Additive Fertigung

Deutsche Bundesregierung bittet Maschinenbauer bei COVID-19 um Hilfe

Die deutsche Bundesregierung hat eine Eilanfrage an die deutschen Maschinenbauer gerichtet. Auf der Website des VDMA heißt es: „Im Zuge der Coronavirus-Pandemie haben wir eine Eilanfrage des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zur Produktion und Produktionstechnik von Infektionsschutzausrüstungen für den medizinischen Einsatz erhalten.“

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Additive Fertigung COVID-19 Coronavirus 3D-Druck Maschinenbau VDMA

Gebraucht werden: Schutzbrillen, Vollgesichtsmasken, Atemschutzmasken FFP2 & FFP3, OP-Masken, Schutzkittel, Ganzkörperschutzanzüge, Einmalhandschuhe sowie Materialien zur Probenentnahme und Desinfektionsmittel.

„Sollte Ihr Unternehmen Maschinen oder Anlagen für die Produktion dieser Artikel kurzfristig liefern können oder gar freie Produktionskapazitäten haben (z.B. durch Umwidmung aktuell nicht genutzter Produktionsanlagen, auch in Showrooms o.ä.), freuen wir uns über jede Mitteilung, die wir dann an die entsprechenden Stellen weiterleiten werden“, heißt es in dem Schreiben der Regierung.  Der VDMA verteilt diese Nachricht seit einigen Stunden über seine Kanäle, eine detaillierte Aufstellung von Produkten mit Normen und Standardbeschreibung hängt der Information an die Mitgliedsunternehmen an.

Reverse Engineering als RettungAnderes ist die Situation in Italien. In den stark vom Virus betroffenen Regionen setzen Kliniken auf Reverse Engineering. Den Begriff Reverse Engineering kennen viele Leserinnen und Leser vor allem aus der Dritten Welt, aus Krisenstaaten, aus Failed States – dort müssen Helfer, Ingenieure aus  einem bestehenden, fertigen, industriell gefertigten Produkt durch Untersuchung der Strukturen, Zustände und Verhaltensweisen die Konstruktionselemente extrahieren, um es nachbauen zu können.

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In der Covid19-Krise bedienen sich jetzt auch Ingenieure aus Italien dieser Methode. In Krankenhäusern in Norditalien wurden Ventile für die Beatmung von Patienten knapp. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Isinnova hatten eine Lösung. Sie druckten die Ventile mit dem SLS-Verfahren nach. Doch die Konstruktionspläne wollte der Hersteller nicht herausgeben, berichten mehrere Medien übereinstimmend. In einem Video heißt es: Es sei besser auf die Originalteile zu warten, sie seien sicherer und besser. Kleine Löcher seien nur schwer mit dem 3D-Druck-Verfahren herzustellen. Auch warnten Unternehmen vor der Produktionsumgebung. Die Ingenieure in Italien wollen keinen zweiten Markt etablieren, sie handelten schnell, um Leben zu retten. Ihre Geschichte machte weltweit Schlagzeilen.

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Die Ingenieure bedienten sich dem Reverse Engineering und konstruierten das Bauteil nach und druckten es – über 100 Stück. Die Verantwortlichen druckten sogar direkt im Krankenhaus, um die Transportwege zu verkürzen. Das SLS-Verfahren ist ein generatives Schichtbauverfahren: das Werkstück wird Schicht für Schicht aufgebaut. Basis ist PA12, Polyamid, ein Kunststoff. Vorteile von PA12 – es nimmt wenig Feuchtigkeit auf und ist resistent gegenüber Chemikalien – kann also auch desinfiziert werden.

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Zurück nach Deutschland: Nach dem Erfolg in Italien, suchen immer mehr Krankenhäuser Hilfe. Der VDI/VDE veröffentlichte diese Woche einen Aufruf unter anderem an Unternehmen oder Fablabs, mehrere zehntausend Masken zu produzieren. Firmen sollen Kapazitäten bereitstellen, auch Hochschulen und Universitäten sind gefordert.

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