Teil 4: H.P. Moser, Frauenthal - der Konfrontative

Sie sind die Zukunft der Industrie, aber sie sind selten: Nur 39 der 500 einflussreichsten Industriemanager sind unter 45. Wie führt, wie entscheidet und motiviert die Generation U45 in den heimischen Vorständen?

Vom Schlag des Konfrontativen. Wenn Anette Klinger den Prototyp der ausgleichenden Führungskraft darstellt, dann ist Hans-Peter Moser, 43 vom Schlage des Konfrontativen. Der Sohn eines Försters und einer Hausfrau, von dem durchaus auch lautstarke Konfrontationen überliefert sind, ist seit Oktober vergangenen Jahres Vorstand der Automotive Division des Zulieferers Frauenthal Holding. Für die Aufgabe, vor der Moser beim LKW-Zulieferer (Katalysatoren und Nutzfahrzeugfedern) steht, ist sein Charakter wie maßgeschneidert: Die europäische LKW-Produktion ist in den vergangenen Monaten um zwei Drittel geschrumpft. Frauenthal musste einen Umsatzrückgang von 64 Prozent hinnehmen. Der Mann, der keinen Konfrontationen aus dem Weg geht („Ich war nie jemand für die zweite Reihe, ich habe immer die Fahne getragen“) musste in den letzten zwölf Monaten fast 30 Prozent der Mitarbeiter (insgesamt 1100 Personen) abbauen, hat zwei Standorte (in Deutschland und in Serbien) verkauft, und schließt gerade ein Werk in Frankreich – dem Land, vor dessen Gewerkschaftskultur ganze Vorstandsetagen zittern.

Reibefläche. Solche Aufgaben erfordern einen eigenen Schlag Mensch, wie auch Moser eingesteht. „Ich brauche unterschiedliche Charaktere, an denen ich mich reiben kann. Ja-Sager haben in meiner Umgebung nichts verloren“ sagt der Anfangvierziger. Moser (Eigendefinition: „berechenbar, extrem direkt, vielleicht zu vertrauensvoll“) mit seiner Strategie zwar umstritten, aber ziemlich erfolgreich ist, konzedieren auch heimische Mitarbeiter. Auch weil er – der sich regelmässig in den Werken sehen lässt und freiwillig auf einen Teil seines Gehaltes verzichtet hat – durchaus authentisch erscheint.
Dabei ist er gar nicht als Troubleshooter ins Unternehmen gekommen: Als käufmännischer Leiter der Tschibo/Eduscho-Kette in Österreich wurden die Haupteigentümer der Frauenthal-Gruppe 2001 auf den gelernten Steuerberater aufmerksam. Er sollte, so der Plan, für die Expansion der Frauenthal-Gruppe Unternehmen identifizieren, die eine gewisse Marktposition, Verbesserungspotential und behebbare Defizite aufweisen – und diese dann für die Gruppe erwerben, sanieren und integrieren.

Meisterwerk. Sein Meisterwerk, das gestehen auch Mitbewerber ein, legte er mit dem Kauf der drei Sanitärgrosshändler Pinguin, Hoffmann und Röhrich hin. Die Betriebe wurden als SHT Haustechnik AG, restrukturiert und neu aufgestellt. „In diesem Bereich habe ich jetzt zwei hervorragende Vorstandskollegen, da sind derzeit keine offenen Fronten mehr, daher kann ich mich auch voll der Automotive Sparte widmen“ sagt Moser.
Auf die Frage, wo er sich in zehn Jahren sieht, kommt zu allererst gar keine Antwort. Nach einiger Überlegung, dann: „Auf einer Schihütte, in der Sonne, mit meiner Frau und meinen drei Kindern.“ Und was, wenn ihm diese drei Kinder dort vermittelten, dass sie weder studieren, noch eine Karriere wie die seinige machen wollten? Die Antwort kommt plötzlich wie aus der Pistole geschossen: „Was meine Kinder beruflich machen, ist völlig gleichgültig – soferne sie es aus Überzeugung machen und glücklich dabei sind.“ Wie sagte schon der (dem Automobilmanager Moser sicherlich nicht unbekannte) Erfinder und Forschungschef von General Motors Charles F. Kettering in den 30er Jahren: Glück ist meist nur ein Sammelname für Tüchtigkeit, Fleiß und Beharrlichkeit.

Verwandte tecfindr-Einträge