Hintergrund

Die Straße von Hormuz: Das Nadelöhr des weltweiten Ölhandels

Rund ein Drittel des auf dem Seeweg transportierten Erdöls wird durch die Seestraße zwischen dem Iran und dem Oman befördert. Eine Sperrung dieses strategisch wichtigen Nadelöhrs würde den Ölpreis in die Höhe treiben - mit katastrophalen Folgen für die Weltwirtschaft.

Irans Beschlagnahme des britischen Tankers "Stena Impero" in der Meerenge von Hormuz sorgt im Westen für große Besorgnis. Das liegt nicht zuletzt an der Bedeutung der Meerenge für den weltweiten Ölhandel. Rund ein Drittel des auf dem Seeweg transportierten Erdöls wird durch die Seestraße zwischen dem Iran und dem Oman befördert.

Eine Sperrung dieses strategisch wichtigen Nadelöhrs würde den Ölpreis in die Höhe treiben - mit katastrophalen Folgen für die Weltwirtschaft.

Angesichts des Streits um das internationale Atomabkommen mit dem Iran und der Wirtschaftsblockade der USA hat Teheran wiederholt gedroht, die Seestraße zu blockieren. Die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist nur 50 Kilometer breit. Auch wenn die iranische Marine der Weltmacht USA militärisch nicht gewachsen ist, wäre es nicht schwer für sie, eine Durchfahrt durch Seeminen zu blockieren.

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Die Meerenge von Hormuz ist schon seit Jahrhunderten eine wichtige Handelsroute. Auf den Inseln Hormuz und Keschm errichteten die Portugiesen im 16. Jahrhundert Festungen und Handelsstützpunkte. Heute sind die iranischen Inseln wegen ihrer dramatischen Felsformationen und Mangrovenwälder beliebte Touristenziele. Weitere Inseln in der Mitte der Seestraße sind zwischen dem Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten umstritten.

Seit Mai hat eine Reihe von Vorfällen die Spannungen in der Region verschärft. Am 20. Juni schossen die iranischen Revolutionsgarden eine US-Aufklärungsdrohne über der Straße von Hormuz ab. Der Vorfall brachte die beiden Länder an den Rand einer militärischen Konfrontation. Schon Anfang Mai hatten die USA einen Flugzeugträger in die Golfregion beordert.

Am Freitag beschlagnahmte dann der Iran den britischen Tanker "Stena Impero", der gegen "internationale Schifffahrtsregeln" verstoßen habe. Ein zweites Schiff wurde vorübergehend an der Weiterfahrt gehindert.

Angesichts der jüngsten Vorfälle kündigten die USA unlängst an, eine internationale Militärkoalition anzustreben zum Schutz von Öltankern in der Seestraße von Hormuz und der Meerenge Bab al-Mandab zwischen dem Roten und dem Arabischen Meer. Demnach sollen Öltanker von der jeweiligen Marine des Landes eskortiert werden, unter deren Flagge sie fahren. (afp/apa/red)