Ansichtssache

Die Schicksalswochen von Volkswagen

In den nächsten Tagen stehen bei Volkswagen ganz entscheidende Schritte an - Milliardenklagen und ein Ultimatum in den USA, die Bilanz und Anlegerklagen in Deutschland sowie neue Ergebnisse der Ermittlungen. Hier die Übersicht.

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Der weltweite Dieselskandal hat Volkswagen in den vergangenen Monaten heftig durcheinandergewirbelt. Gerade in den nächsten Tagen stehen bei Volkswagen ganz entscheidende Schritte an - hier eine Übersicht der wichtigsten Themen.

 

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Der weltweite Dieselskandal hat Volkswagen in den vergangenen Monaten heftig durcheinandergewirbelt. Gerade in den nächsten Tagen stehen bei Volkswagen ganz entscheidende Schritte an - hier eine Übersicht der wichtigsten Themen.

 

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Auf allen Ebenen des 600.000-Mitarbeiter-Konzerns ist die Nervosität spürbar - nicht nur am Band, wo Leiharbeiter um Jobs und Stammkräfte um die Zukunft bangen. Auch in den höchsten Etagen - Vorstand, Präsidium, Aufsichtsrat - haben die Dieselmanipulationen Spuren hinterlassen.

 

Im Bild eine Betriebsversammlung in Wolfsburg, am Stammsitz des Herstellers.

 

Folgend nun die zentralen Baustellen.

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RÜCKKÄUFE

 

VW ist seit Monaten auf der Suche nach einer technischen Umbaulösung für die manipulierten Dieselautos in den USA, die die US-Umweltbehörde EPA zufriedenstellt. Teil einer Einigung werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Rückkäufe. Die Frage ist: Wie viele der 580.000 manipulierten US-Diesel muss der Konzern zurücknehmen?

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Konzernchef Matthias Müller sagte Anfang des Jahres in Detroit, der Rückkauf von 100.000 Autos wäre eine denkbare Option - es ist aber nicht ausgeschlossen, dass VW alle betroffenen Diesel in den USA zurückkaufen muss, weil es keine technische Lösung gibt, um die Abgasvorgaben einzuhalten.

 

Setzt man in diesem Szenario zum Beispiel einen durchschnittlichen Wert von 20.000 Dollar (17.600 Euro) an, ergäben sich Kosten von 11,6 Mrd. Dollar.

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US-MILLIARDENKLAGE

 

Die nächste hohe Zahlung droht VW durch eine Zivilklage, die das US-Justizministerium einreichte. Wie berichtet fordert Washington einen Betrag, der bei einer Maximalstrafe bis zu 45 Milliarden Dollar reichen kann - plus eine Summe, die das Gericht festlegt. In dieser Klage wird wohl auch die anfänglich genannte Maximalstrafe von 18 Mrd. Dollar aufgehen.

 

Beides sind theoretische Werte, es gibt keine verlässlichen Schätzungen für die tatsächlichen Kosten. VW dürfte einen Vergleich anstreben.

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ULTIMATUM

 

Beim US-Bezirksrichter Charles Breyer sind die Milliardenklage und auch alle anderen US-Zivilklagen von der Finanzaufsicht FTC, Bundesstaaten, VW-Besitzern und Autohäusern gebündelt. Er ist deshalb ein sehr wichtiger Mann in der Frage, wie teuer der Abgas-Skandal für VW wird.

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Der Bezirksrichter Breyer hat dem Konzern und den Behörden ein Ultimatum bis zum 21. April gesetzt, eine Lösung für die manipulierten Dieselautos zu finden. Ansonsten will er bereits im Sommer mit dem Prozess beginnen.

 

Breyer fordert "spezifische und detaillierte" Vorschläge für einen Plan zur Umrüstung oder zum Rückkauf. Zuletzt betonte Breyer, dass seine Geduld begrenzt sei - und sagtee auch ganz offen, dass er die Fahrzeuge nicht länger auf US-Straßen sehen will. Gemeint sind offenbar die von den Manipulationen betroffenen Fahrzeuge.

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KOSTENSCHÄTZUNG

 

Spätestens bis zur Bilanz-Pressekonferenz am 28. April sollte VW Klarheit haben, wie viel Geld für drohende Strafen zurückgelegt werden muss. Davon hängt wiederum indirekt ab, wie hart die Wolfsburger sparen müssen und wie viele Stellen dies womöglich kostet.

 

Auch die Dividende für Großaktionäre wie die Porsche SE, den Staatsfonds aus Katar und das Land Niedersachsen ist in Gefahr.

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Katar ist der grittgrößte Aktionär bei Volkswagen und gilt als loyal - doch in den vergangenen Tagen gab es offenbar immer häufiger Ärger mit den Scheichs. Berichten zufolge fordern sie eine direkte Beteiligung an den Schaltstellen des Konzernriesen.

 

Mehr zu diesem Thema auf INDUSTRIEMAGAZIN.at: Bei VW steigt die Nervosität wegen des Großaktionärs Katar >>

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BILANZ

 

Anleger dürften diesmal neben Umsatz und Gewinn vor allem die Kapitalstärke im Auge haben. Wie viel Bargeld hat der Konzern, wie viel Cash fließt aus dem laufenden Geschäft nach Wolfsburg?

 

Bei der Netto-Liquidität - also dem Bargeldbestand abzüglich Schulden - gelten 20 Mrd. Euro bei VW als magische Grenze, die nicht unterschritten werden sollte. Ansonsten könnte das Folgen für die Kreditwürdigkeit haben. Geld zu leihen, wäre für VW dann noch teurer.

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STAND DER ERMITTLUNGEN

 

Im April soll der Zwischenbericht zu den internen Ermittlungen im Abgas-Skandal vorgestellt werden. Die Kanzlei Jones Day hat bei VW Schriftstücke, Mails und Telefondaten ausgewertet sowie Mitarbeiter verhört.

 

Die Frage, wer von den Manipulationen wusste, ist auch entscheidend für die Klagen gegen VW und für strafrechtliche Ermittlungen gegen Einzelpersonen.

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Wenn die Ermittler keine Verantwortlichen auf der Ebene des Konzernvorstands finden, wäre das gut für VW. Andernfalls wäre es mit Blick auf alle möglichen Zivilklagen sehr ungünstig, weil das Handeln des Vorstands von Gerichten oft als Handeln des Unternehmens ausgelegt wird - und dann kann es teuer werden.

 

Mehr dazu unter:

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ANLEGERKLAGE

 

Die Klagen von Anlegern, die ihre Aktienkursverluste von VW ersetzt haben wollen, liegen beim Landgericht Braunschweig. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird bald eine Musterklage zugelassen, deren Urteil auf andere Fälle übertragen werden könnte. Anfang April lagen dem Landgericht zufolge über 80 einzelne Klagen vor.

 

Hier auf INDUSTRIEMAGAZIN.at finden Sie eine Übersicht aller aktuellen Meldungen zur Abgaskrise bei Volkswagen >>

 

(Von Felix Frieler / dpa-AFX / APA / red)