Anlagenbau

Kremsmüller kooperiert

Das Geheimrezept der Welser lautet Kooperation. Bei Andritz sorgte der Bereich Pulp&Paper für eine finanzielle Magenverstimmung im ersten Quartal.

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Gregor Kremsmüller blickt positiv in die Zukunft. Von einer Auftragsschwäche kann der Mitbesitzer und Geschäftsführer der Kremsmüller Gruppe nicht berichten. Im Gegenteil: Er glaubt sogar an eine Verbesserung. “Im Moment tun sich einige interessante Nischen für uns auf“, so Kremsmüller. Das Erfolgsgeheimnis des Komplettanbieters für Industrieanlagen: Kooperation. „Kooperationsmodelle sind nicht nur Arbeitsgemeinschaften. Das ist das ganze Know-how in einem Topf“, so Kremsmüller. „Das Risiko muss vernünftig aufgeteilt werden und ebenso das Fachwissen.“ Zusammen mit der Andritz Hydro hat Kremsmüller ein 90 Millionen Projekt im Kaunertal in Angriff genommen. 2016 soll die Wasserkraftanlage in Betrieb gehen. Das Großprojekt unterscheidet sich sehr von anderen. So spielt der Auftraggeber, die Tiwag, eine besondere Rolle. „Es ist ungewöhnlich, dass der Kunde so viel Fachwissen mitbringt. Es ist beinahe, als ob man beim Autokauf jedes technische Detail direkt im Werk besprechen würde“, erklärt Kremsmüller.

Dass die Tiwag fester Bestandteil während des Fertigungsprozesses ist, sieht der Chef der Kremsmüller Gruppe als durchaus positiv. „So lässt sich gegenseitiges Wissen perfekt ergänzen“, erklärt er. Die größte Herausforderung im Kaunertal, war aber die Verwendung eines völlig neuen Werkstoffes. In Zusammenarbeit mit der Andritz Hydro wurde daraufhin mit „WIG-HD Engspalt“ ein völlig neues Schweißverfahren für diese Materialien entwickelt. „Sogar die Schweißzusatzhersteller mussten für dieses Projekt neue Werkstoffe entwickeln, um mit dem hochentwickelten Grundmaterial Schritt halten zu können“, erklärt Kremsmüller. Für den Geschäftsführer ist klar, dass zukünftig neue Materialien eine große Herausforderung für den Anlagenbau darstellen. „Wir erweitern die Grenze des Machbaren. Und das hält noch einige Herausforderungen bereit“, so Kremsmüller.
 

Das Sorgenkind der Andritz
 

Rankingsieger und unbestrittener Platzhirsch im Anlagenbau ist die Andritz AG. Zu Anfang des Jahres musste aber auch der Größte unter Österreichs Anlagenbauelite eine deutliche Ergebnisverschlechterung bekannt geben. Sorgenkind war der Bereich Pulp & Paper. Dort sorgte eine Lieferung von Produktionstechnologien und Ausrüstungen für ein Zellstoffwerk in Südamerika für erhebliche Kostenüberschreitungen. „Zukünftig werden wir bei derartigen Projekten noch selektiver vorgehen und das Ertrags-, Risikoprofil jedes Projekts noch stärker berücksichtigen“, so Wolfgang Leitner, Vorstandsvorsitzender der Andritz AG. Satte 23, 7 Milliarden Euro kostete der Verlust. Aber Andritz besetzt nicht umsonst seit Jahren Platz 1. Bereits die Ergebnisse des zweiten Quartals zeigten eine erfreuliche Umsatzentwicklung. Immerhin stiegen die Aufträge um satte 15,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Konzernchef bleibt aber nüchtern. „Angesichts des insgesamt sehr schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds müssen wir mit der Geschäftsentwicklung der Andritz-Gruppe zufrieden sein. Für die verbleibenden Monate im Geschäftsjahr 2013 gehen wir davon aus, dass die Investitionsaktivität in unseren Hauptabnehmerindustrien weltweit verhalten bleibt“, so Leitner.