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IM-Expertenpool: Automobilindustrie

Digitales Umdenken im Fuhrpark

Der Dieselskandal hat das Vertrauen in die Automobilbranche und deren Glaubwürdigkeit stark in Mitleidenschaft gezogen - mögliche Dieselfahrverbote verunsichern die Betriebe. Es gibt keine Planungssicherheit, ob und wann Unternehmen ihren Fuhrpark erneuern müssen.

Die letzten Diesel-Gipfel lassen weitere Kosten und auch steigende Preise für den Konsumenten befürchten. Die Abgasaffäre hat das Vertrauen in die Automobilbranche und die Glaubwürdigkeit bereits stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Diskussion um Dieselfahrverbote verunsichert die Betriebe. Schließlich leiden diese ganz besonders unter eventuellen Fahrverboten für Dieselautos und auch für den Konsumenten drohen Konsequenzen. Nach wie vor gibt es keine Planungssicherheit und es ist unklar, ob und wann die Betriebe ihren Fuhrpark erneuern müssen.

Pariser Klimaschutzabkommen

Eine „Spielen auf Zeit“-Strategie birgt dabei ein hohes Risiko, denn die Elektromobilitätsbewegung ist Teil des großen und langfristigen Klimaschutztrends. Basis ist das Pariser Klimaschutzabkommen. Der darin enthaltene Klimaschutzplan besagt knallhart, dass der Verkehr der Zukunft bis 2050 vollständig ohne fossiles Öl und Gas auskommen muss – darüber herrscht weltweit ein relativ breiter Konsens. Die notwendige grundlegende technologische Umstellung von Verbrennungs- auf den Elektromotor bzw. die anstehende Übergangsphase wird sehr herausfordernd. Dem werden sich auch die Fuhrparkmanager nicht entziehen können.

E-Mobilität und eCall

Neben den verschiedensten Maßnahmenpakete zur Förderung der Elektromobilität in vielen europäischen Staaten wird mit 31. März 2018 auch der eCall – das automatische Notrufsystem für Kraftfahrzeuge – Pflicht in der Europäischen Union. Das besondere daran ist, dass mit dem eCall jedes Neufahrzeug gesetzlich eine eigene ID verordnet erhält. Obwohl das eCall-System ein schlafendes System ist – d.h. nur im Anlassfall werden Daten aus dem Fahrzeug an eine Notrufzentrale gesendet - sind damit die fahrzeugseitigen Voraussetzungen geschaffen, dass zukünftig auch alle Fahrzeugdaten nach außen gesendet werden können. Die neue verschärfte europäische Datenschutz-Grundverordnung ab Mai 2018 sollte den Konsumenten Sicherheit geben.

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Treiber für neue Mobilitäts-Services

Die Fahrzeugvernetzung und die Elektromobilität werden langsam aber kontinuierlich feste Bausteine in der Mobilität. Diese Entwicklungen sind Treiber dass sich neue digitale Services im automobilen Umfeld etablieren und für Fuhrparks ein echter Mehrwert lukriert werden kann. Es gibt heute bereits viele kleinere und größere Anbieter, wobei die Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Anbietern & Services beträchtlich sind. Auf den ersten Blick jedoch erkennt man keine großen Differenzierungen zwischen den Produkten.

Erste wichtige Überlegungen sind vorab anzustellen

  • Welche Lösung kann dem Unternehmen sehr schnell einen Mehrwert bringen?
  • Wo werden Anforderungen für die Zukunft gesehen, um zusätzlichen Nutzen im Fuhrparkmanagement erzielen zu können?
  • Welchen Einfluss kann die Firmenstruktur auf eine Systemlösung haben (Betriebsrat, Anwendungsgebiete, firmeninterne Regelungen,...)?
  • Wie setzt sich der aktuelle Fuhrpark zusammen (Marken, PKW’s, leichte Nutzfahrzeuge, LKW’s, Alter der Fahrzeuge,...)
  • Wo werden im Unternehmen die Einsparungspotentiale im Fuhrpark gesehen?

