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Digitalisierung

Digitalisierung- Industrie 4.0. Wir sind bereit, doch wo sind die dazugehörigen Rahmenbedingungen?

Die Digitalisierung erfasst immer mehr Bereiche, von der Produktion bis hin zum Dienstleistungssektor. Wer die Zukunft im Auge hat, stellt sich dieser Aufgabe. Das ist keine Marketingfrage, es ist eine Gestaltungsaufgabe.

Die Digitalisierung erfasst immer mehr Bereiche, von der Produktion bis hin zum Dienstleistungssektor. Das Internet der Dinge ist in aller Munde. Unternehmer und Manager müssen sich damit auseinandersetzen und Strategien entwickeln, um ihre Geschäftsmodelle an die neuen Entwicklungen anzupassen oder wenn nötig, neue Geschäftsmodelle zu konzipieren. Denn die Digitalisierung bietet enorme Chancen, aber auch die Gefahr, dass ganze Geschäftsmodelle in Frage gestellt werden. Unternehmer leben daher in einer sehr risikoreichen Zeit, weil alles was lange gut gegangen war, plötzlich neu zu denken ist. Wer die Zukunft im Auge hat, stellt sich dieser Aufgabe. Das ist keine Marketingfrage, es ist eine Gestaltungsaufgabe.

Diese Entwicklung kommt jetzt rascher, als alle anderen tiefgreifenden Veränderungen der letzten Jahrzehnte. Die Politik hat es bis heute leider nicht verstanden, richtig darauf zu reagieren. Nach wie vor werden aus reinem Klienteldenken notwendige Schritte für Rahmenbedingungen, die dieser neuen, flexibleren, selbstbestimmteren Welt gerecht werden, nicht gesetzt, bzw. Vorhandenes sogar gestrichen, trotzdem es nie nötiger wäre, als jetzt. Nur ein Beispiel: Alle sind sich einig, dass die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern immer wichtiger wird. Die Politik jedoch streicht den Bildungsfreibetrag! 

Menschen wollen mehr Selbstbestimmung, wollen sich ihre Arbeitszeit anders einteilen als von Neun bis Fünf. Studien belegen, dass Menschen vorrangig nicht vermehrt Angst haben durch neue Technologien ihren Arbeitsplatz zu verlieren, sondern Frust darüber verspüren, dass die Politik nicht in der Lage ist, Rahmenbedingungen zu entwickeln, die den neuen Anforderungen angepasst wären, z.B. Arbeitszeitbestimmungen flexibel zu gestalten. Warum soll es nicht möglich sein, dass sich die Menschen in den Betrieben ihre Arbeitszeit mit den Vorgesetzten ausmachen? Dort wo man weiß was nötig ist. Wieso kann die Arbeiterkammer und Gewerkschaft nicht einen Schritt nach hinten treten und hier Spielraum bieten, statt zu glauben, vom Schreibtisch aus, besser beurteilen zu können, was für alle das Richtige ist, wo doch schon länger betriebliche, aber auch persönliche Flexibilität im Vordergrund steht? 

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Natürlich muss man auch ausprobieren dürfen. Fehler kann man korrigieren. Der Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sowie die Vorschriften für Unternehmen, nehmen ja teilweise groteske Formen an. Wer sich wirklich an alle Vorschriften halten und dennoch Erfolg haben will- braucht gar kein Unternehmen zu gründen, es gelingt ihm nämlich nicht.

Wann erkennen die Politik und die Sozialpartner, dass wir in fast allen Bereichen neue Rahmenbedingungen für eine völlig neue Situation benötigen, die immer rascher auf uns zukommt, damit dem Mittelstand -  immer noch das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft- Luft zum Überleben bleibt. Aber auch, damit internationale Unternehmen und IT-Plattformen, zu einer vernünftigen Steuerleistung, in unser Land gebracht werden? Natürlich kann man, in gut österreichischer Art Arbeitsgruppen bilden, Symposien organisieren und dabei immer nur an den nächsten Wahltermin denken. Nur wie lange werden sich die Menschen es gefallen lassen, von jenen, die keine Rezepte für die neuen Herausforderungen haben, regiert zu werden? Es ist höchste Zeit hier Handlungskompetenz zu zeigen: denn es ist wie in der neuen Geschäftswelt: Unternehmen die ihren Mitarbeitern nicht jenes Vertrauen entgegen bringen, dass sich selbstbestimmte Menschen wünschen, werden scheitern, so ist es auch mit Regierungen. Wir warten auf Antworten!

Hans Harrer ist Vorstand des Senats der Wirtschaft Österreich, sowie im GlobalEconomic Network und Projektentwickler. Der Senat der Wirtschaft ist ein ökosozialer Think Tank, dessen mehr als 500 Mitglieder rund 252.000 MitarbeiterInnen aufweisen.