Interview

"Die werden das durchsetzen"

Warum die Preise der KEP-Dienste demnächst steigen könnten. WU-Logistik-Professor Sebastian Kummer im Interview.

Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der WU Wien.

INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Professor Kummer, beim KEP-Forum in der WU waren sich die Vertreter von Post, DHL, GLS und Hermes einig, dass sie derzeit kein Problem mit den Volumina haben. Die Preise in die Höhe zu bekommen, scheint allerdings schwierig.

Sebastian Kummer: Ja, die Transportpreise sind im KEP-Bereich in den vergangenen Jahren nicht gestiegen. Das liegt meiner Meinung nach vor allem daran, dass es immer noch Kapazitäten in den Depots gab. Die kommen mittlerweile allerdings an ihre Grenzen. Natürlich kann man, wie es die Post zuletzt getan hat, neue Depots bauen – aber das bringt wiederum sprungfixe Kosten.

Und die Touren selbst?

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Kummer: Die kommen gerade genauso an ihre Grenzen. Die Lkw sind voll, und neues Volumen führt hier kaum noch zu Produktivitätssteigerung. Eher sogar zu Mehrkosten, wenn man neue Fahrer einstellen muss – die man derzeit noch dazu nicht findet. Hinzu kommt ja, dass der Einsatz von mehr Lkw politisch und gesellschaftlich immer schwieriger durchsetzbar ist.

Hat der Einstieg von DHL in den Markt an den Preisen etwas verändert?

Kummer: Interessanterweise nicht. DHL hat ja vor zwei Jahren das Amazon-Volumen mitgebracht und auch neue Kapazitäten geschaffen. Erstaunlicherweise hat das die Preise nicht gedrückt, wie ich eigentlich erwartet hätte. Die Post konnte ihre Preise dennoch halten. Wenn die KEP-Dienste allerdings die Marge behalten wollen, dann müssen sie die Preise in die Höhe bekommen. Denn die Kosten steigen ja, und mittelfristig steigen dann immer auch die Preise. Ich erwarte also, dass sie das durchsetzen werden.

Und was passiert, wenn Amazon tatsächlich als Logistiker auf den Markt kommt?

Kummer: Dann wird es natürlich spannend. Die KEP-Dienste arbeiten ja allesamt mit Flatrates. Und klar ist: Die Distribution in Wien und den anderen Ballungsräumen ist viel günstiger als in der Fläche. Wenn also Amazon die günstige Distribution an sich zieht, dann bekommen die KEP-Dienste ein großes Problem. Denn dann verlieren sie die Pakete, die vom Kunden per Flatrate bezahlt wurden, die aber günstig zu produzieren sind – und damit verschlechtert sich die Kostenstruktur. Die Frage wird sein, wie viel Marktanteil Amazon gewinnen kann. Holen die große Volumina, wird es für die KEP-Dienste unangenehm.
(bf)

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