OMV

Die To-do-Liste des neuen OMV-Chefs

Der Kampf um die OMV-Führung spiegelt die aktuellen Schwierigkeiten des Konzerns auf dem Markt. Erster Auslöser des Streits war die Preisschere am Gasmarkt und die Verluste der Kraftwerkssparte. Die OMV hat aber viele Baustellen, denen sich der neue OMV-Chef stellen muss.

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OMV Mineralölindustrie
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Eckdaten: Die OMV ist das mit Abstand größte heimische Unternehmen und Nummer 44 Europas. Mit seinen knapp 26.900 Mitarbeitern erreichte der Konzern im Vorjahr einen Umsatz von 42,2 Milliarden Euro und einen Betriebsgewinn von 2,7 Milliarden Euro. Größte Anteilseigner sind die Verstaatlichtenholding ÖIAG mit 31,5 Prozent und Ipic, der Staatsfonds von Abu Dhabi, mit 24,9 Prozent. Den Arabern und der OMV gehört auch der Petrochemiehersteller Borealis: Die OMV hält 36 Prozent, Ipic die restlichen 64 Prozent.

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Eckdaten: Die OMV ist das mit Abstand größte heimische Unternehmen und Nummer 44 Europas. Mit seinen knapp 26.900 Mitarbeitern erreichte der Konzern im Vorjahr einen Umsatz von 42,2 Milliarden Euro und einen Betriebsgewinn von 2,7 Milliarden Euro. Größte Anteilseigner sind die Verstaatlichtenholding ÖIAG mit 31,5 Prozent und Ipic, der Staatsfonds von Abu Dhabi, mit 24,9 Prozent. Den Arabern und der OMV gehört auch der Petrochemiehersteller Borealis: Die OMV hält 36 Prozent, Ipic die restlichen 64 Prozent.

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Situation heute: Der Kampf um die OMV-Führung spiegelt die aktuellen Schwierigkeiten des Konzerns auf dem Markt. Erster Auslöser des Streits war die Preisschere am Gasmarkt und die Verluste der Kraftwerkssparte. Zugleich ist der Ölpreis seit Wochen in einem rasanten Fall, die Raffineriemargen unter Druck und mit Tankstellen ist kein Geschäft mehr zu machen.

 

Auf der anderen Seite stehen die Assets – die OMV ist ein integrierter Konzern mit eigener Förderung und eigenen großen Raffinerien. Genau deshalb kommt der Ölriese in seiner Gesamtheit besser durch stürmische Zeiten als andere. Viele Analysten, wie Günther Artner von der Erste Group, bleiben daher zuversichtlich: „Der Aktienkurs ist im Moment zu tief bewertet.“ Ende Oktober legte die OMV erste Zahlen für das dritte Quartal vor, die genau das bestätigen: Verdienst und Raffineriemargen steigen, die Produktion nimmt im Vergleich zum vorherigen Quartal um fünf Prozent zu und beträgt nun 311.000 Barrel Öl-Äquivalente (boe) pro Tag.

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Förderung: Der Löwenanteil in der OMV-Bilanz ist gar nicht der jüngste Streitauslöser Gas, sondern E&P, also Exploration und Produktion. Viele Jahre hat die OMV vor allem auf Öl aus Rumänien gesetzt. 2011 ruft Gerhard Roiss eine neue Strategie aus: Erdgas sei die Zukunft, und die OMV setze jetzt auf Nordafrika und den Raum von der Türkei über den Irak bis nach Aserbaidschan. Keine gute Idee. Der Arabische Frühling destabilisiert die gesamte Region. Zugleich bricht wegen billiger Kohle der Gaspreis ein. 2013 leitet der schwere Tanker OMV die nächste Wende ein.

 

Der Konzern zahlt der norwegischen Statoil 2,65 Milliarden Dollar für Anteile an vier Ölfeldern in der Nordsee. Die größte Investition in der Industriegeschichte Österreichs. Und ein radikaler Kurswechsel für die OMV: Weg aus Krisengebieten, hin in den stabilen, aber weit weniger lukrativen Norden Europas. Seit heuer fließt auch aus Libyen wieder Öl. Trotzdem ist für die OMV Norwegen mittlerweile das zweitwichtigste Förderland nach Rumänien. Bei der Exploration in der norwegischen See sind die Österreicher heute so gut aufgestellt wie kein anderes Unternehmen außer Statoil.

