Chemische Industrie

Deutsche Chemieindustrie erwartet Anstieg in 2016

Nächstes Jahr sollten Produktion und Erlöse der chemischen Industrie zulegen, so Marijn Dekkers vom Fachverband VCI. Die Industrie werde weiter von niedrigen Zinsen, billigem Öl und dem schwachen Euro profitieren. Für 2015 erwartet die chemische Industrie Erlöse auf dem Niveau des Vorjahres.

Die deutsche Chemie-Industrie erwartet erst für das kommende Jahr wieder steigende Umsätze. 2016 sollten Produktion und Erlöse um jeweils 1,5 Prozent wachsen, erklärte der Konzernchef des Chemieriesen Bayer, Marijn Dekkers, als Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt.

Gründe seien der robuste Aufwärtstrend in den USA und eine gewisse wirtschaftliche Stabilisierung des europäischen Heimatmarkts. Die deutsche Wirtschaft werde weiter von niedrigen Zinsen, billigem Öl und einem schwachen Euro profitieren.

Für heuer Ergebnisse wie im Vorjahr erwartet

Im fast abgelaufenen Jahr 2015 erreichen die Unternehmen des drittgrößten deutschen Industriezweigs nach Einschätzung des Verbandes Erlöse von 190,8 Mrd. Euro, was exakt dem Vorjahresniveau entspricht.

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Der günstige Euro habe das Auslandsgeschäft vor allem nach Übersee zwar beflügelt, aber die Entwicklung in den Schwellenländern sei dennoch hinter den Erwartungen geblieben. Länder wie Russland und Brasilien drohten zu Sorgenkindern der Weltwirtschaft zu werden und andere Volkswirtschaften anzustecken, meinte Dekkers.

In Deutschland ließ die Nachfrage nach Chemie-Produkten in diesem Jahr um 1,5 Prozent nach. Mit einem Wachstum von 1,0 Prozent legte die Produktion um einen halben Prozentpunkt weniger zu als zuletzt vom VCI erwartet. Die Zahl der Jobs stieg um 0,5 Prozent auf 447.000, was sich aber nach VCI-Erwartung 2016 nicht fortsetzen werde.

Forschungsausgaben stagnieren - energieintensive Standorte außerhalb Europas

Dekkers zeigte sich besorgt über die stagnierenden Forschungsaufwendungen der Unternehmen, die mit 10,4 Mrd. Euro nur sehr knapp über dem Vorjahreswert liegen. "Stagnation wird nicht reichen, um im globalen Wettbewerb mitzuhalten", erklärte der VCI-Präsident. Die Industrie müsse viel tun, um ihre Innovationsstärke zu erhalten. Bereits seit drei Jahren investiere die deutsche Chemie im Ausland mehr Geld als im Inland.

Vor allem energieintensive Anlagen würden zunehmend außerhalb Deutschlands errichtet. "Hier machen sich die hohen Kosten der Energiewende in Deutschland unmittelbar als Standortnachteil bemerkbar", sagte Dekkers.

Neue Milliardenfusion zwischen Dow Chemical und DuPont möglich

Für Gesprächsstoff in der Chemieindustrie sorgt gerade eine mögliche milliardenschwere Fusion von Dow Chemical und DuPont. Die zwei größten US-Chemiekonzerne Dow Chemical und DuPont verhandeln Insidern zufolge über einen Zusammenschluss. Dabei könnte zunächst ein neuer Branchengigant mit einem Börsenwert von mehr als 120 Mrd. Dollar (110,3 Mrd. Euro) entstehen. Doch Insidern zufolge wird überlegt, den neuen Konzern in verschiedene Geschäftsteile - Kunststoffe, Spezialchemikalien und Agrarchemie - aufzuspalten.

Der Chef des Chemiekonzerns Bayer sieht durch die mögliche Fusion von Dow Chemical und DuPont den Branchentrend konzentrierten Unternehmen bestätigt. Nach seinem Verständnis gehe es bei der Fusion nicht so sehr darum, die beiden Unternehmen zusammenzubringen, sondern vielmehr darum, sie danach in drei fokussierte Unternehmen abzuspalten.

Bayer-Chef sieht Trend zu spezialisierten Chemiefirmen

"Es geht nicht um größer zu werden, es geht darum, fokussierter zu werden. Das ist eine Tendenz, ein Trend, den wir schon seit langem sehen", sagte Dekkers bei einer Pressekonferenz des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt. Es sei für Unternehmen sehr schwierig, sehr breit aufgestellt zu sein. Die Konzentration auf bestimmte Geschäfte sei die beste Möglichkeit, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

"Wir haben es schon gemacht", sagte Dekkers mit Blick auf die Trennung von Lanxess und Covestro. Bayer hatte beide Unternehmen abgespalten und an die Börse gebracht. Anders als in den USA seien in Deutschland auch Konkurrenten diesen Schritt schon gegangen. "Wir sind in Deutschland schon relativ proaktiv unterwegs gewesen in den letzten 10 bis 15 Jahren, weniger in Amerika." Hoechst gebe es ja auch nicht mehr.

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