Elektroindustrie

"Die industrielle Logik muss da sein" - ABB-Chef Spiesshofer im Interview

Im Interview mit dem INDUSTRIEMAGAZIN erklärt Ulrich Spiesshofer, warum ABB kein "Weißer Ritter" für den Roboterhersteller Kuka sein will, wie sich die Zusammenarbeit mit der Autoindustrie verändert, und warum mit der Digitalisierung Teile der Produktion nach Europa zurückkehren könnten.

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INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Spiesshofer, in den letzten Tagen waren Sie in den Schlagzeilen, weil Sie einerseits die Robotik als eine Geschäftsperle der ABB bezeichnet haben, und andererseits betont haben, dass Sie wieder die Möglichkeit für größere Übernahmen hätten. Werden das Übernahmen von Roboterherstellern sein?

Ulrich Spiesshofer: Der Robotermarkt wächst explosiv. Es ist einer der weltweit am schnellsten wachsenden Märkte im B2B-Industriebereich. Wir hatten in der Sparte bis 2009 Probleme, danach haben wir die Sparte komplett umgebaut, eine neue Strategie ausgearbeitet und implementiert und sind inzwischen hervorragend unterwegs. Heute sind wir weltweit einer der drei größten Hersteller in diesem Bereich. Wir haben die weltweite größte installierte Basis mit 300’000 Robotern.

Und wir werden weiter in die Robotik investieren. Zuletzt haben wir ein paar kleinere Akquisitionen gemacht, in Schweden oder in München im Bereich der Raumfahrttechnik. Aber bei größeren Schritten müssen drei Dinge zutreffen: Das Unternehmen muss zu ABB passen. Es muss eine industrielle Logik da sein. Und ich muss einen Mehrwert für meine Aktionäre schaffen können. Zudem darf die Integration nicht zu komplex sein.

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ABB wurde zuletzt als ein möglicher „Weißer Ritter“ des Augsburger Roboterherstellers Kuka gehandelt. Die Kriterien, die Sie nennen, treffen auf Kuka zu. Werden Sie bei Kuka einsteigen?

Spiesshofer: Marktgerüchte kommentieren wir nicht. Wir halten uns strikt an unsere Kriterien und bleiben diszipliniert.

Also Sie steigen nicht ein - weil es zu teuer ist.

Spiesshofer: Ich gebe ihnen ein Beispiel aus der Vergangenheit, was wir mit diszipliniert meinen. Emerson Electric hatte in England für Chloride geboten, einen Spezialisten für unterbrechungsfreie Stromversorgung. Wir wurden damals von der Konzernführung von Chloride als Weißer Ritter gerufen. Wir haben die Übernahme geprüft und auch ein Gebot abgegeben.

Aber dann kam Emerson zurück und hat einen sogenannten blow out bid gemacht, also den Preis massiv hochgezogen. Wir hatten ja alles fertig verhandelt und hätten nur mitziehen müssen. Aber wir haben gesagt: Zu dem Preis machen wir das nicht. Die industrielle Logik wäre da gewesen, aber vom Wert her hätte das nicht funktioniert. Wenn die Bewertung nicht passt oder die Gesamtsituation extrem komplex ist, dann machen wir lieber etwas anderes mit unserem Kapital.

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