Interview

"Die Mannschaft ist heiß drauf"

Christoph Schröder, seit November Chef des BMW-Motorenwerks in Steyr, über kontinuierliche Verbesserung, Investitionen in Antriebstechnologien und Autoträume aus Genf.

Automobilindustrie Zulieferindustrie BMW Group Steyr Christoph Schröder

Herr Schröder, Sie kommen vom BMW Group Werk Regensburg, wo kürzlich der siebenmillionste Wagen vom Band ging. Auch in Steyr, dem weltweit größten Motorenwerk der BMW Group, geht man gern auf Rekordjagd. Brauchen Sie den Druck?


Christoph Schröder Wenn Sie fragen, ob ich lieber einen schlecht oder gut funktionierenden Betrieb übernehme, dann selbstverständlich zweiteres. Das Werk Steyr ist eine gut geölte Maschine mit sehr kompetenten Mitarbeitern. Und die Grundhaltung, Dinge weiterentwickeln zu wollen, ist stark ausgeprägt. Ich ziehe die Analogie zum Fußball. Das Werk Steyr spielt in der Champions League. Und wir haben hier eine Mannschaft, die auch bereit ist, eine sehr gut funktionierende Taktik durch eine noch bessere zu ersetzen.

Braucht es denn eine Taktikänderung?


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Schröder Es gibt überhaupt keinen Grund, in die Speichen zu greifen. Wir müssen weiter an unserer Flexibilität arbeiten: Ich will Mitarbeiter noch stärker in den kontinuierlichen Verbesserungsprozess holen. Und die Chancen, die uns die Digitalisierung bietet, wollen wir nutzen. Die Mannschaft ist schon ganz heiß darauf!

Sie sind 1993 als Trainee bei BMW eingestiegen. Damals wurden KVP- und Lean-Ansätze gerade groß.

Schröder Da hat sich viel weiterentwickelt – bei der Ausbildung, den Mitarbeiter-Trainings, den Technologien und der Vereinheitlichung über die Konzernstandorte hinweg. 2011 vereinheitlichte der Konzern weltweit die Arbeitsorganisation. Auch ein gemeinsames BMW-Produktionssystem und eine einheitliche Qualitätsstrategie haben wir längst aufgesetzt. Bei uns hält sich der Spruch: Einmal gedacht, an vier Motoren-Produktionsstandorten gemacht. Hat ein Standort in einem Bereich mal die Nase vorn, übernehmen wir nach Möglichkeit das Konzept.

Lean-Berater haben es in Steyr also eher schwer ...


Schröder Es sind zunehmend weniger Berater bei uns im Haus. Die Prozesse sind eingespielt und auf sehr hohem Niveau. Wir fahren Big-Data-Analysen, nutzen digitale Boards. Und mit der App am Smartphone kommunizieren wir linienübergreifend.

Klingt nach einem perfektionierten System.


Schröder Es gibt immer was zu verbessern. Nehmen wir als Beispiel die Logistik: Derzeit ist im Hochregallager eine sechste Gasse im Entstehen und wir schaffen einen werksinternen Bahnübergang. Zudem analysieren wir weiter die Verkehrssituation im Sinne der Anrainer und Mitarbeiter und überprüfen die In- und Outbound-Wertströme auf Verbesserungspotenzial.

Als Produktionsstandort für Dieselmotoren gibt es am Standort Steyr ein Bekenntnis zum Diesel. Wie reagiert man auf den in Bewegung geratenen Markt für Antriebslösungen?

Schröder Wir treiben das Antriebskapitel in allen Facetten voran. Alleine im letzten Jahr haben wir rund 400 Millionen Euro am Standort investiert, um uns für die Zukunft des Antriebs erfolgreich aufzustellen. Der Verbrennungsmotor wird noch auf lange Sicht die vorherrschende Antriebsform sein. Wir sind auf weiteres Wachstum gut vorbereitet und investieren in neue Motorengenerationen. Daneben hält die Elektromobilität in allen Bereichen mit ersten Schritten Einzug in unser Werk. Im Juni 2020 beginnt im Werk die Fertigung von Zentralgehäusen für die fünfte Generation unserer Elektroantriebe. Dazu startet im ersten Quartal 2019 der Aufbau einer Fertigungslinie, in der fünf verschiedene Gehäusetypen bearbeitet werden. In mehreren Ausbaustufen wird die Kapazität bis 2026 auf bis zu 460.000 Einheiten pro Jahr gesteigert. Auf unserem Baukasten-Montageband produzieren wir schon heute zwei Drittel aller Motoren für Hybridantriebe. Auch im Entwicklungszentrum gibt es bereits erste Ansätze, künftig Umfänge für e-Antriebe, wie die Entwicklung von Kühlkreisläufen oder Konstruktionen für Komponenten, zu übernehmen.

Nach vielen Jahren in Deutschland: Haben Sie sich schon mit der österreichischen Lebensart angefreundet?

Schröder Ich bin ja selbst beinahe halber Österreicher. Mein Vater stammt aus der Region Chiemsee, damit verbrachte ich auch viel Zeit in Österreich. Ich mag die Österreicher und ihre Lebensart sehr.

Abschlussfrage: Am Genfer Autosalon zeigte BMW den Edelsportwagen M8 Gran Coupé. Wie finden Sie den Wagen?

Schröder Ein absolut emotionales Superauto. Leider habe ich immer viel zu transportieren. Insofern passt der 540er Diesel besser zu mir. Der neue 5er ist zudem auch das wichtigste Auto für Österreichs Wirtschaft: Er wird neben unserem Fahrzeugwerk in Dingolfing auch bei Magna in Graz hergestellt, mehr als die Hälfte der Motoren dafür kommt aus unserem Werk.

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