Interview

"Gut ist besser. Sogar sehr oft!"

Michael Schaller berät Firmen bei der Umsetzung von CSR-Maßnahmen. Er ist überzeugt: Es gibt sie, die Fälle, wo die Guten auch ökonomisch die Besseren sind. Sogar recht oft.

Von &
Studie

Die Zürcher Ökonomin und Soziologin Katja Rost hat neulich eine Studie zu CSR veröffentlicht, in der sie nachweist, dass CSR-Aktivitäten keinen positiven Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen haben. Überrascht? 
Michael Schaller Sich nur auf den monetären Aspekt zu fixieren, ist ohnehin falsch. Ich denke, Unternehmen, die CSR bloß deshalb machen, weil sie sich davon einen zusätzlichen kurzfristigen Gewinn erhoffen, haben das Konzept nicht verstanden. Denn bei CSR geht es vor allem um Verantwortung. Allerdings bin ich überzeugt, dass soziale und ökologische Verantwortung zu übernehmen, sich sehr positiv auf den Erfolg eines Unternehmens auswirken kann. 

Hätten Sie ein Beispiel?
Schaller Nehmen Sie die Zweite Sparkasse, die von der Erste Bank gegründet wurde, um Menschen den Zugang zum Zahlungsverkehr zu ermöglichen, die, warum auch immer, kein Girokonto bei einer konventionellen Bank bekommen. Das ist ein wirklich wichtiges soziales Projekt, bei dem die Mitarbeiter begeistert mitmachen, indem sie hier ehrenamtlich ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Da geht es definitiv nicht um die Generierung von Gewinnen und trotzdem hat das Unternehmen einen Zusatznutzen davon, weil es Impulse für das eigene Geschäftsmodell und ein Imageplus bekommt.

Mit Imageplus wird ja bei CSR gern argumentiert. Dummerweise lassen sich solche Effekte aber kaum in Zahlen fassen.
Schaller Dann nehmen Sie ein anderes Beispiel: Wenn ein Unternehmen wie zum Beispiel AT&S in allen seinen Werken in der Welt die gleichen Produktionsstandards einführt, dann profitieren davon die Umwelt und auch die Mitarbeiter, weil ja dann automatisch die strengeren europäischen Vorgaben gelten. Zugleich erleichtert das aber die Integration des Unternehmens ungemein, die Wertschöpfungskette wird vereinfacht und diesen Gewinn können Sie dann schon ganz exakt in Zahlen ausdrücken.

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Trotzdem ist vieles, worüber in Zusammenhang mit CSR gesprochen wird, eher moralischer Natur. Die Frage, nur um ein Beispiel zu nennen, ob neue Kraftwerke im Dschungel berechtigt sind oder nicht, lassen sich nicht mit Kennzahlen beantworten.
Schaller Das stimmt. Es gibt sicher Fälle, wo eine eindeutige Antwort schwierig ist. Was wiegt schwerer – die Vermeidung von CO2-Emissionen durch den Ausbau von Wasserkraft oder die unwiederbringliche Zerstörung von Urwald? Da muss dann eben jeder für sich entscheiden. Aber auch in solchen Fällen habe ich Spielraum: als Mitarbeiter, indem ich für mich ganz bewusst entscheide, ob ich in einem konkreten Unternehmen arbeiten will, als Aktionär, indem ich die Aktien eines konkreten Unternehmens kaufe oder nicht und auch als Manager, indem ich bestimme Dinge tue und andere unterlasse.

Michael Schaller ist Gründer von sustainable – Agentur für Nachhaltigkeit in Graz.