Lohnverhandlungen

Die Verhandlungen zum Metaller-KV gehen in die heiße Phase

Heute startet die dritte Runde der Verhandlungen für einen neuen Kollektivvertrag (KV) in der Metalltechnischen Industrie. Die Gewerkschaften wollen eine Gehaltserhöhung von 4,5 Prozent, die Arbeigeber seien zu einer „fairen“ Lohnerhöhung bereit.

Metallindustrie Metalltechnische Industrie Christian Knill

WKO-Obmann Christian Knill: "Der Abschwung ist real und mit freiem Auge zu erkennen"

Die Verhandlungen für einen neuen Kollektivvertrag (KV) in der Metalltechnischen Industrie mit rund 130.000 Beschäftigten gehen langsam in die heiße Phase. Heute steht die dritte Verhandlungsrunde am Programm. Bei Bedarf geht es gleich am Mittwoch mit der vierten Runde weiter. Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter liegen bei ihren Positionen derzeit aber noch weit auseinander.

"Der Abschwung ist real"

Die Vertreter der Metalltechnischen Industrie (FMTI) haben die Gewerkschaft bei den KV-Verhandlungen zu "Besonnenheit und Vernunft" aufgerufen. Die Konjunkturabschwächung in Deutschland und Österreich, der USA/EU-Handelsstreit, sinkende Auftragseingänge und eine ungünstige Lohnstückkostenentwicklung im Eurozonenvergleich würden der heimischen Metallindustrie zusetzen. "Der Abschwung ist real und mit freiem Auge zu erkennen", so der Obmann des WKÖ-Fachverbands Metalltechnische Industrie, Christian Knill, am Montag in einer Aussendung. Man müsse diese Entwicklungen im Auge behalten, "denn die Kosten des Abschlusses betreffen immer die Zukunft, nicht die Vergangenheit". Die Arbeitgeber wollen deswegen einen moderaten KV-Abschluss erreichen. "Wir sind zuversichtlich, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch heuer wieder eine faire Lohnerhöhung erhalten werden", so Knill.

"Beschäftigte müssen beteiligt werden

Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp wollen eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 4,5 Prozent beziehungsweise mindestens 100 Euro erreichen. "Es ist höchste Zeit für mehr Bewegung in den Verhandlungen", forderten die gewerkschaftlichen Chefverhandler Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA-djp) ebenfalls in einer Aussendung. "Wir wollen endlich Nägel mit Köpfen machen. Die Unternehmen haben im letzten Jahr außergewöhnlich gut verdient, jetzt müssen die Beschäftigten mit ordentlichen Lohn- und Gehaltserhöhungen am Erfolg beteiligt werden", so Wimmer und Dürtscher. Die Arbeitnehmervertreter drängen - wie bei den vergangenen Metaller-KV-Verhandlungen - auch auf Verbesserungen beim Kollektivvertrags-Rahmenrecht. Auf Wunsch der Arbeitnehmer soll eine 4-Tage-Woche möglich werden. Außerdem soll die 6. Urlaubswoche leichter erreichbar werden und Geld- in Zeitansprüche umgewandelt werden können.

White Paper zum Thema

Im vergangenen Jahr dauerte es sieben Verhandlungsrunden und einen Warnstreik bis sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter auf ein durchschnittliches Lohn- und Gehaltsplus von 3,5 Prozent einigten. Damals hatte die Arbeitszeitflexibilisierung der ÖVP/FPÖ-Regierung mit der Möglichkeit für einen 12-Stunden-Tag und eine 60-Stunden-Woche bei der Gewerkschaft für Aufregung gesorgt. Auch 2017 dauerten die Metaller-KV-Verhandlungen mit sechs Runden besonders lange. Schneller ging es mit vier Runden im Jahr 2016, 2015 brauchte man nur drei Verhandlungsrunden und 2014 waren es vier Runden.

Die Mitgliedsunternehmen des Fachverbands Metalltechnische Industrie haben rund 135.800 Beschäftigte, darunter sind rund 7.500 Mitarbeiter aus der Gießereiindustrie, die ihren Kollektivvertrag getrennt verhandeln, aber Teil des Fachverbands sind. Zu den größten Firmen der Branche zählen unter anderem der Anlagenbauer und Technologiekonzern Andritz, der Seilbahnhersteller Doppelmayr, der Beschlägehersteller Julius Blum und der Kranhersteller Palfinger. Zur Metalltechnischen Industrie gehören rund 1.200 Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau, Metallwaren und Gießerei. Die gesamte Metallindustrie in Österreich hat rund 195.000 Beschäftigte. (apa)