Abfallwirtschaft

Die Berge von Elektroschrott werden jedes Jahr größer

Produziert, kassiert, benutzt und weg damit: Die Volumina von Elektroschrott erreichen inzwischen gigantische Ausmaße. Die immer weiter schrumpfende, sehr kurze Lebensdauer wird von der Industrie diktiert. Eine gigantische Verschwendung von Ressourcen - darunter auch von wertvollen Rohstoffen wie Gold, Silber, Kupfer, Platin und Palladium.

Der Berg an Elektroschrott wird immer höher. Weltweit sind nach Einschätzung der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) im vergangenen Jahr 44,7 Millionen Tonnen angefallen, bis 2021 werden es 52,2 Millionen Tonnen sein. Damit verbunden seien wachsende Umwelt- und Gesundheitsrisiken wegen der oft fahrlässigen und falschen Deponierung, teilte die UN-Sonderorganisation in Genf mit.

Schöne Ziele auf dem Papier, Müllberge in der Realität

Nur 20 Prozent des Abfalls aus ausrangierten Handys, Laptops, Fernsehern und Kühlschränken würden aktuell wiederverwertet. Dabei seien die Bestandteile der Elektronikgeräte äußerst wertvoll.

Der Wert von Gold, Silber, Kupfer, Platin und Palladium aus den Geräten summiert sich laut ITU schätzungsweise auf 55 Mrd. Dollar (46,74 Mrd. Euro). "Das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt der meisten Staaten der Welt." Immerhin gebe es Fortschritte bei der Gesetzgebung in Sachen Elektroschrott: 67 Staaten hätten nun Vorschriften zum Umgang mit dieser Art Müll. Das sei ein Plus von 44 Prozent gegenüber 2014.

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Die Situation in Deutschland beurteilte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisch. Die EU-Vorgabe einer Sammelquote von 45 Prozent für 2016 werde nach vorläufigen Erkenntnissen mit 40 Prozent verfehlt, sagte der DUH-Experte für Kreislaufwirtschaft, Philipp Sommer. "Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass die EU-Vorgabe von 65 Prozent für das Jahr 2019 erreicht wird." Es drohe ein Vertragsverletzungsverfahren der EU, das von der Umwelthilfe auch selbst angestrengt werden würde.

Deutschland habe die EU-Richtlinien nur halbherzig umgesetzt, sagte der Experte weiter. So seien nur große Elektronikgeschäfte zur Rücknahme von Altgeräten verpflichtet, aber nicht die Diskonter, kritisierte Sommer. Auch werde von vielen Händlern nur sehr zurückhaltend darauf hingewiesen, dass Elektroschrott zurückgenommen werde. "Da gibt es dann ein postkartengroßes Schild mit kaum leserlichem grauem Text auf weißem Grund", meinte Sommer.

Insgesamt fallen allein in Deutschland pro Jahr nach Angaben der Umwelthilfe 1,6 bis 2 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Laut Umweltbundesamt wurden 2015 rund 720.000 Tonnen Elektroaltgeräte gesammelt. Eine App ("eSchrott") liste die nächstgelegenen Sammelstellen auf.

Verbraucher sind schon auf Wegwerfen und Konsum trainiert

Das Problem fange allerdings schon bei der Herstellung und beim Verhalten der Verbraucher an, meinte Sommer. Das Öko-Design gerade auch der Smartphones stimme nicht, da sie nicht auf Langlebigkeit ausgerichtet seien. Auch verzichteten viele Nutzer darauf, ein defektes Gerät reparieren zu lassen. Stattdessen lande es gleich im Müll. (dpa/apa/red)

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