Logistik

Die Logistik-Strategie Oberösterreichs

Von der Warenverteilung über Supply-Chain-Management bis hin zu den visionären Ansätzen der Logistik 4.0: Ohne innovative und leistungsfähige Logistik wäre Oberösterreichs Industrie weit weniger erfolgreich.

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Christian Strasser, Geschäftsführer der Sparte Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer Oberösterreich, findet beinahe überschwängliche Worte: "Der Wirtschaftsraum ist erfolgreich. Oberösterreich ist nicht nur Industrieland Nr. 1 in Österreich, sondern auch Logistik-Bundesland Nr. 1, was das Volumen angeht."

Allein im Warenexport trägt Oberösterreich ein Viertel zur gesamten österreichischen Bilanz bei. 2014 lag der Wert des Ausfuhrvolumens bei über 31 Milliarden Euro. Der Handelsbilanzüberschuss brachte dem Bundesland 8,3 Milliarden ein. Die dahinterstehenden Erzeugnisse wollen transportiert werden, die komplexen Warenströme organisiert sein. Innovative Logistikkonzepte und adäquat gestaltete Supply-Chains sind in jeder Wirtschaftslage ein klares Differenzierungsmerkmal gegenüber dem Wettbewerb. Logistik ist das Rückgrat der erfolgreichen oberösterreichischen Wirtschaft. 

Gestaltende Branche

Logistik als Disziplin ist ein gestaltendes Element, der Begriff wird allerdings oft synonym für viel Unterschiedliches verwendet, von der Warenverteilung über Supply-Chain-Management bis hin zu den visionären Ansätzen der Logistik 4.0. Die einzelnen Abgrenzungen sind selbst in der Wissenschaft nicht immer eindeutig. Jener Teil der Businesskette, der in und für Oberösterreich für den Warenumschlag sorgt, ist hart umkämpft. "Die Situation ist noch schwieriger geworden, seit sich viele ausländische Unternehmen auf unseren Inlandsmarkt zuwenden, weil es im Fernverkehr unattraktiv wird", schildert Strasser die aktuelle Situation der Branche. Schwieriger, aber ohne Pessimismus: "Unsere Logistiker sind anerkannt gut unterwegs, denn als Kunde habe ich die Verlässlichkeit auf meiner Seite. Es gilt, was bei den Standort-Rankings immer wieder herauskommt: Das Personal ist unsere Stärke!"

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Dennoch plagt die ganze Branche heftige Nachwuchssorgen. Eine Berufswahl in diesem Umfeld steht für wenige oben auf der Liste. Gerade nicht in Oberösterreich, denn dazu stehe die Industrie zu sehr im Vordergrund, sagt Strasser. Umso erfreulicher, und für zahlreiche Branchenfüchse überraschend, war die Resonanz auf eine im März erstmals mit dem AMS organisierte Jobbörse. Dort boten 54 Unternehmen 250 freie Arbeitsplätze an. 500 von 2.000 angeschriebenen Arbeitssuchenden aus dem Großraum Wels-Linz-Steyr erschienen. Strasser: "Es kamen sehr viele Jobanbahnungen zustande. Zum Teil wurden
Jobs noch am selben Tag vereinbart."

Dichtes Netz

Nächste Schritte sind bereits in Vorbereitung, mit denen die oberösterreichische Transport- und Logistikbranche zum einen an der Attraktivität feilt, zum anderen den Fachverstand der Mitarbeiter schärft. Dazu holten sie sich Partner aus dem universitären Bereich. Mit dem Logistikum in Steyr ist eine Studie in Arbeit, die im Juni vorgestellt wird. Darin wird klar aufgezeigt, wie die Berufsfelder weiterentwickelt werden müssen. Ein anderes, von der EU und der Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstütztes Projekt lautet "Smart Logistics". Hier geht es um eine neue Seminarreihe, die zum Schlagwort "4.0" im Herbst ins Leben gerufen werden soll. Zuerst für Praktiker in KMUs, in einer zweiten Phase dann für Praktiker aus den großen Betrieben.

Das Netz an universitären Einrichtungen, die zu Logistik forschen und lehren, aber auch als Töchter und Spin-offs einschlägige Dienstleistungen anbieten, ist in Österreich nirgendwo so dicht geknüpft wie in Oberösterreich. Die Johannes Kepler Universität verfügt über ein eigenes Institut für Produktions- und Logistikmanagement, das Logistikum in Steyr ist die Forschungs- und Bildungseinrichtung der FH OÖ in dieser Disziplin. Steyr bietet Studenten mehrere Studiengänge an, Unternehmen und Forschungspartnern steht ein breites Leistungsangebot für professionelle Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte offen. Die Fachhochschule Steyr ist zum Thema global mit Hochschulen vernetzt, bespielt internationale Konferenzen und sorgt so für den Wissenstransfer von und nach Oberösterreich. Die FH Hagenberg wiederum bildet mit ihrem Informatik-Schwerpunkt den Nachwuchs für jenen Bereich in der Logistik heran, wo sich IT und Prozesssteuerung treffen. Auf diesem Gebiet spielt auch die RISC-Software GmbH ihre Karten aus. Sie ist ein etabliertes IT-Dienstleistungsunternehmen, das zu 80 Prozent im Eigentum der Johannes Kepler Universität Linz und zu 20 Prozent im Eigentum der Upper Austrian Research GmbH steht. Der Bereich "Logistics Informatics" hilft bei der Entwicklung, Planung, Verbesserung oder Neugestaltung der IT-Unterstützung von Logistikprozessen und versteht sich als maßgeblicher Entwicklungspartner individuell angepasster Lösungen.

Schulterschluss

Der Schulterschluss von Wirtschaft, Forschung und Bildung ist einzigartig in Österreich. Belege für die fruchtbare Zusammenarbeit gibt es zuhauf. Nur ein Beispiel auf dem speziellen Gebiet der Fahzeuglogisitik: Für das Schwertberger Familienunternehmen Hödlmayr entwickelte die JKU ein originäres Logistikkonzept, das nach dem Prinzip des "Internet der Dinge" funktioniert. Der Standort und die Verfasstheit aller am System Beteiligten, ob Fahrzeugflotte, die zu transportierenden Fahrzeuge oder die Fahrer, sind dabei jederzeit feststellbar und werden optimal gesteuert. 

Die Wurzeln des Begriffs Logistik liegen im altgriechischen Wort logistikē "praktische Rechenkunst", im Französischen wurde daraus logistique, gleichzusetzen mit "Nachschub". Dieses Bewegen von Gütern (freilich auch Personen) von A nach B setzt eine adäquate Infrastruktur voraus. Wenn nicht gerade, wie noch bis 5. November, die Steyregger Brücke in Linz teilweise gesperrt ist und die ohnehin labile Verkehrssituation im Großraum Linz zusätzlich verschärft, hält sie im Großen und Ganzen auch den Anforderungen stand. In den vergangenen Jahren entwickelten sich ganze Regionen wie Vorchdorf zu Logistikräumen – überhaupt sind an der Westachse Oberösterreichs überdurchschnittlich viele Logistikdienstleister angesiedelt. Das Cargo-Zentrum am Flughafen, der ausgebaute Ennshafen, der Hafen Linz als größter Binnenhafen entlang der Donau, sie alle profitieren vom starken Industriestandort – und umgekehrt. Eines bedingt das andere. 

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