 

Seit April beteiligt sich die OMV an der Ausbeutung der Felder „Gullfaks“ und „Gudrun“, die Fördermenge nähert sich 40.000 boe pro Tag. Freilich bleibt die Förderung auf hoher See extrem teuer und risikoreich. Trotzdem sagt OMV-Sprecher Robert Lechner: „Diese Barrels sind mit überhaupt keinem Fragezeichen versehen.“

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Raffinerien: Die OMV hat Raffineriekapazitäten von 26 Millionen Tonnen – konzernweit ein wichtiger Posten und der Kern des zweitgrößten Geschäftsbereichs „Refining & Marketing“. Diesen Markt prägt der Ölpreis, und der ist seit Juni massiv auf Talfahrt. Die Nordseesorte Brent pendelt derzeit um die 85 Dollar pro Fass, über 20 Prozent weniger als vor drei Monaten. Für das Verkaufsgeschäft der OMV ist das einerseits schlecht.

 

Andererseits verbilligt sich die energieintensive Produktion in den Raffinerien in Schwechat und im rumänischen Petrobrazi – entsprechend haben sich die Raffineriemargen jetzt im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr mehr als vervierfacht. Ebenso wichtig für diesen Sektor ist auch der Dollarpreis. „Wenn der Dollar um zehn Cent steigt, bedeutet das einen Unterschied von rund 300 Millionen Euro im Ebit“, so OMV-Sprecher Lechner.

 

Die Aussichten: Rohstoffanalysten wie Giovanni Staunovo von der Schweizer Großbank UBS rechnen mittelfristig mit einem Anstieg des Ölpreises. Für die OMV wäre das kein Problem, so Erste-Analyst Artner: „Der Ölpreis ist auf einem Niveau, auf dem die OMV auch jetzt gutes Geld verdienen kann.“

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Tankstellen: Ein anderer Bereich des Sektors „Refining & Marketing“ sind die Tankstellen. Und anders als die Konkurrenz sind die Pläne der OMV gescheitert, mit dem einstigen Hoffnungsträger Geld zu verdienen: Das Tankstellennetz ist zu einem massiven Verlustgeschäft mutiert. Aber auch hier hat der Ölriese in den letzten Jahren eine Kehrtwende vollzogen.

 

OMV-Sprecher Lechner: „Die große Marktbereinigung ist erledigt.“ Heute verfügt der Konzern über ein Netz von knapp 4200 Tankstellen, die meisten davon in der Türkei und Rumänien. Weniger sollten es nicht werden, so Lechner: Für einen integrierten Energiekonzern sei ein gewisses Netzgröße extrem wichtig.

 

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Gas und Kraftwerke: Noch 2011 setzte Gerhard Roiss massiv auf Erdgas und ließ modernste Kraftwerke von Rumänien bis zur Türkei errichten. Ein schwerer Fehler: Der Preisverfall bei Kohle und Strom macht den Gashandel unrentabel und drängt Kraftwerke aus dem Markt. Ein anderes massives Problem für die OMV sind auch die teuren Langfristverträge mit Norwegern und der russischen Gazprom, die heimische Abnehmer im Würgegriff halten. Ihr Anteil ist ein streng gehütetes Geheimnis in der österreichischen Energiebranche.

 

Gegenüber dem INDUSTRIEMAGAZIN sagt ein leitender Energiemanager, dieser Anteil betrage 50 bis 60 Prozent am Gesamtbezug. Die OMV gehört zu den Opfern: Sie muss kaufen, während Gas am Spotmarkt immer billiger wird. Zwar wurden vor wenigen Wochen Preisnachlässe ausverhandelt – „die Zahlen lassen aber keine Erleichterung für die OMV erkennen“, so ein Analyst. Ein Trost: Die Sparte „Gas & Power“ ist schon heute im Vergleich zu den anderen winzig und soll ab 2015 aufgeteilt werden.

 

Überlegungen, wonach der arabische Fonds Ipic seine OMV-Anteile an Gazprom verkaufen könnte, halten viele Beobachter dagegen für Spekulation. „Für Ipic wäre der Verkauf geopolitisch von Nachteil, und ein Verkauf an Gazprom auch“, so ein Experte. Günther Artner von der Erste Bank kann ebenfalls keinerlei Anzeichen dafür erkennen. Gegen einen Verkauf spreche auch die derzeitige deutliche Unterbewertung der OMV-Aktie am Markt – was sich angesichts der derzeitigen Entwicklungen am Markt mittelfristig ändern dürfte.