Interview

„Die Themen der CeBIT waren nicht mehr von Belang“

Dirk Martin, CEO des Softwareherstellers Serviceware, trauert der CeBIT nicht nach – und blickt freudig auf die HMI.

Serviceware Software Cebit HMI

Sie werden dieses Jahr das erste Mal auf der Hannover Messe sein – warum?

Dirk Martin Die Hannover Messe ist die globale Plattform für alle Kernbereiche der Industrie. Wir als Anbieter von digitalen Servicelösungen treffen dort also exakt unsere Zielgruppe. Die meisten unserer Kunden stammen aus der Industrie. Und insgesamt wird das Thema Service für Unternehmen aus dieser Branche immer wichtiger.

Wären Sie auch ohne CeBIT-Absage auf die Messe gekommen?

Martin Wir haben uns bereits vor der Absage der CeBIT für die Hannover Messe entschieden. Denn wir mussten schon im letzten Jahr feststellen, dass das Publikum der CeBIT nicht mehr unserer Zielgruppe entspricht. Themen, die dort behandelt wurden, sind für IT-Entscheider nicht von Interesse – aber genau diese wollen wir als Serviceware ja erreichen. Die Entscheidung, eine zweite große Messe in diesem Jahr zu besuchen, fiel deshalb schon nach der letzten CeBIT und lange vor dem endgültigen Ende der Veranstaltung.

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Wie hat sich aus Ihrer Sicht die Hannover Messe verändert, warum ist sie interessant geworden?

Martin Das große Thema der Hannover Messe ist Digitalisierung. Industrie und IT verschmelzen heute immer mehr – und die Messe bringt diese beiden Themen sehr gut zusammen. Eine Trennung der beiden Bereiche entspricht heute nicht mehr dem, was Kunden fordern. Und da kommen wir ins Spiel: Denn digitale Lösungen zur Prozessoptimierung werden in allen Branchen immer relevanter und so auch in der Industrie. Die Digitalisierung und Automatisierung von Serviceprozessen in der IT, im HR und im Customer Service ist unsere Kernkompetenz. Deshalb finden uns Besucher auf der Hannover Messe auch im Bereich Digital Factory.

Ihr Produkt-Schwerpunkt ist das Servicegeschäft – kommt das Thema aus Ihrer Sicht in der KI- bzw. Digitalisierungs-Diskussion zu kurz?

Martin Wenn wir von KI und Digitalisierung sprechen, sind damit eigentlich immer Services gemeint – nur werden diese Themen selten als solche bezeichnet. Im Endeffekt geht es aber immer um Services. Aktuell gibt es beispielsweise zwei große KI-Themen: Chat Bots für einen schnelleren und zielgruppengerechteren Kundenservice und Predictive Maintenance für vorausschauende Instandhaltungsmaßnahmen. Beides sind KI-getriebene Servicethemen. Als einer der großen Serviceanbieter sehen wir allerdings, dass zwar viel über Künstliche Intelligenz gesprochen wird, aber oft die Use Cases fehlen. Das ist bei uns genau das Gegenteil. Wir beschäftigen uns seit über 20 Jahren mit dem Thema Optimierung von Serviceprozessen und greifen Trends immer frühzeitig in der Produktentwicklung auf. Demzufolge werden wir uns auch in den kommenden Jahren verstärkt mit dem Einsatz von KI beschäftigen.

Ihre Domain endet auf .se – das steht für Schweden, das Partnerland 2019, bei Ihnen für die Rechtsform – aber Sie sind in Schweden aktiv. Was können Unternehmen von Schweden lernen?

Martin Der schwedische Markt ist technologisch sehr fortschrittlich und auch die Digitalisierung ist in vielen Bereichen bereits deutlich intensiver spürbar. Aus diesem Grund ist Schweden sehr spannend für uns, weil die technologische Tiefe dort zudem eine ganz andere ist. Vor allem aber spielt das Thema Usability eine große Rolle. Beides zu kombinieren, ist entscheidend – und da ist Schweden eine der Vorreiternationen. In deutschen Unternehmen wird beides teilweise immer noch viel zu stark voneinander getrennt. Der Fokus liegt oft auf einem technisch gut funktionierenden Produkt und weniger auf dem, was der Kunde wirklich will. Serviceware hat bereits einige Use Cases geschaffen, in denen diese Kombination im Fokus steht. Wir wollen die Chance nutzen, schwedische Unternehmen von unseren Leistungen zu überzeugen und gemeinsam voneinander zu profitieren.