Themendossier Stahlmarkt

3. Strafzölle auf Stahl: Diese Folgen sind möglich

Stahlprodukte in den USA werden teurer, Arbeitsplätze weltweit geraten unter Druck: Von einem Handelskrieg wären letztlich alle negativ betroffen, sagt der Außenhandelsexperte des Wifo.

Die kurzfristig geplante Einführung von Importzöllen auf Stahl und Aluminium durch US-Präsident Donald Trump lässt die Wogen international hochgehen - das Vorgehen ist höchst umstritten. "Ich halte die Maßnahme aus ökonomischen Überlegungen für nicht sinnvoll", sagte Außenhandelsexperte Harald Oberhofer des Forschungsinstituts Wifo und der Wirtschaftsuni (WU) Wien zur APA.

"Von einem Handelskrieg wären letztlich alle Seiten negativ betroffen, auch die USA", ortet Oberhofer eine Abwärtsspirale. Sobald die internationalen Handelspartner zum Gegenschlag ausholen und ihrerseits Strafzölle auf US-Produkte einheben, "wird das auch andere Branchen in der US-Wirtschaft betreffen, weil sie höhere Zölle zahlen müssen". Das könnte die amerikanischen Exporte gehörig dämpfen, da sich die amerikanischen Produkte in den Zielländern verteuern würden.

Negative Auswirkungen auf Produzenten und Bevölkerung der USA

Zudem vergesse die aktuelle US-Politik, dass die angekündigten Einfuhrzölle auf Stahl (25 Prozent) und Aluminium (10 Prozent) auch direkt negative Effekte auf die amerikanische Bevölkerung nach sich zögen - in Form von höheren Preisen für Produkte wie etwa Autos und in Form von Arbeitsplätzen. Letztere könnten infolge von höheren Produktionskosten und gebremster Nachfrage in den betreffenden Branchen bedroht sein.

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Produkte aus Stahl werden teurer

Produkte auf Stahlbasis werden jedenfalls teurer: "Der Zoll wird so wirken, dass die Stahlpreise in den USA generell steigen", erwartet der Wifo-Experte. Die Stahlproduzenten in den USA könnten höhere Preise verlangen. Dadurch erhöhten sich die Produktionskosten. Besonders massiv bekäme das die Automobilbranche zu spüren. Der japanische Autohersteller Toyota hat nach Trumps Ankündigung am Donnerstagabend postwendend vor höheren Autopreisen in den USA gewarnt.

Deutsche weit stärker betroffen als Voestalpine

Die Voest brauche sich vor den Maßnahmen kaum zu fürchten, wie Konzernchef Wolfgang Eder angedeutet hat. Dagegen sind in der Stahlindustrie Europas nach den Worten des Außenhandelsexperten Oberhofer vor allem deutsche Hersteller "sehr stark betroffen".

Immerhin ist Deutschland einer der Top-10-Stahllieferanten der USA. Deutschland stellte 2017 laut schottischem Analysehaus Wood Mackenzie 3,7 Prozent aller US-Stahlimporte im Volumen von 35,6 Millionen Tonnen und rangierte damit weltweit an achter Stelle.

Am härtesten trifft es aber Kanada, das mit 16,7 Prozent der Stahllieferungen in die Vereinigten Staaten den mit Abstand größten Anteil stellt. "Hinzu kommt die Facette, dass die Neuverhandlung der NAFTA (Nordamerikanischen Freihandelszone bestehend aus Kanada, USA und Mexiko, Anm.) gerade passiert."

Thyssenkrupp: Kaskadeneffekte möglich

Beim deutschen Stahlkonzern Salzgitter will man zunächst abwarten, wie Washington diese Entscheidung nun konkret umsetzen will. Der deutsche Industrieriese Thyssenkrupp, der gerade seine Stahlsparte mit dem indischen Unternehmen Tata Steel fusioniert, erwartet keine unmittelbaren Auswirkungen der neuen Stahlzölle. Allerdings könnte es zu möglichen "Kaskadeneffekten" kommen, so ein Sprecher.

Europas Problem mit Chinesen verschärft sich

Konkret bedeutet das, dass zunächst auch andere Märkte sich stärker schützen könnten, was von Nachteil für Exporteure wäre. Schlimmer allerdings wäre eine neue "Stahlschwemme" in Europa, auf deren Möglichkeit der deutsche Stahlverband hinweist.

Konkret: Während die USA dicht machen, drängen sämtliche Stahlexporteure auf den offenen und durch keine Schranken geschützten Markt Europas. Mit den entsprechenden Auswirkungen auf die europäische Stahlindustrie.

"Ich glaube, der US-Präsident testet aus, wie weit er gehen kann, ohne Gegenreaktionen zu bekommen", sagte Oberhofer mit dem Hinweis auf den vor etwa einem Monat verhängten US-Importzoll auf Solarpaneele und Waschmaschinen. "Bei Stahl war das absehbar, dass gerade die EU reagieren muss."

(Von Birgit Kremser, APA, red)

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