Siemens

Digitalisierung: Es geht auch ganz ohne Europa

Noch vor wenigen Jahren bauten Europas Technologiefirmen in China nur ihre Fabriken. Inzwischen wandern immer häufiger auch Forschung und Entwicklung nach Asien. Jüngstes Beispiel ist Siemens und die Verlagerung des strategisch wichtigen Bereichs der autonomen Robotik.

Der Elektrokonzern Siemens siedelt ein wichtiges Forschungsgebiet für die Digitalisierung der Industrie in China an: Die dortige Landesgesellschaft übernimmt die globale Führung im Bereich der autonomen Robotik, wie das Unternehmen bei einem "Innovationstag" in der ostchinesischen Stadt Suzhou mitteilte.

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Wie viele Forscher und Ingenieure auf diesem Gebiet arbeiten sollen, teilte Siemens nicht mit. Schwerpunkte sollen sein: neue mechatronische Systeme, die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine und die Anwendung künstlicher Intelligenz in der Robotiksteuerung. Siemens stellt selbst zwar keine vollständigen Industrieroboteranlagen her, jedoch Komponenten und Software.

"Made in China 2025" - mit aktiver Hilfe der Europäer

Robotik und die Automatisierung der chinesischen Industrie sind ein Themenfeld, das die Kommunistische Partei in China im Rahmen der Initiative "Made in China 2025" mit Milliardensubventionen für die heimischen Unternehmen vorantreibt. So kaufte der Hausgerätehersteller Midea 2016 den Augsburger Industrieroboterhersteller Kuka, ein technologisch führendes Vorzeigeunternehmen. Kuka soll dabei zum größten Roboterhersteller auf dem chinesischen Markt ausgebaut werden.

Chinas Industrie rüstet mit großen Schritten auf

Ziel der chinesischen Führung ist es, die Industrie auf technologischen Gleichstand mit dem Westen und Japan zu bringen und die Importe ausländischer Technologie zu reduzieren.

Außerdem leidet China wegen der erst kürzlich aufgegebenen Ein-Kind-Politik noch stärker unter dem demografischen Wandel als Europa - es fehlt zunehmend der Nachwuchs für die Fabriken, der durch Roboter ersetzt wird.

Siemens möchte gerne intensiv mit Chinas Behörden zusammenarbeiten

Siemens hat sich dafür entschieden, intensiv mit den chinesischen Behörden und Forschungseinrichtungen zusammenzuarbeiten. "Siemens investiert massiv in die Zukunft Chinas und unterstützt das Land und die örtlichen Kunden auf ihrem Weg in die Digitalisierung", erklärte Technologievorstand Roland Busch.

Insgesamt beschäftigte Siemens laut Unternehmensangaben Ende 2016 rund 4.500 Forscher und Ingenieure in China. Ein weiteres Digitalisierungszentrum baut Siemens derzeit in Singapur auf. (dpa/apa/red)

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