Logistik

Diese 5 Entwicklungen werden die City-Logistik prägen

Drohnen sind witzig, doch in der City-Logistik werden sie bedeutungslos bleiben. Für die drängenden Probleme der Versorgung in den Metropolen sind ganz andere Lösungen in Arbeit.

Entkoppelung der Lieferung von der Abholung: Packstation der Deutschen Post DHL in Frankfurt.

Die Ballungsräume wachsen, der E-Commerce nimmt massiv zu, die Umweltauflagen werden immer härter: Dass es in der City-Logistik nicht mehr lange weitergehen kann wie heute, ist Common Sense. Phantasien, die Städte künftig über Drohnen-Schwärme zu versorgen, können sich infolge technischer und vor allem juristischer Hindernisse nicht materialisieren. Stattdessen wird weltweit an Konzepten gearbeitet, die in ihrer Gesamtheit die Versorgung der Städte massiv verändern werden. Fünf Megatrends in der City-Logistik.

1 Autonom und klug

Autonomes Fahren und künstliche Intelligenz werden die City-Logistik verändern wie keine andere Entwicklung.

Die ganze Welt blickt auf Tesla und die Weiterentwicklung autonomer Pkw. Im Schatten des charismatischen Elon Musk läuft jedoch auch intensive Forschung am autonomen oder teil-autonomen Gütertransport. Auf mehreren europäischen Teststrecken sind bereits entsprechende Lkw unterwegs. Hier wie dort sind die technologischen Fragen ebenso schwierig zu lösen wie die juristisch-ethischen (Stichwort: Oma oder Kinderwagen), doch dass die autonomen Fahrzeuge auch in der City-Logistik anrollen, ist klar.

Vor kurzem verlautbarte etwa Zulieferer ZF eine Kooperation mit e.GO Mobile: Die beiden stellten den Prototypen eines autonomen „People ans Cargo Movers“ vor. Gleichzeitig arbeitet ZF an einer in Fahrzeuge integrierbaren Steuerbox, auf KI-Algorithmen ausgelegt und fähig, durch Kommunikation mit anderen Fahrzeugen und mit der Umgebung die Fahrzeugflotten im Sinne einer Schwarmintelligenz zu steuern. Die Verbindung von Autonomie und künstlicher Intelligenz hat das Potenzial zum Urknall in der City-Logistik. Wenn etwa Unternehmen wie die deutsche Digital-Spedition CargoNexx ihr Versprechen wahr machen, demnächst eine auf selbstlernenden Algorithmen basierende Disposition so zu verfeinern, dass Lkw dorthin geschickt werden, wo wahrscheinlich der Bedarf entstehen wird. Die Verbindung mit autonomem Transport wird die City-Logistik vorantreiben wie nichts zuvor.

Geforscht wird am autonomen Cargo-Transport übrigens auch in Wien: Die Universität für Bodenkultur und der Hafen Wien haben am Hafengelände den „Thinkport Vienna“ eingerichtet, eine Art Testlabor für diverse Entwicklungen in der City-Logistik. Zwischen dem In- und dem Out-Gate des Containerterminals soll hier eine Versuchsstrecke entstehen, auf der autonome Nutzfahrzeuge ihre Praxistauglichkeit beweisen. Angesichts der Größe und Heterogenität des Geländes können hier unterschiedlichste Bedingungen simuliert werden.

2 Unter Strom

Zulieferung in der Stadt wird nur noch elektrisch erfolgen (dürfen).

Der aktuelle Dieselskandal ist nur ein weiterer Mosaikstein. Längst ist klar, dass die Selbstzünder zumindest mittelfristig aus den Städten verschwinden werden. Das derzeitige Hauptproblem der Elektromobilität – die Reichweite – ist im städtischen Bereich relativ belanglos. Und ein Indiz spricht für eine sehr schnelle Entwicklung in diese Richtung: Sämtliche KEP-Dienste arbeiten sich am Thema ab.

Die österreichische Post ist bereits mit über 1.400 Elektrofahrzeugen im Land unterwegs, darunter Pkw, Scooter und sogar Quads. Post-Chef Georg Pölzl beklagte unlängst das überschaubare Angebot an elektrisch betriebenen Nutzfahrzeugen – die deutsche Post/DHL baut die Vehikel mittlerweile selbst: Die gemeinsam mit Ford entwickelten Streetscooter sollen in absehbarer Zeit helfen, die gesamte Paket- und Briefzustellung der deutschen Post auf E-Mobilität umzustellen. Im April kündigte das Unternehmen an, die Entwicklung massiv auszuweiten. Mit einem weiteren Standort sollen die Kapazitäten der Streetscooter-Produktion bis Ende 2017 auf rund 20.000 Einheiten verdoppelt werden. Im Vorbeigehen macht die deutsche Post damit ein neues Geschäftsfeld auf: Ältere Modelle des Streetscooters werden an Unternehmen und auch Kommunen weiterverkauft. Mit Mercedes-Benz Vans kooperiert unterdessen Hermes, ebenso DPD, in diesem Fall allerdings im Hybrid-Bereich. Eine Art Recycling-Gedanken verfolgt UPS: Das Unternehmen lässt schon seit einiger Zeit Teile seiner Sprinter-Flotte von Diesel- auf E-Antrieb umbauen. Ob elektrisch oder hybrid: Alternative Antriebe werden der City-Logistik sehr bald ein neues Gesicht geben.

