Stahlindustrie

Deshalb ist Megafusion bei Thyssenkrupp und Tata Steel endgültig gescheitert

Der deutsche Industriekonzern Thyssenkrupp wollte mit Tata Steel einen neuen europäischen Stahlriesen formen - dieser Plan ist nun gescheitert, wie die Konzernführung bestätigt. Auch die Aufspaltung von Thyssenkrupp kommt nicht. Hier die Gründe und die neuen Pläne.

Der deutsche Industriekonzern Thyssenkrupp sagt Insidern zufolge seine geplante Aufspaltung in zwei Teile ab. Auch die geplante Stahl-Fusion mit Tata Steel sei vom Tisch, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Damit werde nicht mehr gerechnet. Die Entwicklung hat sich bereits seit Tagen abgezeichnet.

>> Nun will Thyssenkrupp 6.000 Jobs streichen.

Konzernführung hat die Absage bestätigt

"Nach einem heutigen Gespräch mit der Wettbewerbskommission gehen ThyssenKrupp und Tata Steel davon aus, dass das geplante Joint Venture ihrer europäischen Stahlaktivitäten aufgrund der weiter fortbestehenden Bedenken der Kommission nicht zustande kommen wird", teilt der Konzern jetzt mit.

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Applaus vom Finanzmarkt

Stattdessen erwäge die Konzernspitze rund um Konzernchef Guido Kerkhoff jetzt eine Holding-Struktur mit der Möglichkeit, die Aufzugssparte abzuspalten oder teilweise an die Börse zu bringen. Die Aktien von Thyssenkrupp sprangen in der Spitze um mehr als acht Prozent.

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Große Fusionspläne von Hiesinger und Kerkhoff

Die geplante Konzernaufspaltung in einen Industriegüter- und einen Werkstoffkonzern ist das ureigene Projekt von Konzernchef Guido Kerkhoff, der seit knapp einem Jahr im Amt ist. Doch wegen des Kursverfalls der Thyssen-Aktien - am Mittwoch sank der Kurs auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren - mache die Aufspaltung keinen Sinn mehr, sagten die Insider.

Hier die Chronologie der Fusionspläne im Überblick:
Außer Spesen nichts gewesen >>

Der zentrale Grund für das Scheitern

Denn das konjunkturanfällige Werkstoffgeschäft sollte finanziell abgesichert werden, indem es an dem profitableren Industriegüterkonzern eine Beteiligung hält. Je weniger Thyssenkrupp jedoch wert ist, desto höher müsste die Beteiligung des Werkstoffkonzerns sein. Zudem wurden die Kosten der Aufspaltung im Konzern auf rund eine Milliarde Euro geschätzt. Auch deshalb stellte die neue Aufsichtsratschefin Martina Merz das Vorhaben noch einmal auf den Prüfstand, wie Insider Reuters gesagt haben.

Widerstand auch aus Brüssel

Die noch von Kerkhoffs Vorgänger Heinrich Hiesinger geplante Fusion des Stahlgeschäfts mit dem Rivalen Tata Steel traf bei den europäischen Wettbewerbsbehörden auf Widerstand, die zahlreiche Bedenken anmeldeten. Damit folgt Brüssel einer ähnlichen Linie wie bei den Fusionsplänen von Siemens und Alstom.

Auch in den europäischen Werken von Tata Steel gab es massiven Widerstand gegen die Pläne:

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Inzwischen gehe man bei Thyssenkrupp nicht mehr davon aus, dass dieser Plan umgesetzt werden könne, sagten die Insider.

Ihnen zufolge steht nun eine Holding-Struktur für den Traditionskonzern zur Debatte, bei der die profitable Aufzugssparte abgespalten oder zum Teil an die Börse gebracht werden würde. (reuters/apa/red)

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