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Digitale Helfer für die Finanzbranche

Banken und Versicherungen können heute ohne eine starke digitale Geschäftsstrategie nicht mehr überleben. IT-Anbieter haben diesen Bedarf erkannt.

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Fintechs: Die Zukunft des Geschäfts von Finanzdienstleistern liegt im Online-Bereich.

Der klassische Bankschalter, ja, der existiert noch. Doch die Zukunft des Geschäfts von Finanzdienstleistern liegt im Online-Bereich. Eine der größten Herausforderungen dabei besteht darin, nicht nur bereits existierende Kunden für Onlineangebote zu begeistern und sie so gewissermaßen von der analogen in die digitale Welt zu begleiten, sondern auch online ganz neue Interessenten zu gewinnen. Gelingt das und der Beworbene entscheidet sich dazu, online ein Konto zu eröffnen oder eine andere Transaktion vorzunehmen, schreibt der Gesetzgeber unter anderem eine eindeutige Identifizierung der Person vor.

Video-Identifizierung schafft Sicherheit

Um diesen Schritt für Anbieter und ihre Kunden so einfach wie möglich zu gestalten, hat Kapsch BusinessCom gemeinsam mit Europa Assistance Österreich das Identifizierungssystem KAPSCH VIDEO IDENT entwickelt. In wenigen Schritten ermöglicht diese Lösung eine Identifizierung per Smartphone oder PC. Die Anmeldung läuft über einen gesicherten Live-Video-Chat, bei dem speziell geschulte Mitarbeiter die Überprüfung der Daten übernehmen und den Kunden durch den Vorgang leiten.

Da das Identifikationssystem offen modelliert ist, lassen sich damit auch Services externer Dienstleister verbinden, etwa Bonitätsprüfungen. „Die Daten, die im Rahmen einer Online-Identifikation abgefragt werden, sind sensibel. Dementsprechend sichern wir sie auch, indem wir sie in einem der Kapsch Sicherheitsrechencenter speichern und verarbeiten“, erklärt Jochen Borenich, Mitglied des Vorstands bei Kapsch BusinessCom. Für jeden Kunden aus der Finanzbranche, der das System nutzt, erarbeitet Kapsch BusinessCom überdies ein individuelles Sicherheitskonzept.

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Alles auf einer Plattform

Um Lösungen für den Bankensektor bemüht sich auch das FinTech NDGIT. Und wird dabei gleich auf drei Feldern tätig: Das Unternehmen schafft Lösungen zur Umsetzung der PSD2-Richtlinie der EU, die eine Öffnung von Banken in Richtung neuer externer Dienstleister vorschreibt. Es unterstützt Finanzdienstleister bei der digitalen Transformation und setzt dabei auf neue, branchenübergreifende, digitale Öko-Systeme.

Das Instrument dafür ist eine flexibel einsetzbare Open-Banking-Plattform, die das 2016 in Deutschland gegründete Unternehmen entwickelt hat. „Banken nutzen die NDGIT-Plattform für die effiziente Implementierung von PSD2, den Aufbau von Ecosystemen, Banking-as-a-Service für ihre digitalen Partner und die schnelle Bereitstellung innovativer Services über den NDGIT-Marktplatz an ihre Kunden“, erläutert Oliver Dlugosch, CEO von NDGIT, das weite Anwendungsspektrum.

Die Branche nimmt das Angebot offenbar gern an. Allein 2018 konnte NDGIT mehr als zwanzig Banken als Neukunden gewinnen. Insgesamt gehören mittlerweile über fünfzig Finanzdienstleister zum Kundenkreis des Unternehmens, darunter auch Schwergewichte wie die schweizerische UBS oder die Banco BNI Europa und ganz aktuell auch die BAWAG in Österreich. In der Schweiz hat NDGIT überdies 2017 gemeinsam mit der Hypothekarbank Lenzburg AG das erste Open-Banking-System der Schweiz implementiert und wurde dafür mit dem Euro Finance Tech Award 2017 ausgezeichnet. 2018 gewann die NDGIT API-Plattform mit der CEE Fintech Challenge den größten FinTech-Wettbewerb in Zentral- und Osteuropa.

Komfort für Online-Bezahler

Online-Anbieter mit Finanztechnologie zu unterstützen, ist auch ein Teil des Geschäfts von Wirecard. Als einer der führenden Innovationstreiber in diesem Bereich hat Wirecard zwei neue Anwendungen für die bewährten Shop-Systeme Magento 1 und Magento 2 gelauncht. Die Wirecard Shop Extensions erleichtern die Einbindung von Online-Shops in die digitale Financial- Commerce-Plattform von Wirecard. Die Vorteile für den Händler liegen dabei klar auf der Hand: Die Shop Extension lässt sich problemlos an die individuellen Bedürfnisse eines jeden Shops anpassen und Wirecard leistet, im Gegensatz zu anderen Anbietern, auch für individuelle angepasste Lösungen vollen Support.

Die erwähnten Anwendungen sind als Open Source auf der Entwicklerplattform GitHub öffentlich zugänglich. Mit ihrer Hilfe lassen sich auch alle auf die Zahlung folgenden Prozesse abbilden, wie die Erfassung der Aufträge, Rückerstattung oder Stornierung. Zudem können Händler kostenlose Testkonten ohne Registrierung und ohne jegliche Verpflichtung anlegen, um zu sehen, wie ihr Unternehmen von der Integration in die digitale Plattform von Wirecard profitieren würde. „Wir wollen noch mehr Unternehmen eine einfache Möglichkeit geben, von den Vorteilen unseres Angebots aus dem Financial Bereich zu profitieren“, erklärt Roland Toch, Managing Director CEE bei Wirecard.

Edge Computing kommt

Große Datenmengen, wie sie bei digitalem Zahlungsverkehr entstehen, rufen natürlich auch Spezialisten für Big Data Processing auf den Plan. Sie überlegen Konzepte und Architekturen, wie die heute noch weitgehend brachliegenden gigantischen Datenmengen in Zukunft optimal genutzt werden könnten. Ein Topthema dabei ist derzeit Fog bzw. Edge Computing.

Warum Edge Computing für Versicherer und Finanzdienstleister interessant sein kann, erläutert Axel Quitt, Big-Data-Experte von T-Systems: „Große Datenmengen in der Cloud aufzubereiten, benötigt viel Bandbreite und kostet damit viel Geld. Die Edge-Komponenten vor Ort priorisieren Information oder aggregieren diese für die Cloud. Das spart Bandbreite und sorgt dafür, dass wichtige Antworten vor Ort schnell umgesetzt werden. Je nach Anforderung kann man die Datenübertragung kostenoptimal gestalten.“

Ebenso wichtig wie eine Infrastruktur, die riesige Datenmengen verarbeiten kann, ist aber auch die Flexibilität in der Verarbeitung. Quitt rät daher Unternehmen, egal welcher Branche, dazu, auf offene Systeme zu setzen und mit Anbietern zusammenzuarbeiten, die bei Managed Services herstellerunabhängig agieren.