Die Auswahl von Anbietern Bei der Suche nach dem richtigen Anbieter stößt man auf zahlreiche Insellösungen am Markt. Neben einem guten Preis – Leistungsverhältnis ist dabei die Zukunftsfähigkeit sowie die Nachhaltigkeit des Angebotes entscheidend. Als weiteres sehr wichtiges Auswahlkriterium sind die derzeit meist noch benötigten nachrüstbaren Telematik-Einheiten zu beachten. Idealerweise ist das Angebot eines digitalen Mobilitätsservices in ein Hardware-unabhängiges Konzept eingebettet und eine Schnittstelle zum zukünftig vernetzten Fahrzeug ist bereits vorgesehen. Von besonderer Bedeutung ist die Systemarchitektur des Anbieters, denn nur ein modularer Systemaufbau besitzt Zukunftsoptionen für die Ausbaufähigkeit und Erweiterbarkeit des digitalen Serviceangebotes.

Der Datenschutz

Glaubt man den Beteuerungen der unterschiedlichsten Anbieter so sind der Datenschutz und die Datensicherheit bei allen eine Selbstverständlichkeit. Die Spreu vom Weizen trennt sich jedoch spätestens wenn eine überzeugende Transparenz für den Nutzer eingefordert wird. Entscheidend dabei ist dass der Fahrzeugnutzer bzw. Fahrzeughalter die absolute Hoheit über die Fahrzeugdaten innehat und jederzeit eine Intervention durch den Fahrzeugnutzer möglich ist.

Mehrwert Digitale Services

Mit neuen innovativen, digitalen Mobilitätsservices haben Betriebe die Möglichkeit sich ein strategisches Fuhrpark-Planungstool für eine kurz- und mittelfristige Umstellung des Fuhrparks aufzubauen um Mehrwert zu lukrieren. Ein elektronisches Fahrtenbuch bietet dabei begleitend die Möglichkeit, mittels einer periodisch durchgeführten systemgestützten Fahrprofilanalyse zu analysieren bei welchen Fahrzeugen eine Umrüstung auf Elektro-Fahrzeuge bzw. Plug-in-Hybrid- Fahrzeuge möglich und wirtschaftlich bereits sinnvoll ist. Ein darin integriertes Reservierungssystem unterstützt bei der effizienteren Verwaltung der (Pool-)Fahrzeuge. Erfahrungen von Unternehmen zeigen, dass eine Reduktion der Poolfahrzeuge bei mindestens gleichbleibender Qualität des Mobilitätsangebotes realisierbar wird. Nur mit einer professionell durchgeführten Fuhrparkanalyse unter Einbindung der kommenden Fahrzeugvernetzung eröffnet sich jeder Betrieb nachhaltige ökologische und ökonomische Chancen! Die Einführung neuer digitaler Services sollte ausschließlich mit Begleitung von objektiven und erfahrenen Fachexperten erfolgen.

Wissensvorsprung als Erfolgsfaktor

Von entscheidender Bedeutung für Fuhrpark-Verantwortliche ist es bestehende Informationsdefizite auszugleichen sowie Impulse für eine themenspezifische Erweiterung der persönlichen Netzwerke zu erhalten. Sehr gut eignen sich dazu Fachkongresse und Messebesuche. Der 2. Internationale Fachkongress „Vernetzte Mobilität“, der am 11. Jänner 2018 in Wien im Rahmen der Vienna Autoshow – der größten Automobilmesse Österreichs – stattfindet, ist dafür ein ausgezeichnetes Beispiel. Dieses jährliche Kongressformat zielt bei der Veranstaltung 2018 darauf ab, allen Unternehmern und Entscheidern im gesamten automobilen Umfeld brandaktuelle, neue und interessante Themen in den Bereichen Elektromobilität, digitale Services und der neuen europäischen Datenschutz-Grundverordnung näher zu bringen.

Raimund Wagner ist CEO des Beratungsunternehmens Carsulting.

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