Stahlindustrie

Deutsche Stahlkonzerne weisen Dumpingvorwürfe scharf zurück

Die Anschuldigungen des Dumpings aus den USA weisen deutsche Stahlriesen mit scharfen Worten zurück. Trotzdem werden "schmerzhafte" Schritte befürchtet - weil sie Warenströme nach Europa umleiten, und damit die Situation der Branche weiter verschärfen könnten.

Im US-Anti-Dumpingverfahren gegen deutsche und andere europäische Stahlunternehmen hat der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller Salzgitter die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Weder die Entscheidung noch die Höhe der drohenden Importzölle seien nachvollziehbar, sagte Konzernsprecher Bernhard Kleinermann. Das US-Geschäft hat seinen Angaben zufolge einen Anteil von 6 Prozent am Umsatz des Stahlkochers.

USA kommen auf eine "Dumping-Rate" von 23 Prozent

Die US-Regierung sieht Dumping-Vorwürfe gegen mehrere ausländische Stahlproduzenten bestätigt, darunter neben der Salzgitter AG auch die Dillinger Hütte und die österreichische Voestalpine. Die Regierung geht von Dumping aus, wenn Produkte unter ihrem "fairen Wert" verkauft werden.

Die USA kündigten an, ihre Handelsgesetze energisch durchsetzen und wenn nötig auch rückwirkend Zölle eintreiben zu wollen. Der Salzgitter AG werden "Dumping-Raten" von 22,9 Prozent unterstellt. Damit gemeint ist der Prozentsatz, um den nach Auffassung der US-Regierung der Preis unter die Herstellungskosten gedrückt worden ist.

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Salzgitter: Vorwürfe "haltlos"

Schon zuvor hatte der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller die Dumpingvorwürfe als haltlos bezeichnet. Bei dem Anti-Dumping-Verfahren gehe es um Grobblech, mit dem ein eigenes Rohrwerk in den USA versorgt werde. Kleine Mengen seien auch außerhalb dieses Rohrwerks in den USA verkauft worden. Salzgitter soll Waren unterhalb der Herstellungskosten verkauft haben.

Auch Dillinger weist Vorwürfe entschieden zurück

Auch vom deutschen Stahlhersteller Dillinger Hütte kommt deutliche Kritik an den Vorwürfen des Preis-Dumpings gegen deutsche und andere europäische Stahlunternehmen. Die Dillinger-Gruppe habe Lieferungen in die USA bereits seit dem Zeitpunkt der Ankündigung von Strafzöllen eingestellt, hieß es in einer Erklärung.

Der Stahlkonzern sei mit seinen Walzwerken im saarländischen Dillingen sowie im französischen Dünkirchen betroffen. Es werde geprüft, wie die Kunden des Unternehmens in den USA künftig beliefert werden könnten.
Auch wenn der US-Markt für Dillinger eine eher begrenzte Rolle gespielt habe, seien die nun angekündigten Konsequenzen der US-Regierung "schmerzhaft, da solche Handelsschutzmaßnahmen, die viele Länder betreffen, zu Umleitungseffekten der Warenströme in die EU führen werden".

Umlenkung der Exporte nach Europa zu befürchten

Die US-Regierung hat nach eigenen Angaben eine Reihe ausländischer Stahlproduzenten des Preisdumpings überführt, darunter auch die Salzgitter AG. Die deutsche Bundesregierung wirft den USA vor, die deutsche Stahlindustrie zu benachteiligen, um die US-Industrie zu schützen.

(red/dpa/apa)

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