Außenhandel

Deutscher Industriepräsident kritisiert "extrem hohe" Handelsüberschüsse

Worte von Dieter Kempf, oberster Vertreter der Industrie in Deutschland, die man nicht erwarten würde: Das Land sei mitverantwortlich am Handelskonflikt mit den USA. Angesichts der "dauerhaft extrem hohen Überschüsse" müsse die deutsche Wirtschaft schauen, "dass die Sache nicht aus dem Ruder läuft".

Der deutsche Industriepräsident Dieter Kempf hat eine Mitverantwortung der Bundesrepublik am Handelskonflikt mit den USA eingeräumt und dazu aufgerufen, die Kritiker der hohen deutschen Exportüberschüsse ernster zu nehmen. "Wir Deutschen sollten uns hier ein bisschen ehrlich machen. Handelsbilanzen müssen nicht immer ausgeglichen sein."

"Aber wenn ein Land dauerhaft extrem hohe Überschüsse ausweist, dann muss es sich auch einmal fragen, was es selbst dazu beitragen kann, dass die Sache nicht aus dem Ruder läuft", sagte BDI-Präsident Kempf in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung".

Amerikanern helfen und mehr im Inland investieren

Konkret sprach er sich dafür aus, die US-Wirtschaft beim Wiederaufbau einer modernen, exportstarken Industrie zu unterstützen und zugleich die Binnenwirtschaft in Deutschland durch mehr Investitionen zu stärken. "Das käme nicht nur der Infrastruktur zugute, sondern würde auch unseren Handelsüberschuss verringern", erklärte er.

White Paper zum Thema

Hier seien die Unternehmen gefordert, "aber auch der Staat muss endlich mehr Geld in die Hand nehmen." Zudem sollten die Deutschen generell "die Welt weniger belehren als vielmehr versuchen, Brücken auch zu Sichtweisen zu bauen, die uns zunächst einmal fremd sind".

Sehr ungleiche Zölle auf Autoimporte

Kempf schloss auch eine Angleichung der Importzölle auf Autos in den USA und der EU nicht aus. Bisher verlangen die Europäer eine Einfuhrabgabe von zehn Prozent auf amerikanische Wagen, während die USA umgekehrt nur 2,5 Prozent fordern. (reuters/apa/red)

Verwandte tecfindr-Einträge