Anlagenbau

Die Aufholjagd

Eingefleischte Branchenkenner über die Quartalsaussichten - und warum uns Spanien und Russland die Rute ins Fenster stellen. Von Elisabeth Biedermann

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Marc Deimlings Gemüt war erhitzt. Die Tarifverhandlungen der Metaller nagten an den Nerven des Geschäftsführers der TMS Transport- und Montagesysteme GmbH. Als Spezialist für den Rohanlagenbau von Karosserieteilen ist seine Branche zwar relativ krisenresistent, trotzdem wartete er gespannt auf den Ausgang der Verhandlungen. „Es gibt nichts Wichtigeres als Arbeitsplätze zu erhalten und Österreich mit seinen überdurchschnittlichen Steuerabgaben macht es uns nicht gerade leicht.“
 

Die Stierkämpfer sind zurück
 

TMS ist Anlagenbauer für die Automobilindustrie und in keiner anderen Branche lässt sich so gut nachvollziehen, wie es um den Markt steht. „Wir Automobiler wandern immer den besten Konditionen hinterher“, so Deimling. Im Moment richten sich die Augen nach Spanien und Russland. Warum? Weil genau dort die Regierung entsprechende Maßnahmen gesetzt hat, die das Land wieder interessant für die Industrie machen. Kündigungen nach 15 Tagen und die Erhöhung des Pensionsalters über 55 holen die angeschlagen Stierkämpfer wieder zurück in die Arena. Auch Russland weiß wie die Not zur Tugend gemacht wird. 2011 erhöhte das Land seine Importzölle. „Bis zu 20 Prozent der Neuwagen werden in Zukunft in Russland produziert werden“, erklärt Deimling. Damit zwingt Putin die Automobilindustrie in seinem Land Werke zu errichten und die Anlagenbauer folgen. Verstecktes Engineering-Potenzial sieht Deimling in Rumänien. „Rumänische Ingenieure weisen einen sehr hohen Bildungsgrad auf und sind wegen dem vielseitigen Einsatz ihrer Sprache unschlagbar“, so der TMS-Chef. Es ist also nicht nur der Osten, der Österreich Konkurrenz macht, sondern auch die unmittelbaren Nachbarn.
 

White Paper zum Thema

Die Leiden der Siemens VAI
 

Trotz des zweiten Platzes (gemessen am Umsatz 2012) hat die Siemens VAI dieses Jahr nicht gut Kirschen essen. Die Auftragslage ist miserabel und 150 Leute sollen gehen. Der Grund der Misere: Weltweit zögern die Stahlkonzerne, in neue Anlagen zu investieren. Überkapazitäten sorgen dafür, dass ganze Anlagen stillgelegt werden. Die Münchner Konzernführung leitet ein und löst Branchenurgestein Werner Auer ab. Peter Neumann ist der Neue und hat sicher kein leichtes Spiel. Er sieht einen Rettungsanker im After-Sales-Bereich und hofft als Dienstleister für Industrieanlagen der angeschlagene VAI wieder Nährboden zu geben. Die Gerüchte um einen Verkauf der Industrieanlagensparte dementiert er. Dass die VAI gut daran tut, sich auf Wartung und Instandhaltung zu konzentrieren, kann auch Axavia-Geschäftsführer Walter Burgstaller bestätigen. „Die klassischen Instandhalter für den Anlagenbau werden heute ersetzt durch den Anlagenbauer selbst“, so Burgstaller. Er bemerkt bei seinen Kunden verstärkt einen Hang zu mitgelieferten Wartungsverträgen. „Seit den letzten fünf Jahren nimmt deren Anzahl stetig zu“, bemerkt er. „Hier liegt großes Potenzial.“