3 Auf Abwegen

Nahversorgung wird auf ungewöhnliche Zeiten und Wege verlagert.

Als Einrichtungsriese Ikea kurz vor Weihnachten ankündigte, neben dem Wiener Westbahnhof eine Filiale eröffnen zu wollen, war nicht nur die Begeisterung der potenziellen Kunden groß. Das nebulös angekündigte spezielle Logistikkonzept führte auch zu Spekulationen, eine alte Idee könnte nun doch umgesetzt werden: der nächtliche Transport von Fracht in der U-Bahn. Und auch, wenn dies aus mehreren Gründen sehr unwahrscheinlich ist: Der Gedanke, die Versorgung der Stadt auf ungewöhnliche Zeiten und alternative Wege zu verlagern, ist ein wesentlicher Teil der Überlegungen in der City-Logistik. Die nächtliche Belieferung von Geschäften etwa, bislang vor allem aus Gründen des Lärmschutzes unmöglich, dürfte durch Elektromobilität einen Schub erfahren.

Parallel dazu gibt es immer wieder Versuche, etwa Busspuren für die Nahversorger zu öffnen. Transportunternehmer Davor Sertic, Obmann der Transport-Sparte der Wiener Wirtschaftskammer, trommelt die Idee schon seit Jahren und argumentiert, solche „Wirtschaftsspuren“ würden dank Verkürzung der Wege Emissionen vermindern, ohne dabei den Öffentlichen Verkehr zu behindern. Während er damit bei der Wiener Politik auf Granit beißt, zeitigen ähnliche Ansätze in der Stadt Salzburg bereits positive Folgen.

4 Ums Eck

Das Lager wird wieder näher an den Konsumenten rücken.

Das Bostoner Start-up ist gleich in zweierlei Hinsicht mutig. Die Idee, im Junk-Food-Paradies mit frischem Obst und Gemüse zu reüssieren, verbindet sich bei Takeoff mit dem Versprechen, das Gewünschte beim Händler abzuholen und binnen einer halben Stunde an die Haustüre zu liefern. Ein extrem kleines Zeitfenster, das nur auf der Basis dezentraler Quellen einzuhalten ist.

Der Trend ging viele Jahre lang nur in eine Richtung: Das Zentrallager war der Heilige Gral in der Frage der Effizienzmaximierung. Dass dieses Dogma bröckelt, ist nicht zuletzt eine Folge der Aktivitäten von Amazon, die den Gedanken der One-Hour-Delivery bei den Konsumenten verankerte. Wie in so vielen Bereichen folgt die Konkurrenz dem Riesen auch hier: Das Lager erlebt eine Re-Regionalisierung, Microcenters sprießen aus dem Boden. Für die Logistik bedeutet das ein teilweises Abrücken vom Dogma der maximalen Bündelung als Königsweg. Spannend wird diese Entwicklung auch im Zusammenhang mit der Frage freier Logistikflächen. Nicht zuletzt gerät die Brownfield-Nutzung immer stärker ins Blickfeld.

5 Allzeit bereit

Im B2C-Bereich werden Lieferung und Abholung entkoppelt.

Der Zwischenschritt ist längst etabliert: Pakete in Geschäften abzuholen, entkoppelt die Lieferung von der Abholung und hilft so, Rücksendungen und damit Emissionen zu vermeiden. Wie nicht zuletzt der Paketdienstleister-Test des INDUSTRIEMAGAZIN im vergangenen Sommer zeigte, ist das Procedere suboptimal. Neben wenig erbaulichen Erfahrungen in so manchem Partner-Shop bleibt auch die Abhängigkeit von Öffnungszeiten bestehen.

Befriedigender für alle Seiten und daher auch definitiv ein Teil der zukünftigen City-Logistik sind frei zugängliche Lösungen für Hinterlegung und Abholung. „Paketräume“ also, Zusteller-neutrale Boxen, für die gleichzeitig mit der Bestellbestätigung gleich ein Zutrittscode übermittelt wird. Auch an dieser Idee arbeitet der Thinkport Vienna. Im Pilotprojekt gemeinsam mit dem Selfstorage-Anbieter StoreMe werden derzeit nutzerfreundliche Web- und App-basierte Anwendungen entwickelt. Die Vision: Paketräume sollen in einem dichten Netz sowohl in Partner-Shops als auch in leer stehenden Geschäftslokalen und vor allem auch In-House in Wohnanlagen errichtet werden.

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