Vordergrund stand.

Penz Energieeffizienz ist für unsere Kunden und damit für uns ein ganz wichtiges Thema geworden. Daher haben wir intelligente und kältebrückenfreie Eingangslösungen entwickelt. Bei dem von Ihnen angesprochenen Eurospar-Markt kam unsere automatische Schiebetür zum Einsatz. Es handelt sich um eine Energiespar-Schiebetür, speziell konzipiert für den äußeren Gebäudeabschluss. Sie übernimmt auch die Windfangfunktion.

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