Management

Unschärferelation

Banken und Kapitalmarkt zwingen Unternehmern ein Berichtswesen auf, das in immer kürzeren Rhythmen immer detailliertere Rechenschaft über Sachverhalte abverlangt, die zur operativen Steuerung des Unternehmens gar nicht notwendig sind. So wird Reporting zunehmend zum zeitraubenden Selbstzweck. Immer mehr Spitzenmanager zweifeln am Nutzen des Reportings – und suchen nach Wegen, der Datenflut Sinn abzugewinnen. Von Piotr Dobrowolski

Um von dieser Subjektivität wegzukommen, arbeiten Losbichler und seine Kollegen mit der sogenannten Eye-Tracking-Technik, die aufzeichnet, wie Testpersonen einen Report lesen, welche Teile davon sie wie lange betrachten. Verbindet man solche Aufzeichnungen mit Aufgaben, die die Probanden mit Hilfe der ihnen vorgestellten Reports lösen sollen, lässt sich recht gut herausfinden, welche Elemente beim Verständnis helfen und welche nicht. Auf diese Weise können Reportvorlagen optimiert werden.

Besonders gut funktioniert das natürlich, wenn als Testpersonen jene Menschen herangezogen werden, die die getesteten Reports auch im realen Leben lesen. Die FH Oberösterreich bietet daher ein entsprechendes Service für Unternehmen an. Die Kosten sind überschaubar: Mit einem vierstelligen Euro-Betrag ist man dabei, bei umfangreicheren Fragestellungen wird es teurer.
 
Die wohl am weitesten reichende Frage im Zusammenhang mit Reporting wird aber selbst die beste Aufzeichnungstechnik nicht lösen können. Und die lautet: Spiegeln Reports tatsächlich die Wirklichkeit wider oder erschaffen sie eine eigene, unter Umständen verzerrte Welt? Denn ähnlich wie in der Physik, in der seit Heisenberg die Annahme gilt, dass schon die bloße Messung die gemessenen Eigenschaften beeinflusst, meinen auch einige Wirtschaftswissenschafter, dass Kennzahlen als Entscheidungsgrundlage nicht wirklich taugen. Denn sobald eine Kennzahl in Reports erhoben wird, versuchen die Verantwortlichen, diese Kennzahl möglichst in die gewünschte Richtung zu beeinflussen. Damit wird sie aber als objektive Messeinheit unbrauchbar.

Lesen Sie hier: Das sagen die Profis
 


Eye Tracking

Wie sich Wissenschafter an der FH Oberösterreich in Steyr auf den Weg zum perfekten Report machen.

Mit einem neuartigen Zugang untersuchen Forscher der FH Oberösterreich derzeit, was einen effizienten von einem uneffizienten Bericht unterscheidet. Dabei wird die sogenannte Eye-Tracking-Technologie eingesetzt. Eye-Tracking-Geräte ermöglichen es, den Blickverlauf von Berichtlesern aufzuzeichnen, und geben so wichtige Aufschlüsse darüber, welche Art der Berichtgestaltung die Informationsaufnahme unterstützt und welche sie behindert.

Da die Antwort auf die Frage, ob ein Berichtempfänger einen Bericht als gut lesbar und effizient empfindet, auch von persönlichen Präferenzen abhängt, bietet die FH Unternehmen an, das Design von Reports mit Hilfe des Eye-Tracking-Verfahrens maßgeschneidert auf konkrete Berichtsempfänger zu optimieren.

White Paper zum Thema

Nähere Informationen dazu gibt es beim Leiter des Studiengangs Controlling, Rechnungswesen und Finanzmanagement, Heimo Losbichler. E-Mail: heimo.losbichler@fh-steyr.at

Verwandte tecfindr-Einträge